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Angelverein will Edelflusskrebse in Syke nachzüchten

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Von: Michael Walter

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Andree Fischer  möchte die Edelflusskreibse eines Tages in der Hache aussetzen. Vorher müssen sie sich im Biotop vermehren.
Andree Fischer möchte die Edelflusskreibse eines Tages in der Hache aussetzen. Vorher müssen sie sich im Biotop vermehren. © Michael Walter

Der Syker Angelverein will im Biotop bei Barrien Edelflusskrebse nachzüchten. Irgendwann sollen sie in der Hache ausgesetzt werden.

Barrien – Sie haben ein bisschen was von Skorpionen, die kleinen Viecher, die da in ihrer Transportkiste krabbeln. Zwei mächtige Scheren, weit größer als der eigene Kopf, einen flachen gepanzerten Körper, lange Fühler und viel zu viele Beine. Nur der Stachel am Hinterleib fehlt. Aber sie sind völlig harmlos: Die Männer, die vor der Kiste stehen, nehmen die Tiere ganz selbstverständlich in die Hand und begutachten sie sorgfältig.

Einheimische Krebse leiden seit 1860 unter invasiven Arten

Wolfgang Spannhake legt eines auf den Tisch neben ein Bandmaß. „Sechs Zentimeter“, liest er ab. Und Jens Plewa gegenüber am Tisch trägt das sorgfältig in ein Formular ein. „Acht Zentimeter“, misst Wilfried Meyer das nächste Tier „Hat schon Eier.“ Und Plewa vermerkt das gesondert auf seinem Blatt.

Die Männer gehören zum Syker Angelverein. Und die Tiere in der Kiste sind junge Edelflusskrebse. Mittelfristig möchte der Verein diese Art wieder in der Hache heimisch machen. Und zu diesem Zweck will er sie in einem Biotop in Barrien nachzüchten.

„Der Name ist Astacus. Cancer Astacus. Auch bekannt als Europäischer Edelflusskrebs.“ Der Syker Angelverein will diese Art wieder in der Hache heimisch machen und die Tiere dafür in einem Biotop nachzüchten.
„Der Name ist Astacus. Cancer Astacus. Auch bekannt als Europäischer Edelflusskrebs.“ Der Syker Angelverein will diese Art wieder in der Hache heimisch machen und die Tiere dafür in einem Biotop nachzüchten. © Michael Walter

Die erste Überraschung bereiten die Krebse den Männern vom Angelverein schon beim Zählen: 36 Jungtiere hatten sie bestellt. 37 sind in der Kiste. Den Bonus-Krebs heißen sie wohlwollend willkommen. Schließlich sind drei Dutzend Tiere eh nicht viel, wenn man eine neue Population aufbauen möchte. Andererseits: Das Biotop ist auch nicht sonderlich groß. Und zu viele Krebse dürfen es daher auch nicht sein.

„Diese Krebse sind eine einheimische Art“, erklärt Vorsitzender Andree Fischer. „Aber die Bestände sind gefährdet. Durch eine Seuche, eingeschleppt von invasiven Arten wie etwa dem amerikanischen Kamber-Krebs.“ Der Erreger zählt zu den Ei-Pilzen und ist keinesfalls neu: Schon um 1860 kam er aus Amerika nach Europa. Und breitete sich rasend schnell aus: Innerhalb weniger Jahrzehnte machte die Krebs-Pest europaweit ganze Regionen zu flusskrebsfreien Zonen.

Die Hache ist heute nahezu krebsfrei

Auch die Hache ist heute nahezu krebsfrei. „Wir haben 14 Tage lang Reusen aufgestellt“, erzählt Fischer. „Einen einzigen Krebs haben wir bei Sudweyhe gefangen. Und das war ein Kamber-Krebs.“

Die Jungtiere, die der Angelverein jetzt aussetzt, sind etwa drei Jahre alt und zwischen sechs und neun Zentimeter groß. Ausgewachsen können sie 20 bis 25 Zentimeter groß werden, ein Gewicht von bis zu 350 Gramm erreichen und bis zu 20 Jahre alt werden. Und wenn sich der Bestand wie erhofft entwickelt, sollen die Krebse in ein paar Jahren in die Hache ausgesiedelt werden. „Wir werden jetzt regelmäßig beobachten, wie sich der Bestand entwickelt“, sagt Andree Fischer. „Ob sie vielleicht weggefressen werden, abwandern oder sonst etwas.“

Andree Fischer (l.) und Sascha Wieczorek vom Angelverein Syke setzen die Flusskrebse im Biotop an der Hache aus. Dort sollen sich die Tiere vermehren, um eines Tages in der Hache selbst ausgesetzt werden zu können.
Andree Fischer (l.) und Sascha Wieczorek vom Angelverein Syke setzen die Flusskrebse im Biotop an der Hache aus. Dort sollen sich die Tiere vermehren, um eines Tages in der Hache selbst ausgesetzt werden zu können. © Michael Walter

Gefahr sollte ihnen im Biotop eigentlich nicht drohen. Als Versteck vor Fressfeinden haben die Angler ausgediente Ton-Röhren auf dem Grund ausgelegt. Das sollte normalerweise reichen. „Rein theoretisch haben wir hier Karauschen, Karpfen und Schleien drin, die wir mal ausgesetzt haben“, zählt Fischer auf. Aber wer weiß? „Es hat hier ja auch schon mal jemand Goldfische ausgesetzt. Was übrigens verboten ist.“

Andree Fischer kann sich darüber durchaus aufregen. „Aquarium-Fische im Biotop auszusetzen, ist genauso, wie wenn man einen Hund an der Autobahnraststätte anbindet.“ Nur mit dem Unterschied, dass die Aquarium-Fische zusätzlich noch großen Schaden anrichten können. „Die Leute wissen gar nicht, was sie der Natur damit antun.“ Zum einen, weil sich die Aquarium-Fische mit den wild lebenden Arten kreuzen. „Reinrassige Karauschen sind kaum noch zu finden, weil sie sich mit allem paaren, was da so rumschwimmt. Wir hatten auch schon Sonnenbarsche in der Hache. Die kommen aus dem Aquarium. Das ist eine invasive Art, die hier nicht hergehört“, sagt Fischer. „Solange die hier keine Krankheiten einschleppen, geht das ja vielleicht sogar noch,“

Aber da ist Fischer dann eben auch bei dem anderen und für die heimischen Tierarten weit bedrohlicheren Punkt: Ortsfremde Arten sind immer eine potenzielle Ansteckungsquelle.

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