Afzal Khan (80) fordert von Flüchtlingen Respekt vor deutschen Werten

„Dann sollen sie eben in ihren Ländern bleiben“

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Afzal Khan vor dem Bild seines Großvaters. Der 80-Jährige kam vor 56 Jahren aus Pakistan nach Deutschland. Er wurde nach eigenen Worten „zur Integration gezwungen“ – und sieht diesen Umstand heute als großes Plus an.

Gessel - Von Frank Jaursch. Als Afzal Khan 1959 nach Deutschland kam, wollte der junge Pakistani eigentlich nur Urlaub in Europa machen. Aus dem Trip wurde ein neues Leben: Der heute 80-Jährige fand hier sein privates Glück und berufliche Erfüllung. Khan hat eine eigene Sicht der Dinge auf die Flüchtlingssituation in Deutschland. Im Gespräch mit der Kreiszeitung erzählt der Gesseler die Geschichte seines Lebens – und seiner erfolgreichen Integration.

Khan entstammt einer wohlhabenden Familie. „Ich bin groß geworden zwischen Engländern“, blickt er auf seine Kindheit im damaligen Indien zurück. Großvater und Vater dienten als Offiziere in der britischen Armee. Als Zwölfjähriger erlebt Khan die Geburt des Staates Pakistan.

Als frisch gebackener Bachelor of Arts macht sich Khan im August 1959 auf große Reise. Katar, Dubai, Aden. Von dort soll es ins englische Southampton gehen, doch spontan entscheidet Khan sich für eine Fahrt nach Frankreich. Per Anhalter reist er wenig später quer durch Deutschland.

Als das Geld knapp wird, sind die England-Pläne längst gestorben. Der 24-Jährige kommt bei einer Familie in Bremen-Hastedt unter. „Ein kleines Zimmer unterm Dach, für 32 Mark im Monat“, erinnert sich Khan. Er kann kein Wort Deutsch, kennt niemanden. „Ich lebte nur in der deutschen Gesellschaft“, betont Khan. Notgedrungen – er ist der einzige pakistanische Staatsbürger weit und breit.

Im Gespräch beschreibt der 80-Jährige seine Integration als „Zwangsintegration“. Beispiel: Essen. „Ich musste essen, was die Frau mir gab. Wenn ich Nein gesagt hätte, wo hätte ich denn hingehen sollen?“

Der Zufall verschafft ihm einen Job bei den britischen Truppen in Delmenhorst. Khan macht Büroarbeit, verwaltet die Wohnungen für Mitglieder des Militärs.

Im November 1961 lernt er in Delmenhorst seine Ehefrau Margot kennen, schon drei Monate später wird geheiratet. Die Ehe hält bis heute. Sohn und Tochter komplettieren das Glück.

Seine abwechslungsreiche Karriere führt ihn in verschiedene Geschäftsgebiete – und in viele Länder: Großbritannien, Italien, Libyen, Nigeria, Irak. Aber immer wieder kehrt er gerne nach Deutschland zurück.

1971 werden Khan und seine Kinder eingebürgert. Auch als deutscher Staatsbürger bleibt Khan erkennbar von fremder Herkunft. Die Art allerdings, wie sich die Menschen ihm gegenüber verhalten, ändert sich im Lauf der Zeit.

„Bis Mitte der 60er-Jahre waren die Menschen absolut höflich, nett, entgegenkommend“, berichtet er. Mit der ersten Gastarbeiter-Welle ändert sich das, Khan erfährt Diskriminierung, misstrauische Blicke. Noch schlimmer wird es in den 1970er-Jahren mit der Ankunft der ersten Asylbewerber. Wenn Khan allein unterwegs ist, wird er nicht mehr so bedient wie ein Einheimischer.

Die Vorbehalte zwischen Ausländern und Deutschen lassen in den folgenden Jahrzehnten die Gräben zwischen beiden Seiten tiefer werden. „Und jetzt wird das alles noch schlimmer“, betont Khan mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingssituation. Er selbst wird schon mal an der Discounter-Kasse gemaßregelt, wenn er die mitgebrachte Tüte nicht richtig öffnet. Allein-Fahrten nach Bremen versucht der 80-Jährige zu vermeiden.

„Ich bin ziemlich sicher, dass es abwärts geht“, sagt Khan bedauernd. Die Probleme sieht er allerdings auf beiden Seiten. Vielen Flüchtlingen, glaubt er, fehle der Wille zur Integration. „Integration ist viel mehr als nur die Sprache.“

Wenn jemand hier richtig leben wolle, sollte er auch so leben „wie die Einheimischen“, findet Khan. „Er muss sich einmischen, er muss es wollen.“ Viele Flüchtlinge aber würden in ihrem Leben „nicht einen Zentimeter vom eigenen Standpunkt abweichen“.

Selbst Werte der deutschen Grundordnung würden aus diesem Grund nicht respektiert. „Wie sollen wir denn dann Nachbarschaft schließen?“ Wer aber die Werte das Landes missachte, dessen Gastfreundschaft er in Anspruch nimmt, habe hier nichts zu suchen. „Dann sollen sie eben in ihren Ländern bleiben.“

Ist Integration also nur Illusion? „Die Masse tut das nicht“, ist Khan sicher und blickt nach England, nach Holland oder Frankreich. „Es hat da nicht funktioniert. Hier wird es auch nicht funktionieren.“

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