Jochen Voigt führt Umweltminister Olaf Lies über den Gesseler Bio-Hof

Artenschutz ist Chefsache

Ortstermin im Bioland mit (v.l.) Schäfer Kay Trinler, Inga Dieterich (Biohof Voigt), Landrat Cord Bockhop, Dr. Yuki Henselek (Bioland e.V.), Umweltminister Olaf Lies, Jochen Voigt (Biohof Voigt) und Carolin Grieshop (Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen).
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Ortstermin im Bioland mit (v.l.) Schäfer Kay Trinler, Inga Dieterich (Biohof Voigt), Landrat Cord Bockhop, Dr. Yuki Henselek (Bioland e.V.), Umweltminister Olaf Lies, Jochen Voigt (Biohof Voigt) und Carolin Grieshop (Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen).

Gessel – Auf seiner dreitägigen Sommerreise durchs Land hat Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies am Mittwoch auf Einladung von Carolin Grieshop vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) auf dem Bio-Hof Voigt in Gessel Station gemacht. Jochen Voigt führte als Sprecher der seit über 30 Jahren ökologisch arbeitenden Hofgemeinschaft über den Betrieb, der sich überwiegend dem Gemüseanbau verschrieben hat.

Vom Kräutergarten mit zwei Bienenstöcken ging es über die Obstweide zum Grünland, auf dem Kay Trinler seine Schafe weiden lässt. Dem unbedarften Besucher eröffnet sich nicht sofort, was daran besonders ökologisch ist. Jochen Voigt machte es am Baumbestand, an Hecken und Grabenrändern deutlich, die eine wichtige Nord-Süd-Verbindung im Biotopverbund Hachetal darstellen.

Zusammen mit Dr. Yuki Henselek von Bioland machte er auch auf die Herausforderungen aufmerksam, denen ökologisch arbeitende Betriebe gegenüberstehen. In erster Linie die Bürokratie. Da stellen beispielsweise der Baum und sein Schattenfall schon wieder ein Problem bei der Bemessung der Nutzfläche im Ackerbau dar. Minister Olaf Lies und Landrat Cord Bockhop hörten aufmerksam zu, konnten aber auch keine kurzfristige Lösung aufzeigen.

Als formaler Anlass für den Ministerbesuch diente die Vorstellung des Projekts „Finka“ (Förderung von Insekten im Ackerbau), das auch vom Umweltministerium gefördert wird. Leen Vellenga vom KÖN betreut das Projekt zusammen mit Vera Kuhlmann vom Netzwerk Ackerbau. Ziel des Projektes: Lösungsstrategien zur Förderung der Biodiversität von Insekten.

30 Betriebspartnerschaften von jeweils einem bio- und einem konventionell arbeitenden Betrieb sollen dabei über einen Zeitraum von fünf Jahren auf einer definierten Fläche im konventionellen Betrieb auf den Einsatz von Herbiziden und chemisch-synthetischen Insektiziden verzichten. Für die mechanische Beikrautbearbeitung stellt der ökologische Betrieb die erforderliche Technik zur Verfügung.

Vellenga und Kuhlmann zeigten sich überrascht, dass sich landesweit rund 100 konventionell arbeitende Betriebe, einige aus dem Landkreis Diepholz, für dieses Projekt gemeldet haben. Bis zum Projektstart im Herbst sollen jetzt die passenden 30 Betriebe gefunden werden. Begleitet wird das Projekt durch die Universitäten Münster und Göttingen, die vor Projektbeginn Bestandsaufnahmen durchführen sowie die Entwicklungen der Insektenbestände im Projektzeitraum analysieren und dokumentieren.

Für Olaf Lies ist dieses Projekt Bestandteil seines niedersächsischen Weges, auf dem er Landwirtschaft mit Natur- und Artenschutz „unter einen Hut“ bringen möchte. Er definiert für Niedersachsen das Ziel, bis zum Jahr 2030 15 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe ökologisch zu betreiben. Aktuell beträgt der Anteil 4,7 Prozent gegenüber 9,7 Prozent auf Bundesebene. Gesetzesänderungen, die dieses Ziel unterstützen, seien im Natur-schutz-, Wald- und Wassergesetz erarbeitet worden und sollen im September zur Diskussion ins Kabinett gehen.

„In Umfragen unterstützen zehn Prozent der Bevölkerung Initiativen zum Artenschutz. Davon sind wir beim Einkauf noch weit entfernt“, berichtet er. „Corona regt hoffentlich zum Nachdenken an. Einmal nicht zum Fertigprodukt zu greifen, sondern dem regional ökologisch erzeugten Lebensmittel den Vorrang zu geben, wäre schon ein Gewinn. Wie so oft, hat der Verbraucher es auch hier in der Hand“, stellt der Umweltminister fest.

Von Horst Meyer

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