43 Jahre dabei

Thorsten Heldberg ist der dienstälteste Polizist in Syke

Thorsten Heldberg ist der dienstälteste Polizist auf dem Syker Kommissariat. Seit dem 1. Dezember 1983 ist er schon dort – allerdings nicht ununterbrochen am Stück. Zwischendurch war er mal ein paar Jahre Leiter der Dienststelle in Barnstorf. Aber das ist jetzt auch schon wieder 20 Jahre her. Ende Februar geht der selbstbekennende „Kaffee-Junkie“ in Pension. Dann hat er insgesamt fast 44 Dienstjahre auf dem sprichwörtlichen Buckel.
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Thorsten Heldberg ist der dienstälteste Polizist auf dem Syker Kommissariat. Seit dem 1. Dezember 1983 ist er schon dort – allerdings nicht ununterbrochen am Stück. Zwischendurch war er mal ein paar Jahre Leiter der Dienststelle in Barnstorf. Aber das ist jetzt auch schon wieder 20 Jahre her. Ende Februar geht der selbstbekennende „Kaffee-Junkie“ in Pension. Dann hat er insgesamt fast 44 Dienstjahre auf dem sprichwörtlichen Buckel.

Er kam, sah und wollte wieder weg. Aber er ist geblieben. Zuerst nicht unbedingt freiwillig. Doch er ist heute immer noch da. Thorsten Heldberg ist der dienstälteste Polizist in Syke. Seit mehr als 43 Jahren. Allerdings nicht ununterbrochen: Zwischendurch war er mal Dienststellenleiter in Barnstorf. Aber auch das ist jetzt schon wieder 20 Jahre her. 

Syke – Er kam, sah und wollte wieder weg. Aber er ist geblieben. Zuerst nicht unbedingt freiwillig. Doch er ist heute immer noch da. Thorsten Heldberg ist der dienstälteste Polizist in Syke.

Nein: Syke und er, das war damals keine Liebesheirat. Eher eine Vernunftehe. Heldberg hatte einfach etwas völlig anderes erwartet, als er sich 1983 auf die Stellenausschreibung beworben hatte. Diese Kombination aus „es kommt immer ganz anders“ und pragmatischer Vernunft könnte allerdings so etwas wie ein Lebensmotto für ihn sein.

In Visselhövede ist Thorsten Heldberg aufgewachsen. Und wie so viele andere Teenager vor und nach ihm auch, wusste er in der 12. Klasse noch nicht mal ansatzweise, was er nach der Schule werden wollte. „Eigentlich Lehrer“, erzählt er. „Aber mit arbeitslosen Lehrern mit meiner Lieblingsfächer-Kombination Deutsch und Geschichte konte man damals die Straße pflastern. Da war mir sehr schnell klar: Das würde es nicht werden.“ Jura studieren wäre noch eine Option gewesen. Das hätte er damals aber vermutlich nicht finanzieren können.

„70er Jahre. Das war die Zeit des RAF-Terrorismus“

Beim Arbeitsamt fiel ihm dann Prospektmaterial der Polizei in die Hand. „70er Jahre“, erinnert Heldberg. „Das war die Zeit des RAF-Terrorismus. Wir hatten verschärfte Sicherheitslage und der Staat hat verstärkt Polizisten eingestellt.“ Man ging aber als junger Mensch damals nicht so ohne Weiteres zur Polizei. „Das war eine extrem politisierte Zeit“, sagt Heldberg. Die Studentenbewegung war noch sehr stark, die Anti-Atomkraft-Bewegung wuchs: Die Polizei war da das Feindbild.

Für Heldberg wurde ein praktischer Grund entscheidend. „Das Argument war: Wenn ich zur Polizei gehe, muss ich nicht zur Bundeswehr.“ Damals galt noch die Allgemeine Wehrpflicht, und die Bundeswehr hatte bei den jungen Leuten ein noch viel schlechteres Image als die Polizei. Also bewarb sich Thorsten Heldberg bei der Polizei. Er bekam eine Zusage und trat seinen Grundlehrgang in Oldenburg an. 1978 war das.

Ich gehörte damals zu der elitären Klasse, die mit Abitur angefangen hat“, sagt er. Heute ist das der Normalfall: Man bewirbt sich mit Abitur oder Fachabitur, studiert dann drei Jahre auf der Polizeihochschule und fängt danach als Kommissar im gehobenen Dienst an. „Früher war der Realschulabschluss üblich“, erzählt Heldberg. „Den ganzen Mittleren Dienst von früher gibt es heute gar nicht mehr. Ich hab damals noch als sogenannter Wachtmeister mit Fußnote angefangen. Die Bezeichnung hing mit der Besoldungsgruppe zusammen. Da gab es irgendwo eine Fußnote, die die höhere Einstufung betraf.“

Bei der Bereitschaftspolizei

Heldberg hätte dann nach dreieinhalb Jahren wieder Schluss machen können und wäre trotzdem um der Nachmusterung zur Bundeswehr herumgekommen. „Aber ich hatte Blut geleckt“, erzählt er. „Die ganze Sache hat mir Spaß gemacht.“

Die ersten zwei Jahre zeichnete sich das allerdings noch nicht so ab. Da war Heldberg bei der Bereitschaftspolizei. „Das sind die, die sich damals in Gorleben mit den Demonstranten geprügelt haben. Da hatte keiner Bock drauf.“ Heldberg schrieb Versetzungsgesuche und kam schließlich nach Hannover. „In die Großstadt“, sagt er. In einem Ton, der deutlich macht, was das damals für den jungen Polizisten für ein Gewinn war. „Da hatten wir richtig was zu tun. Das war richtig gut. Da wollte ich eigentlich nicht wieder weg.“

Aber auch das kam anders: Thorsten Heldberg hatte sich für den gehobenen Dienst beworben und einen Platz im entsprechenden Lehrgang bekommen. Der Lehrgang ging aufs Ende zu, aber in Hannover war keine Planstelle frei. Dafür gab es eine andere Möglichkeit im Regierungsbezirk Hannover. Und da hat Thorsten Heldberg den Fehler gemacht, nicht genauer hinzuschauen. „Wenn man in Hannover sitzt und dann hört: Regierungsbezirk Hannover – dann denkt man schlimmstenfalls an Garbsen oder Burgdorf. Und dann sollte ich nach Syke. Ich bin am Wochenende von meinen Eltern in Visselhövede nach Syke gefahren, um mir das überhaupt mal anzusehen.“ Damals war das Kommissariat noch in dem alten Backsteingebäude an der Bahnhofstraße 19. „Da hab ich einen Kulturschock gekriegt.“

In Star Wars hat C3PO mal gefragt, auf welchem Planeten er gerade ist. Luke Skywalker hat geantwortet: Wenn das Universum irgendwo ein leuchtendes Zentrum hat, bist du hier so ungefähr am weitesten davon weg. In etwa so hat sich Thorsten Heldberg damals gefühlt. Obwohl er das viel nüchterner ausdrückt. „Das war nicht das Gelbe vom Ei“. Und er wollte lieber heute als morgen wieder weg. „Die ersten fünf Jahre hab ich mich auf jede Ausschreibung in Hannover beworben. Aber ich bin nicht weggekommen.“

Und dann kam Tanja. Eine Eingeborene! Und seine große Liebe. Bis heute übrigens.. Aber damals noch in der Ausbildung. „Da war ich hier gebunden“, sagt Heldberg nüchtern. Beide haben geheiratet, ein Jahr später kam das erste Kind. Und Syke war plötzlich mehr als nur erträglich. „Mit Kindern ist es hier optimal. Es gibt alle Schulen hier vor Ort. Ich war selber immer Fahrschüler. Das wollte ich meinen Kindern gerne ersparen.“ Also haben Heldbergs ein Haus gekauft und sind geblieben. Auch das war eine Vernunftentscheidung, sagt Thorsten Heldberg.

Er blieb auch in Syke, als er 1995 die Leitung der Dienststelle in Barnstorf übernahm. Sieben Jahre ist Thorsten Heldberg da zur Arbeit gependelt. Bis 2002 in Syke die Stelle des Leiters des Einsatz- und Streifendiensts ausgeschrieben wurde. Heldberg bewarb sich, kriegte den Job und die damit verbundene Beförderung.

Polizeireform von 2004

Zwei Jahre später kam dann wieder alles anders: Mit der Polizeireform von 2004 wurden auch die Stellen neu bewertet. Und plötzlich fehlte Thorsten Heldberg eine Beförderungsstufe. Er war für seinen eigenen Job auf einmal nicht mehr qualifiziert. „Die bestehenden Stellen sind dienstrechtlich eingezogen und neu ausgeschrieben worden. Ich musste mich bewerben, bin aber nicht mehr zum Zug gekommen.“ Das hieß für ihn: Zurück ins Glied. Als Schichtleiter im Streifendienst. „Eine andere Möglichkeit gab es für mich nicht. Ich wollte in Syke bleiben.“ Ein Satz, der ihm 1983 noch nicht über die Lippen gekommen wäre.

„Das mache ich jetzt noch bis zum 28. Februar – dann ist Schluss“, sagt Heldberg. Mehr als 43 Dienstjahre hat er dann hinter sich.

Was hat sich in dieser Zeit verändert? An der Arbeit, an der Wahrnehmung und an ihm? Lange überlegen muss Heldberg da nicht: „Der Respekt gegenüber der Polizei hat massiv nachgelassen. Da sieht man sich heute Situationen gegenüber, wo man sich fragt: Wo bin ich denn hier gelandet? Ansagen werden überhaupt nicht mehr befolgt. Wenn wir früher zu einer Schlägerei gerufen wurden, hat man gesagt: Jetzt ist aber mal Schluss. Und dann war das auch so. Heute müssen wir massiv körperlich dazwischen gehen. Früher haben sie sich mit Fäusten traktiert. Heute ist fast immer ein Messer dabei. Oder eine Schreckschusspistole, der du nicht ansiehst, ob es nicht vielleicht doch eine scharfe ist.“

„1978 war die Polizei ein reiner Männerclub“

Längst nicht alles ist schlechter. „1978 war die Polizei ein reiner Männerclub. Heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen. Die ideale Streifenwagenbesatzung besteht für mich aus einem Mann und einer Frau. Weil sie sich optimal ergänzen und aus ganz praktischen Aspekten. Wenn man als Mann eine Frau durchsuchen muss und umgekehrt, ist das immer schwierig.“

Auch die Rechtslage ist heute anders als damals. Zum Beispiel bei häuslicher Gewalt. „Heute haben wir die rechtlichen Voraussetzungen, dass wir den Täter aus seiner eigenen Wohnung rausschmeißen können. Und wir können auch dafür sorgen, dass er nicht wiederkommt, sobald wir weg sind.“

Würde Thorsten Heldberg heute jungen Menschen raten, Polizist zu werden? „Es muss einem klar sein, worauf man sich da einlässt“, sagt er. „Tödliche Verkehrsunfälle, Tötungsdelikte, Situationen im Grenzbereich. Da, wo wir hinkommen, stimmt immer irgendwas nicht. Deshalb muss man da ein bisschen Idealismus mitbringen. Es ist etwas Anderes als Finanzbuchhalter zu werden.“

Andererseits: „Wenn ich gerne mit Menschen zu tun haben möchte, ist das ein idealer Job. Und er ist sehr vielseitig. Wenn ich meine Schicht anfange, weiß ich in der Regel nicht, was mich erwartet. Es ist jedesmal eine große Wuntertüte.“

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