Bis 1961 gab es in der damals selbständigen Gemeinde lediglich Hausnummern – und die waren bunt übers Dorf verteilt

Als in Barrien die Straßen Namen bekamen

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Die Barrier Wassermühle um 1900. Repro: Büntemeyer

Barrien - Von Heiner Büntemeyer. „Where The Streets Have No Name“, sang 1987 die irische Band U2. Der Ich-Erzähler will in diesem Lied einfach nur weg. Von seinem Beziehungsstress und allem, was ihm sonst noch Kummer macht. Irgendwohin, wo es so ruhig und abgelegen ist, dass die Straßen keine Namen haben. Bis 1960 wäre Barrien solch eine Art Paradies gewesen.

Erst 1961 fasste der Barrier Gemeinderat den Beschluss, in der damals noch selbständigen Gemeinde Straßennamen einzuführen. Zehn Jahre zuvor war ein entsprechender Antrag noch abgelehnt worden.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren in Barrien insgesamt 511 Hausnummern ausgegeben worden, und zwar „in der Reihenfolge ihres Auftretens“: Die älteste Adresse hatte die Hausnummer 1, die zweitälteste die 2 und so weiter. Ursprünglich dienten die Hausnummern lediglich den Brandkassen als Merkmal für ihre Versicherungen. Die Hausnummer 1 führte der Hof „Hahnenfelde“, der 1974 durch die Gebiets- und Verwaltungsreform an Weyhe abgetreten wurde. Hausnummer 2 war der Hof Nüstedt, und dort, wo der Hof Seekamp stand, wurde 1974 die Schwimmhalle errichtet.

1932 erarbeitete der damalige Volksschullehrer Fritz Meier ein „Hausregister“, das auch zahlreiche Hinweise auf die Vorbesitzer enthielt. So hieß der Hof H. Kruse Nr. 52 damals nur „Trumpeter“, da der Großvater des damaligen Besitzers bei den hannoverschen Husaren als Stabstrompeter gedient hatte. Das Haus Nr. 68 gehörte „Dr. Schütte“. Tatsächlich war Schütte aber nur Kutscher bei Doktor Schwarz in Syke gewesen und verstand sich auch recht gut auf die Behandlung von erkranktem Vieh. Daher erhielt er im Volksmund diesen Ehrentitel.

Erwähnt wird auch die „Hunteburg“, das alte Barrier Armenhaus mit der Hausnummer 92. Es wurde 1920 abgebrochen. An seiner Stelle errichtete Kaufmann Thielbar einen Düngerschuppen.

Sehr ausführlich beschreibt Meier auch das Altersheim, Haus Nr. 134. Es war die ehemalige „Brandsche Villa“, die vom damaligen Direktor der Bremer Kaiser-Brauerei errichtet worden war. Er hatte sich diesen Besitz mit Stallungen und Mühle angelegt, doch später durch die Inflation einen Teil seines Vermögens eingebüßt. Von seinen Erben wurde das Anwesen an den Landkreis verkauft.

Mit der Zeit war es für Postboten und erst recht für Ortsfremde zunehmend schwerer geworden, sich im Ort zurechtzufinden. Um 1900 lebten noch 950Menschen in Barrien, um 1960 waren es rund 3000. Und so entschied sich der Barrier Gemeinderat letztlich für Straßennamen.

Jeder Ratsherr erhielt eine Liste mit Namensvorschlägen, die der Wegeausschuss erarbeitet hatte. Mit wenigen Ausnahmen – der „Kirchweyher Weg“ wurde zu „Am Bahnhof“ und der „Leester Weg“ zur „Grenzstraße“ – wurden die Vorschläge akzeptiert. 1962 wurden die neuen Straßenschilder angebracht.

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