Anspruchvolles Konzert mit Angelika Scholl und Stephan Uhlig in der Wassermühle

Warme Stimme – böser Text

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Angelika Scholl und Stephan Uhlig bei ihrem Konzert in der Barrier Wassermühle.

Von Dagmar VossBARRIENFlucht ist gerade die Fragestellung, die die Republik bewegt. Es liegt auf der Hand, dass es schon häufiger im Weltgeschehen thematisiert worden ist – nicht nur von der Presse, sondern auch von vielen Künstlern. Dazu hatte die Kulturinitiative Rüttelschuh zwei Bremer Musiker eingeladen, die im musikalischen Gepäck die Bearbeitung dieses Themas durch Hanns Eisler, Berthold Brecht und Kurt Tucholsky dabei hatten.

Die Pianistin Angelika Scholl und der Sänger Stephan Uhlig stellten dem Publikum mit ihrem anspruchsvollen Programm „Auf der Flucht vor meinen Landsleuten“ Lieder vor, die in der Zeit zwischen 1917 und 1955 entstanden sind. Einige von ihnen wohl bekannt wie das „Lied von der belebenden Wirkung des Geldes“ von 1934.

Zitate kamen dazu aus Theaterstücken, aus dem sogenannten epischen Theater, begründet von Brecht um 1926. Dieses Theater ist eine moderne Form des Dramas, wobei mithilfe eines Erzählers versucht wird, Zuschauer für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren.

Richtig aktuell auch „Resolution – Die Tage der Commune“, aus dem Zyklus Svendborger Gedichte (1926–1939), das schon Gänsehaut-Qualität aufweist: „… haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben mehr zu fürchten als den Tod.“ Oder bei der zum Ort passenden „Ballade vom Wasserrad – Rundköpfe und Spitzköpfe“, einem der wohl besten Politsongs aus der Feder Brecht/Eisler.

Für manche Ohren vielleicht eher ungewöhnlich die Zwölf-Ton-Musik der Lieder aus dem HLB, dem „Hollywooder Liederbuch“, das in den Kriegsjahren in der Emigration entstanden ist. Das HLB von Hanns Eisler mit bissigen Texten von Brecht und Tucholsky genoss im 20. Jahrhundert musikalisch einen ähnlichen Stellenwert wie Schuberts Liederzyklen.

Die warme Stimme von Uhlig begeisterte die Zuhörer, manches Mal allerdings war sie ein bizarrer Kontrast zu den bitterbös-satirischen Texten wie bei dem „Lied des Richters“.

Um für ein besseres Verständnis zu sorgen, hatte Uhlig, Sänger und Arrangeur im Bremer Eisler-Ensemble, für eine ausführliche Beschreibung ihres Programms gesorgt, für Hintergrundinfos über die Situation der Freundschaft zwischen Brecht und Eisler in den langen Jahren vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die gespannt lauschenden Zuhörer waren begeistert und erhielten für ihren langen Applaus das wohlbekannte Finale aus der „Dreigroschenoper“.

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