Inge Arbeiter macht aus Müllkippe einen Garten

Am Anfang war die Bank

Die Kinder aus dem Waldkindergarten im Jeebel haben mit Inge Arbeiter ein Apfelbäumchen gepflanzt. - Foto: Heinfried Husmann

Barrien - Von Michael Walter. Das soll jetzt um Himmels Willen kein billiges Wortspiel sein – aber Inge Arbeiter macht ihrem Namen nun mal eben alle Ehre: Mit viel Engagement und nicht viel weniger Muskelkraft hat sie aus einem verwilderten Stück Land am Okeler Weg zwischen Barrien und dem Jeebel ein Mini-Paradies geschaffen. „Das hat sich einfach so ergeben“, sagt sie.

Der Okeler Weg gehört zu Barrien. Dort war bis 1978 eine offizielle Müllkippe. Nach deren Stillegung ist der Platz verwildert. Vor fünf Jahren hatte Inge Arbeiter die Idee, dort eine Bank aufzustellen. Okels Ortsbürgermeister Jügen Schmock gab ihr den Tipp, wo sie eine herbekommen könnte und hat sie dann zusammen mit dem Greenkeeper des Golfplatzes Werner Früchtenicht unter einer Eiche aufgestellt, nachdem Inge Arbeiter den Platz von Brennesseln und Dornen befreit hatte.

„Ich war neugierig, wie es dahinter aussieht“, erzählt die 72-Jährige. „Es war ein Abenteuer, sich durch das hohe Gestrüpp zu arbeiten. Das Gelände ist an drei Jäger verpachtet und ich darf dort nach Absprache etwas machen. So habe ich nach und nach Wege frei gemacht und Beete mit Kräutern und Blumen angelegt, darunter eine etwa 30 m² große Wildblumenwiese. Es gibt eine kleine Wasserstelle und Bäume.“

Jüngstes Mitglied in der Runde ist ein Apfelbaum, über den sich Inge Arbeiter ganz besonders freut, weil ihn die Kinder aus dem Waldkindergarten im Jeebel mitgebracht und eingepflanzt haben. „Wollen wir hoffen, dass seine Wurzeln zwischen dem Müll, der früher abgeladen wurde, genügend gute Erde finden“, sagt sie. „Als wir das Loch gegraben haben, kam schon einiges zutage. Die Kinder haben Plastik- und Glasteile mit der Greifzange herausgeholt, bevor wir zusammen das Bäumchen einsetzen konnten.“

Ursprünglich hatte Inge Arbeiter an einen Garten als Futterquelle für Insekten gedacht, als sie sich ans Werk gemacht hat. „Doch dann habe ich schnell gemerkt, dass auch die Menschen gerne kommen. Ich bekam viele positive Rückmeldungen. Manchmal steckte ein Zettel mit einem Dankeschön irgendwo oder einmal war ein Danke aus Ästen gelegt worden. Das spornt mich an, etwas Bleibendes zu schaffen.“ Dazu gehören auch die Figuren, die Inge Arbeiter aus Stämmen und Feuerholz selbst gemacht hat.

Offen für alle

Die Leute, die vorbeikommen, fragen sie manchmal, ob sie keinen eigenen Garten hat. „Doch, sage ich dann. Aber der ist für uns. Dieser Garten hier ist offen für alle, die sich daran erfreuen oder die einen Moment Ruhe brauchen.“

Inge Arbeiter liebt diesen Ort. „Eigentlich musste bisher jeder, der bei mir zu Besuch war, mit mir hierher“, sagt sie. Zu ihrem 70. Geburtstag hatte sie ihre Gäste sogar mit drei Kutschen vom Lokal aus dort hinfahren lassen.

Inzwischen muss sie sich nicht mehr im Alleingang um alles kümmern. Die großen Bilder, die passend zur Jahreszeit abwechslend dort aufgestellt wurden, hat Brigitte Weidenfeller gemalt. Im Moment steht ein Bild mit einem großem Spinnennetz hinter dem Apfelbaum.

Und seit einigen Tagen gibt es auch noch eine zweite Frau, die den Garten bestellt: Karin Blome vom Fuchsweg.

„Sie hat mir vor zwei Jahren schon die Walnussbäume gepflanzt und mir mit einer Sense aus der Not geholfen, als mir das Gras förmlich über den Kopf gewachsen war“, sagt Inge Arbeiter. „Man muss jetzt also genau hinschauen und eventuell nicht mehr Hallo Inge rufen, sondern statt dessen Hallo Karin!“

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