Achtklässler absolvieren freiwillige Ausbildung zum Ersthelfer

Sich einfach kümmern

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Jakob Schalow und Anna Wilkens bringen „Unfallopfer“ Julian Stopa in die stabile Seitenlage. Eines der praktischen Übungselemente bei der Ersthelfer-Ausbildung.

Syke - Von Michael Walter. „Der Helm muss immer ab!“, steht in großen Kreide-Buchstaben an der Tafel. Nur wann: Bevor oder nachdem man die Atmung des Unfallopfers überprüft hat? Darüber zerbrechen sich 18 Jugendliche gerade den Kopf.

Sie gehören zum neuen Ersthelfer-Ausbildungskurs am Gymnasium. In 16 freiwilligen Unterrichtsstunden haben sie Dienstag und gestern in Theorie und Praxis gelernt, wie man sich im Falle eines (Un-)Falles verhält und Verletzten helfen kann, bis professionelle Sanitäter oder Ärzte eintreffen. Anwenden werden sie dieses Wissen künftig als Mitglieder des Sanitätsdiensts ihrer Schule.

Mehrere Ausgangssituationen haben sie mit ihrer Kursleiterin Antje Burdorf vom DRK durchgespielt. „Zum Beispiel, dass sich jemand einen Finger abgetrennt hat. Oder das Auffinden einer bewusstlosen Person auf dem Radweg, der Umgang mit dem Defibrillator und die Herz-Lungen-Wiederbelebung“, zählen Rina Rehenbrock (13) und Anna Wilkens (14) auf.

Mit solch extremen Situationen sind die Schulsanitäter im realen Leben bisher noch nicht konfrontiert worden. „Da gibt man allenfalls mal ein Kühl-Pack raus“, sagt etwa Malik Rakhmanov (15). Er und der gleichaltrige Philip Sänger gehören als Zehntklässler bereits seit längerem zum schuleigenen Sanitätsdienst und sind seitdem auch mehrfach eingesetzt worden: bei Sportturnieren, Bundesjugendspielen oder Schulfesten. Ernsthaft eingreifen mussten sie zum Glück noch nie. Den aktuellen Ausbildungskurs besuchen sie quasi als Wiederholungstäter.

Warum? – „Schaden kann‘s nicht“, sagt Malik lakonisch. „Aber nützen.“ Durchaus auch ganz praktisch. Zum Beispiel beim Führerschein: Die Ausbildung zum Ersthelfer wird als Nachweis über Kenntnisse in Soforthilfe am Unfallort anerkannt.

Lehrerin Elle-Kari Schalow betreut den Schulsanitätsdienst und hat auf einer ganz anderen Ebene eine Veränderung beobachtet: Die Jugendlichen verhalten sich ganz allgemein ihren Mitmenschen gegenüber aufmerksamer, wenn sie ihre Ersthelfer-Ausbildung absolviert haben. Und ihre Schüler bestätigen das, auch wenn es ihnen etwas schwer fällt, den Mechanismus zu erklären, der dahinter steckt.

Im Prinzip läuft es darauf hinaus, dass ausgebildete Ersthelfer sicherer mit – sagen wir mal – Krisensituationen umgehen können. Das führt dazu, dass sie im Zweifelsfall eben nicht aus Unsicherheit wegschauen. Ob sich nun jemand auf dem Pausenhof verletzt hat oder einfach nur Kummer hat und so aussieht, als ob er Zuspruch braucht – was gerade bei den jüngsten Jahrgängen häufiger mal vorkommt. „Man traut sich einfach“, sagt Philip Sänger. „Und das wird von den anderen auch geschätzt.“

Elle-Kari Schalow geht dann geradezu das Herz auf, wenn sie beobachten kann, was für ein freundschaftlicher Umgang sich in solchen Situationen zwischen Schülern ganz verschiedener Jahrgänge entwickelt. „Das ist wirklich schön, dieses Sich-einfach-Kümmern.“

Und der Helm muss übrigens vorher ab.

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