Angelsportverein kontrolliert Fischbestand in der Hache – per Elektrofischen

Leben im Strom

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Jürgen Schimmeyer beim Elektrofischen in der Hache. Der Kescher ist nicht zum Fangen der Fische da, sondern dient als Elektrode und hilft zugleich bei der Größenbestimmung der Fische, die betäubt an der Wasseroberfläche treiben.

Syke - Von Frank Jaursch. Mit gemächlichen Bewegungen schreitet Jürgen Schimmeyer in der Hache voran. Die grüne Wathose schützt ihn vor dem Wasser; auch die Hände, die einen Kescher halten, stecken in dicken Gumihandschuhen. Als passionierter Angler ist Schimmeyer eigentlich alles andere als wasserscheu. Aber er hat gute Gründe für seine Vorsicht: Das Wasser um ihn herum ist elektrisiert. Und Schimmeyer selbst ist es, der für den Strom im Fluss sorgt.

Die Ausrüstung für das Elektrofischen trägt der Mann im Wasser komplett bei sich: Generator vor dem Bauch, Akku auf dem Rücken, die Anode am Kescher und ein Kupferkabel, das als Kathode dient und den Stromkreis im Wasser schließt.

Ein Unfall hatte vor mehr als 100 Jahren eher zufällig zur Erkenntnis geführt, dass man mit elektrischem Strom Fische fangen kann. Nun bedient man sich auch in Syke regelmäßig dieser Technik – nicht auf Beutejagd, sondern um einen Überblick über die Artenvielfalt und die Bestandsdichte in der Hache zu bekommen.

Einmal im Jahr kontrolliert der Angelsportverein den Fischbestand. Das funktioniert verblüffend einfach: Der elektrische Strom betäubt die Fische in der Nähe. Sie treiben an die Wasseroberfläche, und dort können Schimmeyer und seine Helfer am Flussufer die Tiere zählen.

„Drei Aland, 30 plus“, meldet Schimmeyer in Richtung Ufer, wo Gewässerwart Peter Reiners alles notiert. Die drei mehr als 30 Zentimeter großen Fische brauchen eine Weile, ehe sie wieder bei Sinnen sind und im Fluss verschwinden. „Bei den kleineren geht das schneller“, sagt Reiners. Vorsichtig reguliert Schimmeyer die Spannung. Die Belastung für die Wasserbewohner soll so gering wie möglich gehalten werden. Aus seiner Position erkennt er am besten, was um ihn herum so alles auftaucht. Eine Polarisationsbrille reduziert für ihn die Spiegelungen an der Wasseroberfläche.

Etwa 200 Meter legt der Elektro-Fischer auf diese Weise zurück – und das Ganze sechs Mal zwischen Neubruchhausen und Sudweyher Wassermühle. „Damit erfassen wir gut einen von 22 Kilometern der Hache“, erklärt Reiners und macht damit deutlich, dass es sich dabei nur um Stichproben handelt.

Die Beute ist vielfältig: Aale und Barsche, Quappen und Häslinge, Bachforellen und Hechte werden unter anderem sichtbar. Exoten gibt es selten. „Gott sei Dank“, betont der Gewässerwart der Syker Angler. Denn fremde Gäste können das Gleichgewicht im Fluss durcheinander bringen.

Stichwort Gleichgewicht: Noch immer ist die Hache damit beschäftigt, die Nachwirkungen des Umweltunfalls von 2008 zu verarbeiten. Damals hatte schädlicher Gärschlamm aus einer Biogas-Anlage das Leben aus dem Fluss vertrieben. Die Erhebungen zeigen: Noch immer ist der Stand von vor 2008 nicht erreicht. „Der Fluss braucht noch‘n bisschen“, sagt Reiners.

Die Erkenntnisse der jährlichen Bestandsaufnahme fließen auch in die Arbeit des Angelsportvereins ein. Jedes Jahr setzen die Angler rund 20000 Meerforellen-Brütlinge aus – und hoffen auf die Rückkehr der erwachsenen Tiere zum Ablaichen. „Eine laichreife Meerforelle haben wir beim Elektrofischen erwischt“, freut sich Peter Reiners. Wie alle anderen Fische hatte auch die sich schnell vom Schock erholt – und war davongeschwommen. „Oben geblieben“, betont Reiners, „ist noch keiner.“

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