Bürgermahl in Syke

Die Angst des Furchtlosen

Einblicke in das „Bandenland“ Deutschland lieferte Journalist Olaf Sundermeyer (l.) am Sonntag beim Bürgermahl im Saal der Kreissparkasse. Über einen Gast, der viel zu erzählen und viel zu sagen hatte, freuten sich Ralf Michel (r.) und Annette Amelung vom Vorstand der Bürgerstiftung sowie Michael Lux, Vorsitzender des Stiftungsrates. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Frank Jaursch. Olaf Sundermeyer ist ein furchtloser Typ. Seit Jahren bewegt sich der investigative Journalist in Kreisen, denen man für gewöhnlich lieber fernbleiben möchte. Er spricht mit Bandenchefs und Taschendieben, mit Hooligans und Neonazis, mit Famlienclans und Rockergangs. Gestern hatte er einen ganz ungefährlichen Termin: Im Rahmen des 8. Bürgermahls der Syker Bürgerstiftung war Sundermeyer zu Gast im Veranstaltungssaal der Kreissparkasse.

Im Verlauf von drei kurzweiligen Stunden sprach Sundermeyer über organisierte Kriminalität in Deutschland, über die Gründe, warum junge Männer mit Migrationshintergrund anfälliger für eine kriminelle Karriere sind – und über das eine Mal, als auch er es mit der Angst zu tun bekam.

Mehr als 80 Teilnehmer konnte Ralf Michel, der Vorsitzende der Bürgerstiftung, zur achten Ausgabe des Bürgermahls begrüßen – Rekord. „Das können Sie als ersten Erfolg verbuchen“, verkündete Michel, an den Gast gewandt. Auch Sundermeyer begann mit einem Kompliment: „Was ich hier sehe, ist gelebte Zivilgesellschaft“, betonte er. Von den Einnahmen des Mahls finanziert die Stiftung zahlreiche Aktionen von Flüchtings- bis Seniorenarbeit.

Der Dortmunder, erklärter Borussenfan und Werder-Sympathisant, war zum ersten Ma(h)l in Syke. Natürlich sei die Stadt ihm bekannt, von der „weltberühmten Syker Kreiszeitung“ mit ihrer Werder-Berichterstattung, schmunzelte Sundermeyer. Sein erster Eindruck von Syke sei, dass die Welt „hier noch in Ordnung ist – und das soll sie auch bleiben“, betonte er.

Dass das aber in diesen Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt, wurde in den drei Teilen seines Vortrags deutlich. Längst hätten höchst unterschiedliche Täter Deutschland als perfektes Ziel für ihre illegalen Aktivitäten ausgemacht. Von der rumänischen Diebesbande bis zur arabischen Großfamilie nutzen viele Gruppen die Mischung aus Wohlstand und Sicherheitsmängeln für ihre illegalen Zwecke.

„Seit Jahren geht in Deutschland der Klau um“, so Sundermeyer. Familienclans und Rockergangs würden den Rechtsstaat verhöhnen. Und die Polizei ist vielfach ohne Chance – bei einer viel zu dünnen Personaldecke, bei offenkundigen Problemen im Informationsfluss wird den Sicherheitsbehörden ihre Machtlosigkeit vor Augen geführt. Politiker hätten diese Machtlosigkeit lange verschwiegen – aus Angst vor dem Wähler. Olaf Sundermeyer hat seine Erkenntnisse im März im Buch „Bandenland“ veröffentlicht. Daraus las er zwischen den Gängen mehrere Auszüge vor.

Eine zentrale Aussage darin: „Natürlich haben wir ein Problem mit Kriminalität durch Migration.“ Kritisch ging er mit dem „reflexhaften“ Hinweis vieler Medienschaffender, es gebe doch auch deutsche Kriminelle, ins Gericht. „Als Journalisten sollten wir das abbilden, was ist, und nicht das, was man sich als Idealzustand wünscht.“

Aus vielen Gesprächen hat er erfahren, dass gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund vielerorts geradezu zu Einbrüchen abgerichtet würden. „Vielen Großfamilien ist das Land, in dem sie leben egal.“ Sie seien auf der Suche nach Anerkennung – und die biete ihnen die Kriminalität oft eher als zum Beispiel ein Schulabschluss.

Sundermeyer plädierte für eine „politische Aufwertung der Sicherheitsfrage“. Längst spreche man parteiübergreifend wieder vom „starken Staat“, nehme einen stärkeren Wunsch nach Fürsorge und Schutz wahr. Der 44-Jährige regte die Stärkung des Bundeskriminalamtes an. „Sicherheit kann man kaufen“, betonte er. Darüber hinaus müssten finanzielle Maßnahmen mit strukturellen Veränderungen einhergehen.

Nachdem Sündermeyer zunächst vor allem vorgelesen hatte, war im dritten Teil Gelegenheit, um mit dem Journalisten ins Gespräch kommen. Wohl der spannendste Teil: Er sprach von Recherche- und Interviewmethoden und gab auch Einsicht in sein Seelenleben. Ein einziges Mal habe er Angst gehabt, beschrieb er: Als er im November 2014 auf seiner ersten Pegida-Demo war. Als Neonazis erstmals gemeinsam mit der bürgerlichen Mitte demonstrierten. „Da wurde mir bewusst, dass sich in Deutschland etwas verändert“, sagte Sündermeyer. „Das hat mir Angst gemacht.“

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