Die Angst vor dem Glücksbringer 

Bürger verunsichert: Müssen sie den Schornsteinfeger ins Haus lassen?

Schwindelfrei – das gehört zum Beruf: Ein junger Schornsteinfeger bei der Arbeit, die zurzeit unter ganz anderen schwierigen Bedingungen läuft. Foto: DPA/ Jens-Ulrich Koch
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Schwindelfrei – das gehört zum Beruf: Ein junger Schornsteinfeger bei der Arbeit, die zurzeit unter ganz anderen schwierigen Bedingungen läuft.

Diepholz/Nienburg - Es ist nur eine kurze Nachricht im Briefkasten, die bisher mehr oder weniger Routine war: Der Schornsteinfeger kündigt die alljährliche Überprüfung der Heizung an. Doch diesmal löst die Mitteilung Angst aus: „Meine Frau und ich gehören zur Risikogruppe. Wir möchten ihn jetzt nicht ins Haus lassen“, sagt Ewald Strauß. Die Coronakrise beunruhigt den 77-jährigen Eystruper und seine 74-jährige Frau zutiefst. Genau wie einen 59-jährigen Syker, der namentlich nicht genannt werden will. „Ich muss meine 83-jährige Mutter mit versorgen“, sagt er – und ist in großer Sorge vor einer Ansteckung.

Genau das hat der 59-Jährige seinem Schornsteinfeger mitgeteilt – und über dessen Reaktion mehr als gestaunt: „Der Schornsteinfeger rief mich an und sagte, ich müsse ihm eine amtliche Bestätigung zusenden, dass ich einer Risikogruppe angehöre, sonst müsse ich Strafe zahlen“, berichtet der Syker. Und schüttelt den Kopf: „Wir reden über Ausgangssperre“, und trotzdem dürfe ein Schornsteinfeger in Zeiten akuter Virusgefahr Haus um Haus betreten. „Dabei hat der Landrat doch ausdrücklich betont, es sei unerlässlich, dass sich alle an die Kontaktsperre halten“, wundert sich der Syker.

Ewald Strauß ist froh, dass der Schornsteinfeger seinen Besuch per Nachricht im Briefkasten angekündigt hat: „Wenn er geklingelt hätte, dann hätte ich ihn reingelassen und gar nicht drüber nachgedacht.“ Dass der Schornsteinfeger unterwegs sei, könne er verstehen: „Er muss ja Geld verdienen.“ Jetzt habe er mit ihm vereinbart, dass die jährliche Heizungsüberprüfung später nachgeholt werde.

Eigentümer haben die Pflicht, Heizung regelmäßig überprüfen zu lassen

Genau das hat nun auch der 59-Jährige aus Syke mit seinem Schornsteinfeger abgemacht. „Wir verstehen uns gut“, will der Syker nicht missverstanden werden, aber eine Überprüfung zum jetzigen Zeitpunkt sei wirklich nicht angebracht.

Fakt ist: Die Eigentümer stehen in der Pflicht, ihre Heizung regelmäßig überprüfen zu lassen. Wie ist die Rechtslage? Cord Steinbrecher, Pressesprecher des für Eystrup zuständigen Landkreises Nienburg, verweist auf einen Erlass des Landes vom 23. März: „Darin heißt es, die Arbeiten sollen ohne Risiko durchgeführt werden.“ Auch wenn die Eigentümer grundsätzlich in der Pflicht seien, könnten sie mit ihrem Schornsteinfeger einen anderen Termin vereinbaren. Das solle möglichst schriftlich geschehen und von beiden unterschrieben werden. Im Notfall reiche auch die Unterschrift des Schornsteinfegers. Aber die Überprüfung solle in jedem Fall „schnellstmöglich nachgeholt werden“.

Ist kein Besuch erwünscht, lässt sich ein neuer Termin vereinbaren

Der Erlass gilt genauso für den Landkreis Diepholz. Trotzdem: Sowohl bei den Bürgern als auch den Schornsteinfegern herrscht angesichts der restriktiven öffentlichen Maßnahmen gegen das Coronavirus Unsicherheit.

Das bestätigt Franziska Döpping, Mitarbeiterin des Zentralverbands Deutscher Schornsteinfeger – und berichtet von zahlreichen telefonischen Nachfragen. Sie stellt klar: „Wenn die Kunden einen Besuch zurzeit nicht möchten, dann vereinbaren sie mit ihrem Schornsteinfeger einfach einen neuen Termin.“

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