Bauernhof-Ausstellung im Kreismuseum eröffnet

Alte Böse-Fotos ein „echter Schatz“

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Heinz Riepshoff (v.l.), Dr. Ralf Vogeding und Bernd Kunze vor einem der beeindruckenden großformatigen Fotos in der Ausstellung im Kreismuseum.

Syke - Von Dieter Niederheide. Zu einer beeindruckenden Begegnung mit den Gebäuden auf alten Bauernhöfen in der Region wird die Ausstellung „Bemerkenswerte Bauernhöfe“, die am Samstag im Kreismuseum eröffnet wurde. Großflächig in den Mittelpunkt gerückt werden darin die Fotografien, die Dr. Fritz Böse in den Jahren 1943/44 tätig unter anderem in den Grafschaften Hoya und Diepholz aufnahm, und zwar im Auftrag des damaligen Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.

Übersichtlich aufgebaut werden die alten, stark vergrößerten Fotos ausgestellt. Besonders beeindruckend sind die beiden großflächigen, etwa viereinhalb Meter breiten und drei Meter hohen Fotos, die das Gefühl vermitteln, mitten auf der Diele oder auf einem bäuerlichen Anwesen zu stehen.

Von der Wucht der Bilder übrzeugten sich zur Eröffnung auch Ann-Kathrin Fricke-Hellberg und Prof. Erwin Stadlbauer vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege sowie Ulf Schmidt, der stellvertretende Landrat. Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding und der Initiator Heinz Riepshoff, Leiter des Bauernhausarchivs, hatten dazu allerhand zu erzählen.

„Mir war gar nicht bewusst, welchen Schatz wir im Archiv hatten“, sagte Prof. Stadtlbauer zu dem von Riepshoff im Archiv des Landesamtes gehobenen Schatz von rund 770 Böse-Fotos. „Deshalb sind wir Heinz Riepshoff dankbar dafür, dass er den Anstoß gab, diesen Schatz zu heben und die Bilder der Öffentlichkeit zu zeigen.“

Ulf Schmidt sprach von einer eindrucksvollen Ausstellung und dem Buch mit den Fotos von Dr. Fritz Böse. Es sei so manches bau- und alltagsgeschichtliche wichtige Detail festgehalten worden. „Vielleicht kann diese Ausstellung mit dazu beitragen, das Bewusstsein für den Erhalt alter Bausubstanz zu schärfen“ wünschte Schmidt.

Wie kam es zu dieser Ausstellung? Riepshoff zeichnete den Weg nach. Er habe wissen wollen, wer denn dieser Dr. Fritz Böse war – und wer den Auftrag zu der Vielzahl an Bildern gegeben hatte. Wie ein Schatzsucher begab sich Riepshoff auf die Suche.

Bei Durchsicht alter Fotokopien, der er Jahre zuvor im Landesamt für Denkmalpflege machen durfte, sei ihm die Idee gekommen, systematisch alle Bilder von Dr. Böse einzuscannen. Bei seiner Arbeit habe ihm die Leiterin des Archivs, Ann-Kathrin Fricke-Hellberg, zur Seite gestanden. In 2014 scannte Bettina Moritz (Hannover) im Auftrag des Kreismuseums die 770 Fotos ein, von denen nun ein Ausschnitt in der Ausstellung zu sehen ist.

Das Besondere an den Böse-Bilder liege unter anderem darin, dass dort eine bäuerliche, scheinbar heile Welt festgehalten wurde, so Riepshoff – eine Welt, die erst nach dem Krieg zerstört wurde. Die Bilder in der Ausstellung vermitteln dem Betrachter einen Einblick in bäuerliches Wohnen und Leben.

Böse beließ es seinerzeit nicht nur bei den Gebäuden, er ging mit der Kamera ins Detail, zum Beispiel beim Giebelschmuck, den Fenstern, Pforten, Sodwippen oder Ackerwagen. Nicht einmal Misthaufen ließ er aus.

Auf vielen der Fotos sind auch die Bewohner zu sehen. Riepshoff: „Böse hat sicherlich geahnt, dass die Welt, die er versuchte, festzuhalten, so nicht mehr lange bestehen würde.“

Ann-Kathrin Fricke-Hellberg betonte in ihrer Ansprache die unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Heinz Riepshoff und dem Archiv des Landesamtes für Denkmalpflege. Lobenswert sei das eindrucksvolle Ergebnis der Kooperation in Form der Ausstellung – und des flankierenden Buches: Der Martfelder Bernd Kunze schuf das Layout für „Bemerkenswerte Bauernhäuser in den Grafschaften Hoya und Diepholz“, in denen rund 500 Bilder von 1943 und 1944 zu sehen sind.

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