Am Anfang war der Plüschmors

Heiner Büntemeyer präsentiert 45 plattdeutsche Geschichten - und ihre Übersetzung

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Dahinter steckt ein kluger Kopf: Autor Heiner Büntemeyer wirft einen Blick auf ein druckfrisches Exemplar seiner zweisprachigen Geschichtensammlung.

Barrien - Ausgerechnet Yared Dibaba! Der Aushänge-Plattsnacker leistete sich im August in der NDR-Talkshow einen ungewöhnlichen Fehler. Er übersetzte den knuddeligen plattdeutschen Ausdruck „Plüschmors“ vor laufenden Kameras mit „Eichhörnchen“. Heiner Büntemeyer saß vorm Fernseher und stutzte. Er wusste natürlich sofort die richtige Übersetzung: „Ein Plüschmors ist eine Hummel“, erklärt der Barrier.

Der Lapsus des prominenten Sprachgenossen war so etwas wie die Initialzündung – und genau das Element, das Büntemeyer für seine Idee noch gefehlt hatte – ein Buch mit 45 Geschichten „op Platt“.

Plattdeutsche Bücher? „Gibt's zu Hunderten“, sagt Büntemeyer. Und er weiß: Die meisten von ihnen fristen nach einmaligem Durchblättern ein Schattendasein in den Bücherregalen, bis sie irgendwann als Altpapier enden.

Dass Büntemeyer nun dennoch selbst ein plattdeutsches Buch herausbringt, hat zwei Gründe: die Liebe des 79-Jährigen zur plattdeutschen Sprache – und der Gedanke, den Menschen ein bisschen Hilfestellung an die Hand zu geben. Denn seine 45 kurzen Geschichten präsentiert Büntemeyer mit hochdeutscher Übersetzung – und mit Vokabellisten für jene Wörter, die sich dem Hochdeutsch-Sprechenden nicht unbedingt ohne Weiteres erschließen.

Schon seit Jahrzehnten schreibt der gebürtige Bremer, der in Barrien aufwuchs und als Lehrer in der Barrier Grundschule tätig war, seine ungewöhnlichen Erlebnisse auf. Mal nur eins im Jahr, dann wieder ein paar in einigen Monaten. Natürlich auf Plattdeutsch: Büntemeyer liebt den Charme dieser Sprache, das Gemütliche, das den Formulierungen innewohnt. „Im Plattdeutschen ist so viel Wärme drin.“

Als Edgar Fischer, der „Printhaus“-Chef, mit der Idee eines Buches an ihn herantrat, galt es für Büntemeyer, eine zweite, hochdeutsche Version jeder Geschichte zu schreiben. Die Übersetzung sei ihm hier und da schon mal etwas schwergefallen, räumt er ein. „Das holpert manchmal.“ Doch er wollte sich mit der Übersetzung möglichst dicht am Original halten.

Einen Text zu verfassen – das ist für Büntemeyer eigentlich seit Jahrzehnten quasi das „tägliche Brot“: Längst ist er als freier Mitarbeiter ein Aushändschild der Kreiszeitung rund um Syke geworden. Zudem hat er eine ganze Reihe von Chroniken verfasst und in den 1980er-Jahren am Werk „Syke und umzu“ mitgewirkt.

Aber ein eigenes Buch? Das ist neu. „Ein eigenartiges Gefühl“ sei das gewesen, das Werk mit seinem Namen in der Hand zu halten. Er habe sich gefragt: „Was hab ich damit zu tun?“ – um dann beim Blättern zu entdecken, dass das da im Buch ja seine Geschichten sind. Seine Erinnerungen: an Aprilscherze und Zahnschmerzen, an neue Nachbarn und alte Kinderspiele, an die Begegnung mit der jungen Generation und an die sagenhafte Geschichte, die sich vor mehr als 50 Jahren beim PHL-Schützenfest zugetragen haben soll.

All das sei genau so passiert, versichert Büntemeyer mit einem Lächeln – mit einer einzigen kleinen Ausnahme. Und zur Sicherheit hat er die Namen einiger handelnder Personen verändert. In sieben Kategorien hat der Autor die Anekdoten eingeteilt – „Nachbarn“ zum Beispiel, „Damals“ oder „Vereine“. Eine weitere heißt „Hein und Anne“, und es gehört nicht viel Fantasie dazu, zu raten, wer dieser Hein und diese Anne wohl sein könnten.

In einer Auflage von 500 Exemplaren ist die erste Auflage von „45 plattdeutsche Geschichten“ erschienen, die grafische Gestaltung haben Edgar Fischer und Horst Pawlikowski übernommen. Das Buch kostet 14,95 Euro und ist bei den Geschäftsstellen der Mediengruppe Kreiszeitung, in der Buchhandlung Schüttert und bei Printhaus erhältlich. Ob sein kleiner Fremdsprachenführer gut ankommt, ist Heiner Büntemeyer dabei gar nicht so wichtig. „Ich bin vor allem auf die Resonanz aus meiner Familie gespannt.“

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