Nur 30 dürfen gleichzeitig ins Wasser / Baden in Zeiten von Corona

Abkühlung im Schichtbetrieb

Sieht so aus, als wär da gar nichts los. Das täuscht aber! Mehr Menschen dürfen wegen der Abstandsregeln gar nicht gleichzeitig ins Wasser.
+
Sieht so aus, als wär da gar nichts los. Das täuscht aber! Mehr Menschen dürfen wegen der Abstandsregeln gar nicht gleichzeitig ins Wasser.

Syke – Es ist brütend heiß: 34 Grad zeigt das Thermometer am Freibad. Das Wasser lockt verführerisch. Trotzdem ist gefühlt kaum etwas los: Nur wenige Menschen im Wasser, auch relativ wenige nur auf der Liegewiese. Aber die Schlange, die draußen an der Absperrung vor dem Eingang steht, passt nicht so recht in dieses Bild. Die Leute warten, dass jemand geht, damit sie reinkönnen. Denn im Freibad ist mit 100 Gästen die maximale Besucherzahl erreicht. Baden in Zeiten von Corona.

Von den 100 Gästen auf dem Gelände dürfen höchstens 30 gleichzeitig ins Wasser. 20 ins Tiefe, 10 ins Flache. Anders lassen sich im Becken die Mindestabstände nicht einhalten. Am Eingang und vor den Umkleidekabinen gilt Maskenpflicht. Die Sammelumkleiden sind dicht, die Einzelumkleiden dürfen genutzt werden, aber nur nach Zuweisung durch das Personal. Ähnlich gilt das auch für die Duschen. Auch der Kiosk hat geöffnet. Anders als sonst gibt es aber keine Tische und Stühle auf der Terrasse davor. Die Liegewiese ist freigegeben – das war zu Beginn der Sommerferien noch nicht sicher – aber auch da müssen die Mindestabstände eingehalten werden.

Das Bäder-Team hat sich verstärkt: Normalerweise ist die Aufsicht im Bad zu zweit, jetzt ist eine dritte Person am Eingangsbereich postiert und passt auf, dass sich alle an die Spielregeln halten.

Gesperrt ist hingegen das Planschbecken für die ganz kleinen. Ausgerechnet! „Uns blieb nichts anderes übrig“, heißt es fast entschuldigend von den Schwimmmeistern. Höchstens fünf Kinder hätten gleichzeitig dort im Wasser spielen dürfen. „Aber dann erklär dem sechsten und siebten mal, dass es da jetzt nicht rein darf. Das funktioniert bei Kindern in diesem Alter nicht.“ Vor allem nicht – geht der Satz hinter vorgehaltener Hand weiter – wenn die Eltern da nicht mitziehen.

Eine Lautsprecherdurchsage unterbricht den Badebetrieb: 20 Minuten sind um. Schichtwechsel. Die 30 im Wasser müssen jetzt raus. Und die nächsten 30, die schon vor der mit einer Kette abgesperrten Kaltdusche warten, können gleich rein. Bei dem System muss jeder Badegast höchstens eine Stunde warten, bis er nochmal ins Wasser kann.

Marina Sidunova aus Leerßen findet’s „gewöhnungsbedürftig“. Sie ist mit ihren Töchtern gekommen. „Gut ist, dass die Aufsicht das im Griff hat. Jetzt rein – jetzt raus. Das funktioniert“, hat sie beobachtet. „Und alle machen mit.“

Ihre Tochter Fiona (12) meint: „Was soll man auch machen? Man kann zumindest schwimmen.“

Malte Hoormann aus Syke findet das System mit den 20 Minuten ganz in Ordnung. „Da dieses Freibad keinen Eintritt kostet, kann man sich da sowieso nicht beschweren.“ Ehefrau Christine sieht es von der praktischen Seite: „Man kommt wenigstens rein und kann bleiben, so lange man will. Andere Freibäder beschränken die Zeit auf insgesamt höchstens eine Stunde. Da lohnt sich der Weg kaum noch.“ Nur Sohnemann Lian (6) findet die 20 Minuten Badezeit am Stück „ein bisschen zu kurz“. Ihm leuchtet aber ein: Wäre die Badezeit länger, müsste er auch entsprechend länger warten, bis er das nächste Mal ins Wasser darf. Und das findet er dann auch wieder doof.

Birgit Finke aus Syke gehört zu den Stammgästen in den Syker Bädern. „Ich bin im Sommer jeden Tag hier und froh, dass ich überhaupt schwimmen kann.“ Den Betrieb unter Corona-Umständen findet sie gut organisiert. „Gut ist auch, dass man sich nicht vorab eine Zeit holen muss, zu der man dann kommen kann.“ Ihre Begleitung Michaela Lange aus Syke lobt ausdrücklich das Schwimmmeister-Team: „Die sind sehr freundlich und umsichtig und sorgen für Klarheit. Das gefällt mir sehr.“

Draußen vor der Tür steht Christin Schümann mit Söhnchen Enno (2) und wartet, dass sie reinkönnen. Sie ist zum ersten Mal im Syker Freibad und ein bisschen unsicher. „Ich weiß gar nicht, wie das gleich abläuft.“ Seit etwa zehn Minuten wartet sie am Einlass. „Eine halbe Stunde gebe ich uns“, sagt sie. „Dann sind wir entweder drin, oder wir gehen wieder. Das ist halt so.“

Maria Chehade aus Weyhe steht ebenfalls vor dem Eingang. „Ich bin heute zum insgesamt vierten Mal hier, aber das ist das erste Mal, dass ich warten muss“, erzählt sie. Anders als die anderen Badegäste schiebt sie ein bisschen Frust: Fünf kleine Kinder hat sie dabei. Nummer sechs ist noch zu klein. Als sie beim letzten Mal gerade am Wasser war, hatte das Personal das Planschbecken gesperrt. „Wir waren da nur einmal ganz kurz drin“, erzählt sie, und findet die Sperrung übertrieben. „Draußen sind es 40 Grad, und das Kinderplanschbecken ist zu. Ich denke, Kinder kriegen kein Corona?“

Von Michael Walter

Die nächste Gruppe wartet schon vor der Absperrung. Alle 20 Minuten ist sozusagen Schichtwechsel im Becken. Das Schwimmmeister-Team passt auf, dass sich alle an die Spielregeln (und die Abstände ein-) halten.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Maria Schrader gewinnt Emmy für "Unorthodox"

Maria Schrader gewinnt Emmy für "Unorthodox"

Wie werde ich Baumpfleger/in?

Wie werde ich Baumpfleger/in?

Das richtige Make-up bringt Frische ins Büro

Das richtige Make-up bringt Frische ins Büro

"Super-Poga" als Sieger am Ziel - "Fühlt sich verrückt an"

"Super-Poga" als Sieger am Ziel - "Fühlt sich verrückt an"

Meistgelesene Artikel

Nach Corona-Großtest in Sulingen: Keine Neuinfektionen festgestellt

Nach Corona-Großtest in Sulingen: Keine Neuinfektionen festgestellt

Nach Corona-Großtest in Sulingen: Keine Neuinfektionen festgestellt
Wie man lernt, einander auszuhalten

Wie man lernt, einander auszuhalten

Wie man lernt, einander auszuhalten

Kommentare