Böser Vetter aus Amerika

Angelverein Syke sucht nach einem Refugium für bedrohte heimische Edelkrebse

Der Kamberkrebs, eine invasive Art aus den USA. Dieses Exemplar ging den Angelsportlern in die Reuse.
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Der Kamberkrebs, eine invasive Art aus den USA. Dieses Exemplar ging den Syker Angelsportlern in die Reuse.

Der Europäische Flusskrebs hat mit dem Einwandern des amerikanischen Verwandten die Pest am Hals – und zwar buchstäblich. Der Angelsportverein Syke beteiligt sich an einem Monitoring-Programm, um mögliche Orte für eine Wiederansiedelung der bedrohten Tierart zu finden.

Syke – So ist es eben manchmal mit den entfernten Verwandten: Hat man sie am Hals, ist es unter Umständen wie die sprichwörtliche Pest. Auch in deutschen Gewässern spielt sich diese Tragödie seit Jahren und Jahrzehnten ab – und zwar durchaus im Wortsinn. Invasive Krebsarten wie der Kamberkrebs, der aus den USA stammt, bedrohen massiv die Existenz der heimischen Populationen.

Denn sie bringen die Krebspest mit – eine für die europäische Art tödliche Krankheit, gegen die die Kamerkrebse selbst immun sind.

Der Angelsportverein Syke will nun einen kleinen Beitrag zur Rettung des Europäischen Flusskrebses leisten. Zu diesem Zweck hat er an einem Monitoring-Programm der Hochschule Bremen teilgenommen. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit will eine Studentin von Prof. Thomas Klefoth herausfinden, ob es in der Region noch Gewässer gibt, in denen der europäische Flusskrebs angesiedelt werden kann. Denn das kann nur dort funktionieren, wo keine invasive Art ihren Lebensraum hat.

Andree Fischer bei der Kontrolle einer Reuse im Bereich Clues.

Das Monitoring funktioniert recht einfach: Mithilfe von Reusen können die Teilnehmer sich einen Überblick darüber verschaffen, wo es welche Krebsarten gibt. Je drei Reusen mit Köderpellets haben die Syker Angelsportler an drei verschiedenen Standorten ins Wasser gestellt und an drei aufeinanderfolgenden Abenden kontrolliert.

Der Erfolg? „Sehr mager“, erklärt Andree Fischer, Gewässerwart des Vereins – und fügt gleichdarauf hinzu: „Aber daher im Endeffekt gut.“ Denn den Mitgliedern war in den neun Reusen bei insgesamt 27 Kontrollen lediglich ein einziger der invasiven Krebse in die Reuse gegangen. In den neun Reusen fanden sich darüber hinaus lediglich ein Aal und ein Sonnenbarsch – noch eine invasive Art, die in dem Fall vermutlich aus einem Aquarium in der Region stammt.

Das Ergebnis legt immerhin die Vermutung nahe, dass die gewählten Standorte das Potenzial für eine Ansiedelung der Europäischen Flusskrebse haben. „Ganz genau kann man das natürlich noch nicht erkennen“, räumt Fischer angesichts der Kürze der Kontrollzeit ein.

Er möchte mit dem Vereinsvorstand besprechen, ob sich die Anschaffung von drei Reusen lohnt, um das Monitoring über einen längeren Zeitraum fortzusetzen – und ja vielleicht den Urhebern der Aktion irgendwann den perfekten Standort für die Neuansiedlung der Edelkrebse zu präsentieren.

Von Frank Jaursch

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