Permanenter Kampf mit dem Tabu

Annette Schmalz bietet seit zehn Jahren Beckenbodentraining an

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Annette Schmalz bietet seit zehn Jahren im Syker Gesundheitsamt Beckenboden-Training an. 

Syke - Von Michael Walter. „Die Pobacken zusammenkneifen reicht nicht!“ – Das ist die Botschaft, die Annette Schmalz vermittelt. Seit zehn Jahren bietet sie in Zusammenarbeit mit dem Team „Rund um die Geburt“, den Frauenärzten und der VHS Beckenbodentraining in Syke an. Und seit zehn Jahren kämpft sie dabei gegen falsche Scham.

„Das ist ein Tabu-Thema, nach wie vor“, sagt die 52-Jährige. Frauen sprechen nicht gern über die Probleme, die sich nach einer Geburt oder mit zunehmendem Alter „da unten“ ergeben können. Gebärmuttersenkungen, Blasensenkungen und in der Folge Inkontinenz. „Besonders die Generation ab 50 aufwärts tut sich schwer, darüber zu sprechen. Die jüngeren Frauen sind da schon etwas aufgeschlossener.“

Kein „Omi-Sport“ sondern präventives Muskeltraining

Beckenboden-Training werde oft als „Omi-Sport“ belächelt, sagt Schmalz. „Das ist kein Sport, sondern ein ganz filigranes Muskeltraining, das ganz unterschwellig ansetzt.“ Zum Beispiel bei den Hockern, auf denen wir bei diesem Pressegespräch sitzen. Genauer: Die schlaff gefüllten Gummi-Sitzkissen darauf geben nach – bei jeder Gewichtsverlagerung in eine andere Richtung. Und damit man nicht einfach runterfällt, muss man ständig leicht dagegen an arbeiten. „Die gesamte Rumpfmuskulatur einschließlich Bauch und Rücken wird dabei beansprucht“, sagt Schmalz. Ziel ist, Selbstkontrolle durch bewusste Steuerung zu erleben.

„Wir wissen heute, dass diese Art des Muskeltrainings präventiv zu Kontinenz, Haltung, Figur, Sexualität und Körpergefühl beiträgt. Dieses Training kann zu langfristiger Rumpfstabilisation verhelfen und sogar bestehende Probleme mit der Wirbelsäule lösen.“

Erfolgsquote ist kaum zu messen

Die examinierte Krankenschwester ist eigentlich beim Gesundheitsamt des Landkreises für den Bereich Kinder- und Jugendgesundheitsdienst angestellt. Nebenbei war sie beim Hebammen-Team Rund um die Geburt für das Terminmanagement zuständig. Über diesen Kontakt kam sie auch zu ihrem zweiten Standbein als Dozentin für Beckenbodentraining. „Wir bräuchten eigentlich jemanden, der die Frauen nach den Rückbildungskursen auffängt und weiter betreut“, war damals die Erkenntnis. Annette Schmalz hat sich entsprechend weitergebildet und hat diese Lücke gefüllt. Daraus ist jetzt ein zweiter beruflicher Schwerpunkt geworden.

Um die 500 Frauen hat sie seitdem in ihren Kursen betreut. Die Erfolgsquote lässt sich schwer messen. Zum einen gibt es keine Statistiken darüber, in wievielen Fällen durch das Training eine Operation vermieden werden konnte. Zum anderen reicht es nicht aus, einfach mal einen Kurs zu belegen. „Das ist wie Zähne putzen und Auto fahren“, sagt Schmalz. „Man kann lernen, wie es geht, aber machen müssen die Frauen das selber. Jeden Tag.“

Resonanz bei Männern geht gegen Null

Die Nachfrage ist nach wie vor verhalten. Etwa die Hälfte der Frauen wird immer noch vom Arzt zu ihr geschickt und wäre von selbst wahrscheinlich nicht gekommen. Auch für Männer hat Schmalz probeweise schon einmal Kurse angeboten. Da tendierte die Resonanz allerdings gegen Null. „Dabei haben auch Männer einen Beckenboden“, sagt sie. „Das merken sie spätestens, wenn sie mal Probleme mit der Prostata gehabt haben.“

Am Freitag feiert Annette Schmalz ihr kleines Dienstjubiläum. Nur mit geladenen Gästen und ehemaligen Teilnehmerinnen.

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