Bürokratie und fehlende Sprachkenntnisse größte Hindernisse

Arbeit für Flüchtlinge – ein ganz weites Feld

Für Noura Ali (links) und Sausen Telo ist ihr Job in der neuen Mensa der Grundschule am Lindhof die erste „richtige“ Arbeit seit mehr als 20 Jahren. Beide sprechen fließend Arabisch, Kurdisch und Deutsch, was für alle Beteiligten äußerst hilfreich ist. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Michael Walter. Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, darf nach drei Monaten ganz regulär arbeiten – theoretisch. Die Praxis sieht oft anders aus. Davon konnten am Dienstag Bürgermeisterin Suse Laue, Erster Stadtrat Thomas Kuchem und die Syker Unternehmerin Sabine Scheurer-Heyse ein Lied singen.

„Flüchtlinge in Arbeit zu integrieren, ist ein ganz weites Feld“, betont Laue. Von den rund 530 Menschen, die der Stadt seit Beginn der Flüchtlingskrise zugewiesen worden sind, haben bislang etwa 20 bis 30 ein Praktikum oder sogar eine Ausbildung begonnen. Genaue Zahlen gibt es nicht. Denn etliche davon haben mittendrin ihre Ausweisung erhalten oder sind freiwillig zurück in ihre Herkunftsländer gereist.

20 bis 30 von über 500 – das klingt nach nicht viel. Sabine Scheurer-Heyse glaubt: „Es könnten viel mehr sein, wenn nicht die Mühlen der Bürokratie so langsam mahlen würden.“ Sie leitet in Syke ein Unternehmen, das sich auf Bäckereimaschinen spezialisiert hat und beschäftigt seit Kurzem einen 25-jährigen Flüchtling aus dem Irak in ihrer Werkstatt.

„Die Stelle war seit Jahren unbesetzt. Diverse Versuche übers Arbeitsamt waren gescheitert“, erzählt sie. Bis sie sich an Thomas Kuchem in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsförderer gewandt hat. „Könnten Sie sich auch vorstellen, einen Flüchtling zu beschäftigen“, hatte der sie gefragt. Konnte sie.

„Wir hätten ihn direkt vom ersten Praktikum weg fest angestellt“, sagt Scheurer-Heyse. Jedoch: Die Arbeitserlaubnis ließ Monate auf sich warten, weil die zuständige Behörde in Essen überlastet ist. Zur Überbrückung machte der Iraker sogar ein zweites Praktikum bei ihr. Jetzt ist er mit 30 Stunden pro Woche als Werkstatthelfer angestellt – und wartet auf seine weiterführenden Sprachkurse. Denn eigentlich möchte der Mann eine reguläre Ausbildung beginnen. Dafür fehlen aber die Sprachkenntnisse.

Großer Aufwand für Anstellung eines Flüchtlings

„Es ist schon aufwändiger, einen Flüchtling einzustellen“, sagt Sabine Scheurer-Heyse. Der ganze Papierkram, der damit verbunden ist – „das ist nichts, was man nebenbei machen könnte. Und ihr Flüchtling selbst bekomme Formulare in bestem Amtsdeutsch, „und damit kommt er dann zu mir: Muss ich jetzt was machen? Muss ich wo hin? Muss ich was unterschreiben? Es wäre wirklich eine Hilfe, wenn diese Formulare besser verständlich geschrieben oder wenigstens übersetzt wären.“

Die Stadtverwaltung beschäftigt seit Kurzem übrigens selbst zwei Flüchtlinge: Noura Ali und Sausen Telo arbeiten als Helferinnen bei der Essensausgabe in der neuen Mensa der Grundschule am Lindhof. Obwohl beide schon seit über 20 Jahren als anerkannte Flüchtlinge in Syke leben, ist es für sie die erste reguläre Arbeitsstelle.

Die Stadt möchte auch gemeinsam mit dem Diakonischen Werk gezielt Flüchtlinge in Pflegeberufen hospitieren lassen und sucht über die Flüchtlingspaten jetzt nach geeigneten Personen. Weitere Infos und Kontakt über Thomas Kuchem unter 04242 / 164-502 oder

t.kuchem@syke.de

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