Argumente kontern Beleidigungen: Sykerin Monika Krüger hat die Facebook-Gruppe „Keine Hetze gegen Flüchtlinge“ gegründet

„Ich sehe in jeder Person das Einzelschicksal“

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Monika Krüger verwaltet eine Facebook-Gruppe gegen fremdenfeindliche Hetze.

Syke - Von Maik Hanke. Stammtischparolen, Beleidigungen, mitunter Morddrohungen: Immer häufiger hetzen geistige Brandstifter im Internet gegen Asylbewerber. Dem will die Sykerin Monika Krüger nun etwas entgegensetzen. „Keine Hetze gegen Flüchtlinge“ heißt ihre neue Facebook-Gruppe.

„Das ist noch alles ganz am Anfang“, sagt die 47-Jährige. Knapp drei Wochen ist die Gruppe alt. Mehr als 60 Menschen sind bereits beigetreten. Tendenz steigend. Allmählich nimmt das Projekt eine Eigendynamik auf. Krüger erkennt: „Ich bin mit der guten Sache nicht allein.“

Die Gruppe hat Krüger zunächst im Kleinen gegründet. Darauf aufmerksam gemacht hat sie erst, nachdem sie selbst abfällige Äußerungen über Flüchtlinge auf Facebook gelesen hatte. Das war in einer Gruppe über die Stadt Delmenhorst. Krüger schritt ein, konterte die Beleidigungen mit sachlicher Kritik, bot ihre Gruppe zur Solidarisierung gegen die Hetzer an. Krüger ist froh, sagen zu können, dass durch ihr Handeln bereits mehrere fremdenfeindliche Kommentare gelöscht wurden.

Monika Krüger hat eine soziale Ader – und Zeit. Als Haushälterin ist sie nicht Vollzeit beschäftigt. In ihrer Freizeit möchte sie daher etwas Gutes tun. „Langfristig würde ich gerne eine Flüchtlingsfamilie begleiten“, sagt sie und hofft, einen Platz im Schulungskurs für Asylbegleiter im September zu bekommen. Bis es soweit ist, will sie auf andere Weise helfen – etwa mit ihrer Facebook-Gruppe.

Krüger will eine Öffentlichkeit herstellen, ein Miteinander, ein Netzwerk. Sie will Hintergrundinformationen verbreiten und aufklären. „Ich bin so ein Typ, ich versuche den Leute beizubringen, über den Tellerrand zu schauen.“

Krüger teilt bei Facebook Zeitungsartikel, Videos, Karikaturen und Motivationsbilder. „Es gibt nicht zu viele Flüchtlinge, nur zu viel Rassismus“ steht auf einem Bildchen. „Kein Mensch ist illegal“ auf einem anderen. Krüger hat eine ganze Reihe solcher Sätze parat. „Ich sag immer: Flucht ist kein Verbrechen.“

Mit der Thematik Flüchtlinge setzt sich die politikinteressierte Sykerin seit etwa zwei Jahren intensiv auseinander. Auslöser war die Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa. „Irgendwann fängt man an nachzudenken“, sagt Krüger. „Ich sehe in jeder Person, die flüchtet, das Einzelschicksal.“

Wenn jemand in Gesprächen oder im Internet ausfallend wird, versucht Krüger zunächst einmal aufzuklären. Zum Beispiel, wenn jemand meckert, woher Flüchtlinge denn Handys hätten. „Viele glauben, dass die Leute in Syrien vorher im Mittelalter gelebt haben.“ Dabei seien doch Telefone wichtig, um mit der Familie in den Kriegsgebieten der Heimat in Kontakt zu bleiben. Krüger weiß, es ist schwer, sich in die Situation eines Flüchtlings hineinzudenken – versuchen müsse man es zumindest.

Aber manche Menschen machen bei sachlichen Argumenten einfach dicht, hat Krüger gemerkt. „Es gibt Leute, die man dafür nicht gewinnen kann.“

Die Reaktionen auf ihre Gruppe seien aber bisher durchweg positiv gewesen. Syke scheint Flüchtlingen gegenüber weitgehend offen und hilfsbereit zu sein, glaubt Krüger.

Was könnte sich aus ihrer Facebook-Gemeinschaft noch entwickeln? „Wenn ich das wüsste!“ Ist ja noch alles ganz am Anfang.

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