80-Jähriger aus Syke erhält keinen Strom-Vertrag

Zu alt für EWE

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Der Syker Günter Heuer (80) möchte gern über den Barrier Verbraucherdienst VBD bei EWE einen Vertrag abschließen – darf er aber nicht. Er ist dafür zu alt.

Syke - Von Frank Jaursch. Eigentlich ist das Stromangebot der EWE ein echtes Schnäppchen für Günter Heuer: Mehr als 150 Euro würde der Syker in nur einem Jahr sparen, wenn er den Strom künftig vom Oldenburger Energieversorger bezieht. Doch Heuers Antrag wurde abgelehnt: Mit 80 Jahren ist er zu alt für EWE.

„Versorger nimmt nur Kunden bis maximal 75 Jahre an“, steht nüchtern in der Meldung, die Christian Eilers auf seine Anfrage über eine Maklerplattform bekommt. Eilers ist Geschäftsführer beim Barrier Energiemakler VBD. Für seine Kunden sucht er günstige Strom- und Gastarife heraus, übernimmt bei Bedarf auch den Schreibkram rund um den Anbieterwechsel.

EWE: Alters-Passus gegen Haustürgeschäfte

Das Angebot der Oldenburger nimmt derzeit einen Spitzenplatz in den Abfragen ein: Günstige Kilowattstunden-Preise, dazu ein Wechselbonus. „Echte Kampfpreise“, weiß Eilers. Doch mehrfach wurden seine Anfragen abgeblockt – trotz vorliegender Vollmacht. Begründung: Der Kunde sei älter als 75 Jahre und damit zu alt. Für Eilers ist das „ganz klar Alters-Diskriminierung“.

EWE-Pressesprecher Dietmar Bücker bestätigt, dass es diesen Passus gibt. Und erläutert zugleich, warum: Es geschehe „zum Schutz der Kunden“. Ältere Menschen liefen leichter Gefahr, durch Haustürgeschäfte unter Umständen zu Abschlüssen genötigt zu werden, die sie gar nicht haben wollten.

Regel gilt nur, wenn Drittpartei beteiligt ist

Aus diesem Grund habe EWE die Obergrenze eingeführt. Allerdings nicht in jedem Fall. Bücker: „Wer aktiv auf uns zukommt, bekommt auch noch einen Vertrag, wenn er 120 ist.“ Die 75-Jahre-Klausel gelte vielmehr nur für Direktvertriebler – wenn sich also zwischen dem Kunden und EWE noch eine Partei „vorschaltet“.

Jemand wie Christian Eilers. Der sieht sich aber „als Haus- und Energieverwalter benachteiligt“. Denn die meisten seiner Kunden – auch Günter Heuer – kommen selbst auf VBD zu. „Wir machen kaum Akquise.“ Heuer ist auf Empfehlung einer Bekannten auf den Barrier Betrieb gekommen. Und er ist dankbar für die Hilfe. Denn das Labyrinth an Tarifen und Anbietern durchschaut der 80-Jährige nicht. „Überall muss man sich durchkämpfen.“ Einen Internetzugang hat Heuer nicht.

Der Syker hat kein Verständnis für die Entscheidung von EWE. „In meinem Alter zahlt man doch die Rechnung genauso wie ein junger Mensch.“

Mit der Beratung ist Heuer zufrieden: Mit den Abschlüssen für Strom und Gas dürfte er, so Eilers' Berechnungen, in diesem Jahr fast 500 Euro einsparen.

Ob er auch selbst den Weg zu EWE finden würde? Schließlich ist der Weg bis zum Hachepark nicht allzu weit. Heuer winkt ab. „Das würd' ich sowieso nicht machen.“ Er deutet auf das VBD-Logo auf dem Schreiben vor sich. „Nee, jetzt bin ich zu denen hingegangen, jetzt sollen die das machen.“

Eilers hofft, dass EWE sein Vorgehen überdenkt und den Passus streicht. Falls nicht, spart Heuer „nur noch“ 470 Euro. Geht auch.

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