Zum Abschied Sand vom Schulhof

Realschulrektor Rolf Rosenwinkel geht in den Ruhestand

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40 Jahre Schule, davon die letzten sieben als Leiter der Realschule Syke: Rolf Rosenwinkel geht in den Ruhestand. Mit Ehefrau Iris und Sohn Moritz (links) feierte er gestern Abschied. Gäste waren Kollegen sowie Vertreter von Stadtverwaltung, Schulbehörde und Elternvertreter. Sein Nachfolger steht noch nicht fest.

Syke - Sieben Jahre sind keine lange Zeit für einen Schulleiter. So kurz war Rolf Rosenwinkel Rektor der Realschule. Am Donnerstag wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Sieben Jahre sind aber lang genug, um etwas aufzubauen und zusammenwachsen zu lassen.

So fest, dass der Abschied schmerzt. So fest, dass ein Mann wie Rolf Rosenwinkel, der nach außen pure Energie, Willen, Entschlossenheit und Selbstsicherheit ausstrahlt, beim Abschied mehrfach mit den Tränen kämpft. Und verliert.

„Ich verlasse liebgewordene Menschen“, sagte er. Und wer ihm dabei ins Gesicht sah, spürte: Das war keine Floskel. „Ich wollte immer allen das bieten, was mir selbst als jungem Lehrer verwehrt blieb: Ein bisschen mehr Menschlichkeit in einer hektischen Zeit.“

Rosenwinkel sieht sich gern in der Rolle des Machers, der wie ein General die Strategie austüftelt und die Ziele vorgibt, die seine Offiziere erreichen sollen und bei der Wahl der Mittel dazu weitgehend freie Hand haben. Sein Kollegium hat ihm jetzt zum Abschied die Bestätigung dafür gegeben: Er sieht sich nicht nur so, sondern er ist es.

„Deine Ahnung, deine Meinung, dein Konzept. Keine Lust zum Diskutieren“, sang ihm der Chor des Kollegiums ein Ständchen auf die Melodie von Westernhagens „Es geht mir gut“. Die zweite Refrainzeile „Du hast unsre Schule ganz schön aufgepeppt und du kannst übers Wasser gehn“ ist dann als höchstmögliches Kompliment zu verstehen, dass Rolf Rosenwinkel dabei vieles richtig gemacht und damit mehr erreicht hat, als vorher für möglich gehalten wurde.

Diese Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. „Natürlich habe ich dieser Schule meinen Stempel aufgedrückt“, sagt Rosenwinkel selbstbewusst. Das habe er immer auch als Teil seiner Aufgabe als Schulleiter verstanden. Für ihn entscheidend ist aber: Das hätte niemals funktioniert, wenn Lehrer und Mitarbeiter nicht so engagiert mitgezogen hätten.

„Eine Schule im Dornröschenschlaf“ habe er vorgefunden, als er im Sommer 2012 Leiter der Realschule wurde, erzählt Rosenwinkel. „Die Stundenpläne wurden noch in Papierform ans Schwarze Brett gehängt und bei Bedarf mit Bleistift korrigiert. Klassenarbeiten steckte man im großen Planer an der Wand mit lustigen Buchstaben.“ Da Neuerungen einzuführen, sei nicht ganz einfach gewesen. Aber dank eines konstruktiv mitdenkenden Kollegiums, dem Rosenwinkel viel Idealismus und Einsatzbereitschaft über das Normalmaß hinaus bescheinigt, und Dank des finanziellen Engagements der Stadt Syke „ist es uns gelungen, eine Vorreiterrolle einzunehmen“. Exemplarisch warf er dafür die Stichworte iPad-Klassen, bilingualer Musikunterricht, sportfreundliche Schule und Kooperationen mit der Erlenschule und den BBS in den Raum.

Die Schule sei fit für die Zukunft, so Rosenwinkel. 62 Prozent des gerade verabschiedeten Absolventenjahrgangs habe die Schule mit einem erweiterten Realschulabschluss verlassen. „Das spricht für die Leistung der Lehrer.“ Bürgermeisterin Suse Laue bestätigte: „Die Schule hat einen guten Ruf. Ihre Absolventen sind ausbildungsfähig. Wir hören immer wieder aus den Betrieben: Wenn die von der Realschule kommen, klappt das.“

Gestalten und Organisieren liege Rosenwinkel im Blut, so Suse Laue weiter. Jetzt im Ruhestand werde er sicher etwas anderes finden, wo er das tun könne. „Ich glaube, die können sich jetzt schon freuen.“

Bis dahin dürfte es aber wohl noch eine ganze Zeit dauern. Zunächst mal will Rolf Rosenwinkel den Kopf freikriegen. Beim Segeln mit seiner Frau auf dem eigenen Schiff im Mittelmeer. „So lange, wie Wind und See das erlauben“, sagt Rosenwinkel und spricht dabei von Wochen und Monaten. Er will damit „der besten Ehefrau von allen ein bisschen was von dem zurückgeben, was sie all die Jahre für mich gegeben hat“. Und dann? „Mal schauen, was kommt.“

Als Wegzehrung überreichten ihm seine Gäste gleich mehrfach seine Grundnahrungsmittel aus stressigen Schultagen, wenn die Zeit mal wieder nicht für ein vernünftiges Mittagessen gerreicht hat: Tütensuppen und Snickers. Von seinem Kollegium bekam er außerdem ein maritimes Arrangement mit Modellsegelboot, Strand mit Sand vom Schulhof und einer großen Muschel. Aber einer ganz besonderen. Lehrer Andreas Klein: „Wenn man sich die ans Ohr hält, hört man nicht das Meeresrauschen, sondern spielende Fünftklässler.“

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