Syke im Selbstversuch: Mit dem Elektro-Scooter durch die Stadt

Ab durch die Hecke

Zugewucherte Gehwege sind schon für Fußgänger ärgerlich. Für Menschen mit Gehbehinderung können sie zu einem echten Problem werden. Unser Mitarbeiter Dieter Niederheide (84) kann ein Lied davon singen.
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Zugewucherte Gehwege sind schon für Fußgänger ärgerlich. Für Menschen mit Gehbehinderung können sie zu einem echten Problem werden. Unser Mitarbeiter Dieter Niederheide (84) kann ein Lied davon singen.

Syke – Tja, da führt buchstäblich kein Weg mehr dran vorbei: So dicht und tief ragen die Büsche auf den Bürgersteig, dass Dieter Niederheide mit seinem Elektro-Scooter auf die Straße ausweichen muss – und aufpassen, dass er nicht auch noch an der Bordsteinkante umkippt.

Seit einiger Zeit ist unser Mitarbeiter (84) nicht mehr gut zu Fuß und inzwischen auf ein E-Mobil angewiesen. Das schafft maximal 6 km/h, und deshalb muss er damit zwingend auf dem Gehweg fahren. Wenn er es denn nur überall könnte.

„Es ist einfach unfassbar“, ärgert sich Dieter Niederheide. „Immer noch gibt es in Syke Grundstücksbesitzer, die sich nicht darum scheren, dass Büsche und Hecken von ihrem Grundstück auf die Gehwege und manchmal darüber hinaus bis an die Fahrbahn heranragen. Es scheint den Grundstücksbesitzern gleichgültig zu sein, dass durch die Büsche und Hecken Eltern mit Kindern im Kinderwagen, Fußgänger, ältere Menschen, die auf den Rollator oder das E-Mobil angewiesen sind, auf die Straße ausweichen müssen und dabei durchaus gefährdet sind.“

Für die Kreiszeitung macht sich Dieter Niederheide zusammen mit Fotograf Heinfried Husmann zu einem Selbstversuch auf den Weg. Lange fahren muss er nicht, bis er ein aus seiner Sicht besonders eklatantes Negativbeispiel findet. An der Steimker Straße kommt er nicht mehr weiter: „Ich musste auf die Straße ausweichen, damit mir die Zweige nicht ins Gesicht ratschen“, sagt er. „Der Grundstücksbesitzer scheint sich seiner Verantwortung nicht bewusst zu sein“, vermutet er. Und dürfte damit wohl richtig liegen.

Der Blick aus der E-Mobil-Perspektive zeigt: Hier ist (fast) kein Durchkommen. Und im Hintergrund sind schon die nächsten Hindernisse zu erahnen: Mülltonnen.

„Zuweilen bildet die Bepflanzung eine Gefahrenquelle. Manchen Grundstücksbesitzern ist dieser Umstand nicht bewusst oder sie haben kein Verständnis für die Belange der Verkehrssicherheit“, sagt die Stadtverwaltung dazu. „Eine Hecke hört grundsätzlich an der Grundstücksgrenze auf!“ Mehrmals im Jahr weist sie mit Infoblättern und anderen Veröffentlichungen darauf hin. Viel mehr als das kann die Stadt auch nicht tun. Die Möglichkeiten der Verwaltung, auf privaten Grundbesitz Einfluss zu nehmen, sind begrenzt. Das Ordnungsamt kann zum Rückschnitt auffordern und eventuell ein Bußgeld verhängen. Das war’s auch praktisch schon. Aber: Muss jemand auf die Straße ausweichen und kommt dadurch zu Schaden, kann er den Grundstückbesitzer dafür verklagen.

Ein zweites klassisches Hindernis auf den Gehwegen ist nicht natürlichen Ursprungs, sondern buchstäblich menschengemacht: Mülltonnen. Eigentlich sollten sie erst kurz bevor die Müllabfuhr kommt, an den Straßenrand gebracht und nach der Leerung zügig wieder weggerollt werden. Wer aber gar nicht zuhause ist – weil er zum Beispiel arbeitet – kann das nicht. Dann werden die Tonnen meist am Vorabend schon rausgebracht und bleiben bis zum Abend „danach“ auf dem Bürgersteig stehen. Nachvollziehbar – aber trotzdem eine Behinderung.

Eine, die der Müllentsorger AWG übrigens noch verschärft. Als die Müllabfuhr noch mit den klassischen Heckladern unterwegs war – den Müllwagen, wie man sie aus Bilderbüchern kennt – konnte man die Mülltonnen so aufstellen, dass sie buchstäblich möglichst wenig im Weg standen. Die Fahrzeuge waren mit mindestens zwei Personen besetzt: Fahrer und Lader. Der Müllwagen fuhr vor, der Lader stieg ab, rollte die Tonne ans Fahrzeug, entlud sie und stellte sie wieder zurück. Inzwischen fährt die AWG ausschließlich mit Seitladern. Da sitzt nur noch der Fahrer drin und das Entleeren der Tonnen erfolgt über einen ferngesteuerten Ladearm. Damit das funktioniert, müssen die Mülltonnen möglichst dicht am Fahrbahnrand stehen – und damit mitten im Weg.

Wer sich nicht daran hält, weil er den Bürgersteig nach Möglichkeit freihalten will, findet hinterher große Aufkleber an seiner Mülltonne vor, auf denen die AWG darauf hinweist, die Tonne nächstes Mal doch gefälligst unmittelbar an die Bordsteinkante zu stellen. Aus Sicht der AWG nachvollziehbar: Wenn der Fahrer an jedem zweiten Haus erst aussteigen muss, weil der Ladearm die Tonne nicht erreicht, lässt sich kein Zeitplan einhalten. Dass die Mülltonnen dann den Bürgersteig blockieren, ist der AWG bewusst. Eine Lösung für das Problem hat sie nicht. „Wir geben zum Herbst Leuchtaufkleber raus, damit man zumindest nicht im Dunkeln dagegenfährt“, sagt Sprecher Dominik Albrecht. „Aber die Tonnen stehen halt im Weg.“

Von Dieter Niederheide Und Michael Walter

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