Von deutscher Esskultur zum Hambacher Forst

Eva Eiselt findet beim Alternativen Nikolausabend immer den richtigen Ton

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Eva Eiselt verkörperte beim Alternativen Nikolausabend zahlreiche Charaktere und Figuren.

Barrien - Von Horst Meyer. Kleinkunst im Sinne von solider Handwerkskunst auf kleiner Bühne erlebten die Besucher beim Alternativen Nikolausabend in der Barrier Wassermühle. Eva Eiselt machte auch gleich klar, um was es geht: „Kabarett ist intelligente Unterhaltung im Gegensatz zu Cabaret – das ist oben ohne.“

Eva Eiselt schlüpfte den Abend hindurch in verschiedene Rollen und Charaktere, sprach und sang in unterschiedlichen Dialekten (wobei die rheinische Mundart dominierte). Mal war sie alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, „einem Mädchen, einem Jungen und einem Vater; alle schwer erziehbar“. Mal technikferner Opa, der von Oma zur Betreuung des Enkels auf den Spielplatz geschickt wird. Oder auch Partygängerin, die sich mit den brennenden Themen der Menschheit auseinandersetzt. Eva Eiselt fand dabei immer den richtigen Ton.

„Der alten Tradition von Kabarettisten, einen Zuschauer aus der ersten Reihe direkt anzusprechen, habe ich abgeschworen“, behauptete sie ziemlich zu Beginn. Dennoch fand sie genau da zunächst in Herbert einen Ansprechpartner, und als der schwächelte, musste Uwe („der mit dem New York-Shirt“) herhalten.

Als „Small Art Facility Mangager (Kleinkunstdarsteller)“ arbeitete sie sich an Anglizismen in der Businesswelt ab. Herbert muss die Abläufe im Backoffice (Publikum) optimieren. Lachquote und Applausfrequenz mussten aus dem „down under Bereich“ „upgesourced“ werden.

Das Publikum lernte „Basic-Lachen“ und intelligentes Lachen („das geht über den Kopf. Man möchte eigentlich nicht, lacht aber dennoch“). Es folgt der Schenkelklopfer bis hin zu hysterischem Frauenlachen. Das neu erworbene Wissen durfte anschließend sofort angewendet werden.

Als Partygängerin setzte Eva Eiselt sich mit der Esskultur auseinander. Beim Barbecue schwört der Gastgeber auf deutschen Kartoffelsalat nach Omas Rezept. Auf dem Grill liegt argentinisches Steak, das mit Tsatsiki gegessen und mit französischem Sekt herunter gespült wird. Dazu gibt’s in Marokko gepulte Krabben. Mit den Worten „Die Kartoffeln im Salat kommen ursprünglich aus Südamerika und Oma aus Polen“, macht die Kabarettistin die Globalisierung unserer vermeintlichen deutschen Esskultur deutlich.

In der Politik spannte sie den Bogen vom Hambacher Forst über das „Wagenknechten“ bis hin zum „Obergauland“.

Frauen im Kabarett verglich Eva Eiselt mit Fußball. „Da gibt es Frauenfußball und den richtigen“, behauptet sie. Ihr Ziel sei es, frischen Wind in die männerdominierte Kabarettbranche zu bringen. An diesem Abend ist es ihr das – gemessen am Applaus – gut gelungen.

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