Strafprozess-Zahl insgesamt leicht rückläufig

Jugendliche mussten 2017 seltener als zuvor vor Syker Richter

Syke - Von Dieter Niederheide. Die Zahl der Strafprozesse vor den beiden Strafrichtern, dem Schöffengericht, dem Jugendschöffengericht und dem Jugendrichter des Amtsgerichts Syke zeigt für 2017 eine abnehmende Tendenz auf.

Darauf wies Christoph Kellermann (39), Richter am Amtsgericht, Vorsitzender Richter des Jugendschöffengerichts und Jugendrichter, im Gespräch mit dieser Zeitung hin.

Wurden im Jahr 2016 insgesamt 768 Strafprozesse abgehalten, waren es im Vorjahr nur noch etwa 720. Kellermann: „Es kann von einer abnehmenden Tendenz gesprochen werden.“ An der Spitze stehen bei den Gerichtsverhandlungen die Verkehrsdelikte, gefolgt von Körperverletzungen sowie schweren (Wohnungseinbrüche) und leichten Diebstählen.

Als positive Entwicklung sieht Kellermann den Rückgang der Wohnungseinbrüche. „Dadurch haben wir auch weniger Haftsachen“, sagte er.

Einbrüche werden stärker bestraft

Die Wohnungseinbrüche werden seit Juli 2017 schwerer bestraft und nun nicht mehr als Vergehens-, sondern als Verbrechenstatbestand verhandelt. Das neue Gesetz trifft aber nur erwachsene Straftäter. Es soll eine Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis (bisher sechs Monate) verhängt werden.

Weggefallen ist der sogenannte „minder schwere Fall“, der zuvor noch die Strafe auf drei Monate herabsetzen konnte. Zur Frage, ob deshalb die Einbruchsquote in Wohnungen zurückging, sagte der Richter: „Wir merken zurzeit noch wenig davon. Meiner Meinung nach wird die Aufklärungsquote nicht besser dadurch.“

Einen Grund, warum die Zahl der Wohnungseinbrüche sank, sieht Christoph Kellermann vor allem in der vorbeugenden Aufklärungsarbeit der Polizei und als Folge davon, dass Haus- und Wohnungsbesitzer ihre Immobilien mittlerweile mit besseren Schutzmaßnahmen ausrüsten.

Christoph Kellermann, Richter am Amtsgericht Syke.

Wie sieht es im Jugend- und Heranwachsendenbereich aus? Die Entwicklung ist „besonders erfreulich“, so Kellermann. Die Zahl an Sitzungen beim Jugendschöffengericht sank um rund 50 Prozent. Was sagt er zur Behauptung, dass sich die die Zahl derer, die die Strafgerichte „sitzen“ lassen, erhöht? Christoph Kellermann lächelt. „Man kommt eben nicht so gerne zu uns, wir verteilen ja auch keine Geschenke.“ Aber: „Davonrennen kann kein Angeklagter. Und wer es versucht, macht sich das Leben selber damit schwer.“

Asylbewerber nicht überproportional angeklagt

Unter den Angeklagten im Bereich der Jugendlichen und Heranwachsenden befinden sich laut Kellermann nicht überproportional viele Asylbewerber. „Das haben wir am Anfang befürchtet, als die ersten jungen Flüchtlinge 2015 kamen“, erklärt der Jurist. „Wir verhandeln aber auch nur das, was von der Staatsanwaltschaft angeklagt wird.“

Im übrigen schätzt der Jugendrichter und Vorsitzende Richter des Jugendschöffengerichts das hohe Engagement ehrenamtlich tätiger Bürger wie auch die nicht immer einfache Arbeit sowie die Integrationsmaßnahmen, unter anderem seitens der Polizei in diesem Bereich. „Ich vermute, dass sich diese Maßnahmen und die Arbeit positiv niederschlagen“, zeigt sich Christoph Kellermann überzeugt.

„Erziehungsarbeit der Eltern“ entscheidend

Und wie sieht er die weitere Entwicklung im Bereich der Jugendkriminalität? Sind die Erziehungsmaßnahmen seiner Meinung nach noch ausreichend? „Das hängt stark von der Erziehungsarbeit der Eltern ab“, ist Kellermann überzeugt. „Ist diese – wie bisher – eher rückläufig, gerät die Justiz mit ihren eher sporadischen Kontakten zum Jugendlichen beziehungsweise zum Heranwachsenden auch schneller an ihre Grenzen.“

Vom Gesetzgeber wurden die Jugendgerichte mit einer Vielzahl von Möglichkeiten ausgestattet, von denen das Syker Gericht die meisten „aufgrund unermüdlicher Tätigkeit der Jugendgerichtshilfe des Landkreises Diepholz und des Vereins Kontakt“ umsetzen kann.

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