Ende einer Odyssee

Altes Bild verschwindet unbemerkt aus Barrier Kirche – jetzt ist es wieder da

Ende der Odyssee: Jörg Schlegel (v.l.), Sandra Stich, Hannelore Stuzmann und Arne Grieme vom Förderverein Use ole Karken in Barrien freuen sich über das mehr als 300 Jahre alte Bild aus der Barrier Kirche, das mit Hilfe des Fördervereins wieder erworben und restauriert werden konnte. Foto: Heiner Büntemeyer

Meistens handelt es sich bei einem Kunstraub um ein spektakuläres Ereignis. Häufig gehen die Täter ganz gezielt vor, und manchmal tauchen geraubte Kunstschätze auch wieder auf. Oft bieten die Hintergründe Stoff für Spekulationen und Romane.

Barrien - Dass so etwas im eher beschaulichen Barrien auch möglich ist, hätte bis vor wenigen Wochen wohl niemand für möglich gehalten. Wie groß der Schaden im konkreten Fall war, zeigt sich allerdings am ehesten daran, dass jahrzehntelang niemand bemerkt hat, dass überhaupt ein Bild aus der Kirche verschwunden war.

Bild von Kirchenmaler Cord Ritterhoff

Aber es steckt trotzdem eine interessante, vielleicht auch spannende Geschichte dahinter. Das Bild, um das es hier geht, zeigt Jesus im Garten von Gethsemane. Es wurde um 1710 von dem Thedinghauser Kirchenmaler Cord Ritterhoff gemalt, der neben den drei Altarbildern noch weitere Bilder gemalt hat, die bis zur Renovierung 1964 an den Brüstungen der 1704 eingebauten Nord- und West-Empore in der Kirche hingen. In seiner Kirchenchronik ging Pastor Dr. Frank Foerster 2010 von 19 Bildern aus: Neun Szenen aus dem Alten und zehn aus dem Neuen Testament. Eine seltsam krumme Zahl. Aber niemand hatte bemerkt, dass es ursprünglich 20 Bilder waren.

Das Kirchenschiff der Barthomoläus-Kirche, aufgenommen etwa im Jahr 1955. An der Orgelempore sind die Bilder zu erkennen, die von Stil zum nun gefundenen Bild passen. Foto: Kirchengemeinde

Bis Pastorin Susanne Heinemeyer im Frühjahr einen Anruf aus Langelsheim am Harz erhielt. Eine Frau Ahrens erzählte ihr da, dass sie beim Entrümpeln eines von von ihr gekauften Hauses auf dem Dachboden ein Bild gefunden habe, auf dessen Rückseite mit Bleistift der Hinweis „Altarbild Kirche Barrien“ stand. Susanne Heinemeyer bat um ein Foto von dem Gemälde, und was sie sah, passte in Sujet und Stil genau zu den 19 Bildern an der Empore in der Kirche. Die Finderin war bereit, das Bild für 100 Euro zu verkaufen, anderenfalls würde sie es bei „Bares für Rares“ anbieten.

Barrier Kirchengemeinde erwirbt Bild

Nach Rücksprache mit dem Landeskirchenamt und dem Kirchenvorstand konnte Susanne Heinemeyer der Finderin mitteilen, dass die Barrier Kirchengemeinde das Bild gerne erwerben möchte. Man wurde sich handelseinig, Marc Heinemeyer holte das Gemälde ab und brachte es zu einem vom Landeskirchenamt empfohlenen Restaurator, denn die Farben waren verblasst, der Rahmen nicht mehr brauchbar.

Der Förderverein Use ole Karken übernahm rund 1500 Euro für die Restauration. Vom Kirchenkreisamt gab es noch einen Zuschuss dafür. Blieb noch die Frage offen: Wie ist dieses Bild überhaupt in den Harz gelangt?

Geriet das Bild in den Möbelwagen?

Ganz sicher lässt sich das nicht mehr sagen. Fest steht: Während der Restaurierungsarbeiten 1964 war Hans Willenbrock Pastor in Barrien. Fest steht auch: Von den drei von der Orgelempore entfernten Bildern passten nur zwei in die Nordempore. Möglicherweise hängte Pastor Willenbruch das dritte Gemälde in sein Dienstzimmer, wo es auch blieb, als er 1966 wurde von Pastor Dieter Brehmer abgelöst wurde.

Als Pastor Brehmer dann 1979 nach Bad Grund im Harz umzog, geriet dieses Bild wahrscheinlich mit in den Möbelwagen. Wie es dann allerdings von Bad Grund ins 25 Kilometer entfernt gelegene Langelsheim geraten ist, bleibt wohl für immer unbeantwortet.

Inzwischen hängt das Bild im neuen Gemeindehaus, und eine kurze Notiz daneben erzählt von der Odyssee, die es hinter sich hat.

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