Wolfgang Hohlbein besucht die Namenlosen Tage

In anderen Sphären

Wolfgang Hohlbein ist sich seines Rufs als Fantasy-Autor bewusst, beherrscht aber auch das Thriller-Genre. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Marvin Köhnken. Ein großer Name verpflichtet. Gleich mehrfach schickten sich die Organisatoren der Namenlosen Tage am Wochenende an, den an sie gestellten Erwartungen gerecht zu werden. Am Ende war klar: Die jüngste Auflage des 48-Stunden-Spiele-Events ist in vielerlei Hinsicht in die Geschichte der Veranstaltung eingegangen.

Allen voran waren da die Autoren Wolfgang Hohlbein und Markus Heitz, deren Anwesenheit ihren Schatten vorauswarf und die für ein gehöriges Besucherplus verantwortlich zeichneten.

Markus Heitz liest bei den 20. Namenlosen Tagen aus seinen Büchern "Aera" und "Drachengift" - ein großes Lob erhält er anschließend von Wolfgang Hohlbein.

Hohlbein, seit Jahrzehnten unbestrittener Star der fantastischen Literatur, ließ es sich im Syker Jugendhaus gut gehen: Locker und charmant präsentierte der 62-Jährige seinen Thriller „Mörderhotel“. Kein Fantasy-Werk, sondern eine Horrorgeschichte in den 1890er-Jahren, basierend auf den Taten eines der ersten Serienmörder der USA. Wenigen Worten der Einleitung folgten Szenen aus dem Buch, cool vorgetragen mit absoluter Präzision.

„Wenn ich als Fantasy-Autor schon fremdgehe, suche ich mir natürlich den besten seiner Art heraus“, erklärte Hohlbein die Auswahl seiner blutrünstigen Hauptfigur und outete sich zudem als großer Fan des ausgehenden 19. Jahrhunderts. „Als all das, was wir heute kennen – außer dem Computer – bereits bekannt und zumindest in Ansätzen technisch machbar war“.

Hohlbein lässt seinen Charme spielen

Mehr über den Autor, seine Recherche für den Thriller und die historisch nahezu korrekte Umsetzung der damaligen Begebenheiten erfuhren die rund 100 Zuhörer in einer halbstündigen Fragerunde, in der Hohlbein sein ganzes Talent als langjähriger Geschichtenerzähler auszuspielen verstand.

Rund eineinhalb Stunden waren die Namenlosen Tage während der Hohlbein-Lesung von so unterschiedlichen Menschen besucht, wie nie zuvor in ihrer zehnjährigen Geschichte. Die Fans des Autors hatten sich ihre Karten bereits im Vorverkauf gesichert. Die meisten von ihren kamen nur wegen Hohlbein und erlebten die Spieletage sozusagen im Vorbeigehen.

Dennoch zogen die Organisatoren Matthias Müller, Laura Wohlfromm und Alexander Lenz ein positives Fazit – und weiteten dieses Sonntag auf das komplette Event aus.

Bei der Incendio-Feuershow am Samstagabend flogen die Funken, das den Zuschauern der Atem weg blieb.

Auch weil sich über die Grenzen Sykes herumgesprochen hat, was Spielefans von den Namenlosen Tagen zu halten haben, stand am Ende ein Rekord von 424 zahlenden Gästen – womöglich geschaffen für die Ewigkeit, zumindest aber für die kommenden Jahre. Das Angebot der Organisatoren, die Unterstützung durch zahlreiche Spiele-Verlage und Spiele-Autoren sowie das schöne Wetter – dass Spieleverrückte sich bevorzugt im heimischen Keller verstecken, ist ein gern gepflegtes Vorurteil – taten ihr Übriges für den großen Erfolg der 20. Namenlosen Tage.

„Die Fantastik hat sich ihren Platz erobert"

„Die Fantastik hat sich ihren Platz erobert – auch in den Köpfen der Leute“, urteilte Hohlbein über den deutschen Literaturmarkt. Übertragen auf die Syker Spieletage mit dem ungewöhnlichen Namen gilt das ebenso: „Wir haben versucht, die Erwartungen an uns so gut wie möglich umzusetzen und das, was uns in diesem Rahmen möglich ist, zu optimieren“, sagte Müller kurz vor Abschluss des Events. Beim nächsten Mal, am letzten Wochenende im September, wolle das Team noch intensiver dafür sorgen, dass alle Spieler zu jeder Zeit genügend Platz finden, um ihrem Hobby nachzugehen.

Keine Frage, an diesem Wochenende sind alle Beteiligten an den Namenlosen Tagen in andere Sphären aufgebrochen: In reinen Zahlen sowieso, aber auch mit Blick auf die hochkarätigen Gäste Hohlbein und Heitz. „Das ist realistisch gesehen auf lange Sicht nicht mehr zu toppen“, sagt Müller – und denkt stattdessen schon daran, wie er und sein Team vor allem den Samstagnachmittag – wenn die Spieletage ihren Höhepunkt erreichen – noch vielfältiger gestalten können.

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