Nico Grünauer (19) ist begeistert

FSJ an der Erlenschule: „Es hat alles andere ausgeblendet“

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Hilfestellung im Unterricht – hier beim Werken – gehört für Nico Grünauer zum Tagesgeschäft an der Erlenschule. Ihm hat sein Freiwilliges Soziales Jahr die entscheidenden Impulse für seine Berufsorientierung gegeben: Er möchte jetzt eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger machen.

Syke - Von Michael Walter. Er würde ein buntes Spektrum von Aufgaben haben – so viel war Nico Grünauer klar, als er im August sein Freiwilliges Soziales Jahr an der Erlenschule, der Tagesbildungsstätte der Lebenshilfe, begann. Jetzt neigt es sich dem Ende zu, und noch immer erlebt er in dieser Hinsicht Überraschungen.

„Ich hab gerade Kartoffeln gekocht, für unser Grillfest“, erzählt der 19-Jährige mit einem charmanten Grinsen im Gesicht. „Und nachher muss ich noch ein Lied umtexten.“ Zugegeben: Das sind nicht seine Alltagsaufgaben. Die reichen eher von der Begleitung der geistig behinderten Jugendlichen im Bus über die individuelle Betreuung einzelner Schüler im und außerhalb des Unterrichts bis hin zum Essen anreichen und Hilfestellung beim Sport.

Wie auch viele andere Jugendliche ist Nico im Grunde eher aus Verlegenheit zum FSJ gekommen. 2015 hatte er in Syke seinen Realschulabschluss gemacht – und danach nicht so recht gewusst, wie es weitergehen sollte. Ein weiteres Jahr an der BBS brachte ihm ebenfalls keine Erleuchtung über seine berufliche Zukunft. Bis ihm ein Bekannter von seinem FSJ erzählte. „Er war begeistert“, sagt Nico. „Da dachte ich mir: Das mache ich auch.“

Rückblickend eine richtige Entscheidung

Rückblickend die richtige Entscheidung, findet Nico Grünauer heute. „Es hat alles ausgeblendet, was ich bisher im Kopf hatte.“ Unter anderem diverse Praktika: Etwa beim Architekten, beim Fotografen und bei Airbus. „Hier wird jeder so angenommen, wie er ist“, sagt Nico und betont: „Nicht nur die Schüler!“ Diese Erfahrung hat er nicht überall gemacht. Manche Leute schauten eben doch mehr auf Tattoos und Piercings als auf den Menschen darunter. „Ich bin, wie ich bin. Und irgendwie scheint das hier ganz gut anzukommen.“

An diesem Tag ist Nico der einzige FSJler an der Erlenschule. „Insgesamt haben wir jedes Jahr zwölf“, sagt die stellvertretende Leiterin Irmgard von Husen. „Sechs sind gerade auf Seminar, vier auf Klassenfahrt und eine ist krank.“ Ende Juli enden die Verträge.

Nico hat dieses Jahr eindeutig weiter gebracht: Er hat ein spürbares Maß an persönlicher Erfüllung erfahren und weiß außerdem, wie es für ihn weitergehen soll. „Ich will jetzt die Ausbildung zum HEP machen“, sagt er. Die Abkürzung steht für „Heilerziehungspfleger“. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Der Pferdefuß für Nico: Vorher muss er nochmal ein Jahr zur Schule gehen. „Weil ich nur den Realschulabschluss habe.“ Also geht er im nächsten Schuljahr wieder zur BBS. „Das hätte ich auch gleich haben können“, lacht er.

Schulbank eigentlich kein Problem

Nochmal die Schulbank drücken – ist das jetzt ein Problem für ihn? Nico überlegt einen Moment. „Eigentlich nicht“, sagt er. „Wenn ich jetzt noch immer nicht wissen würde, was ich beruflich machen will, vielleicht. Aber so ziehe ich das jetzt einfach durch.“

Für Irmgard von Husen keine ungewöhnliche Entscheidung. „Etwa jeder vierte, der bei uns ein FSJ absolviert, macht das ähnlich“, sagt sie. In Gedanken muss sie sich schon mit dem nächsten Schuljahr beschäftigen: Alle zwölf FSJ-Verträge laufen gleichzeitig aus, und das Bewerbungsverfahren für die neuen ist bereits im Gange. „Fünf haben wir schon“, sagt von Husen.

Wer sich bewerben möchte, kann seine Unterlagen direkt bei der Erlenschule einreichen. Anschrift: La-Chartre-Straße 7, 28857 Syke

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