Martinee mit persönlichen Geschichten

„Zeit im Kinderhospiz war ein Geschenk“

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Merle Glugla und Louisa Koopmann (von links) lassen die Besucher der Matinee an ihren Erfahrungen und Gefühlen teilhaben. Kurator Heiner Brock gibt einen Einblick in die finanzielle Situation.

Syke - Von Detlef Voges. Eine Stiftung kann mit nüchternen Zahlen beeindrucken – aber auch mit persönlichen Einblicken in ihre Arbeit. Beides verband die des Kinderhospiz' Löwenherz anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens Sonntag mit einer Matinee auf fast anrührende Weise. Unter dem Thema „Geschwister erzählen“ öffnete die Stiftung die Türen im Alltag von Familien mit todkranken Kindern – und in das Seelenleben der Geschwister. Ein Dialog, dessen Offenheit nachklang.

Heiner Brock, Kurator der Stiftung Löwenherz, legte eine beeindruckende Bilanz der Einrichtung vor. Als zusätzliche finanzielle Säule des Kinderhospizes 2008 ins Leben gerufen, startete das Vorhaben mit einem beruhigenden Polster von 824.000 Euro. Vor fünf Jahren schüttete die Stiftung 118.000 Euro an die GmbH aus. Damit wurde das Jugendhospiz auf den Weg gebracht sowie Gelder für weitere Mitarbeiter bereitgestellt.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Stiftung laut Heiner Brock insgesamt 960.000 Euro an das Kinderhospiz überwiesen. „Ein Erfolg dank der großzügigen Unterstützer“, sagte der Kurator, der das Modell auch wegen der Rendite von 4,82 Prozent hervorhob.

Zahlen, die Kinderhospiz-Vorsitzende Gabi Letzing nicht einfach so unkommentiert stehen lassen wollte und sich bei Heiner Brock mit Blumen bedankte.

Noch nachhaltiger als die Finanzlage beeindruckten zwei junge Frauen: die Gymnasiastin Louisa Koopmann (15) aus Cloppenburg und die Studentin der Rehabilitationspädagogik, Merle Glugla (24), aus Oldenburg. Beide erzählten über ein Leben mit ihren todkranken Brüdern (Merle Gluglas jüngerer Bruder Nils ist vor eineinhalb Jahren gestorben). Das sehr offene Gespräch führte Elisabeth Lohbreier, Leiterin der Kinderhospiz Bildungs-Akademie.

Was ist oder war anders als in anderen Familien, wollte Elisabeth Lohbreier wissen. Allein das Bett im Wohnzimmer für den kranken Bruder. Sie haben auch nicht wie andere mit ihren Brüdern spielen können. In der Grundschule hätte sie sich ausgeschlossen gefühlt, so Louisa und sprach von Berührungsängsten mancher Schulkameradinnen wegen ihres Bruders Sebastian, der weder sprechen noch laufen könne.

Alltag war und ist nicht spontan

Der Alltag der beiden jungen Frauen ist und war nie spontan, sondern musste stets geplant werden. Merle Glugla und Louisa Koopmann standen im zweiten Glied. „Ich habe mich angepasst, weil ich ja keine andere Wahl hatte“, sagt die 24-Jährige. Noch heute sage sie zu allem Ja und Amen. Sie sei befangener, lebe durchdachter und analysiere viel, betont die Studentin, die bei Kommilitonen beobachte, wie diese lachten, ausgelassen feierten und den Kopf ausschalteten. „Das kann ich nicht“, erzählt die Studentin.

Von größerer Zurückhaltung spricht auch Louisa Koopmann, die wie Merle Glugla einräumt, dass das ständige Zurückstecken auch Eifersucht produziere. „Ich hätte auch mal selbst gern im Mittelpunkt gestanden“, erklärt die 15-Jährige. So äußert sich auch die 24-jährige Merle, die sich wünscht, dass bei Gesprächen nicht nur die Familie dominiere, sondern besonders auch das Seelenleben der Geschwister in den Fokus gerückt werde.

Das Leben mit ihren todkranken Brüdern deckt für die jungen Frauen eine breite Palette an Gefühlen ab: von anstrengend bis lustig, von traurig bis aufbauend. „Die Jahre mit Nils waren wertvoll für mich. Ich habe viele Dinge gelernt und eine Balance für das Leben mitgenommen“, betont Merle und schließt dabei besonders auch die Zeit im Kinderhospiz als Geschenk mit ein. „Ja, so war das, ich bin dankbar für alles“, zieht die 24-Jährige heute ein für sich positives Fazit.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das Bremer Kaffeehausorchester das Matinee-Programm am Sonntag musikalisch sehr einfühlsam begleitete.

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