Nachtschicht mit Wahlzetteln

1700 Rückläufer: „Team Syke“ kam beim Briefwahlzählen nicht hinterher

Die Urnenwahl verlief reibungslos. Auch in den coronabedingt neuen Wahllokalen, wie hier in der Tischlerei Kanther.
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Die Urnenwahl verlief reibungslos. Auch in den coronabedingt neuen Wahllokalen, wie hier in der Tischlerei Kanther.

Bis tief in die Nacht dauerte am Sonntag die Auszählung der Syker Briefwahl-Stimmen. Der ungewöhnlich hohe Rücklauf an zurückgesandten Briefwahl-Unterlagen hatte das Wahlhelfer-Team überrascht. Und ein interner Fehler sorgte für eine späte Veränderung im künftigen Stadtrat.

Syke – Um 3.11 Uhr hat Wahlleiter Thomas Kuchem in der Nacht zu Montag als letzter das Rathaus verlassen. Kurz nachdem auch der letzte Wahlvorstand seine bis dahin noch ausgebliebenen Zahlen gemeldet hatte: die Ergebnisse der Briefwahl aus dem Kern-Ort Syke.

An dem notgedrungen unvollständigen Ergebnis, das wir in unserer Montagsausgabe veröffentlicht hatten, hat dieser letzte Wahlbezirk nichts mehr verändert. Trotzdem hatte die Stadtverwaltung bis Montagnachmittag ein falsches Endergebnis gemeldet: Fünf Sitze für die Grünen, zwei für die FDP und je einen für die Linke und die Basis-Partei, und je acht Sitze für FWG, CDU und SPD. Tatsächlich bekommt die FWG aber sogar neun.

„Den Fehler haben wir schon selbst gemacht“, gibt Thomas Kuchem auf Nachfrage zu und spricht von einem Kommunikationsproblem. Die Erklärung: Der neue Rat hat 35 Sitze. 34 zu wählende plus Bürgermeistersitz. „Ich hab immer von 34 Sitzen gesprochen und gemeint: 34 plus Bürgermeister. Und unsere IT hat verstanden: 34 insgesamt abzüglich Bürgermeister. Also waren alle Wahlergebnisse auf nur 33 Sitze gerechnet.“

Jetzt stimmt’s aber (hoffentlich): Bis nachmittags hatte die Stadt am Montag je acht Sitze für FWG, CDU und SPD angegeben. Tatsächlich hat die FWG einen mehr (blasse Zahlen und Säulen: Ergebnis von 2016). Die „Köpfe“ des neuen Stadtrats finden Sie in unserer Extra-Beilage. Grafik: Marc Lentvogt

Aufgefallen war das Montag früh am Morgen. Zu dieser Zeit hatte aber das Unternehmen, dass die Software und Server für die Übermittlung der Wahldaten zur Verfügung gestellt hatte, der Stadt bereits den Zugang gesperrt. „Wir konnten das nicht eigenhändig ändern.“

Ein früheres Abschließen der Auszählung am Wahlsonntag hätte daran vermutlich auch nichts geändert. Dass es da so lange gedauert hat, lag laut Kuchem am außerordentlich hohen Rücklauf bei den Briefwahlen aus dem Kern-Ort Syke.

„Es gab einen Briefwahlbezirk mit 70 Wahlbriefen, einen mit 105“, zählt Kuchem auf, „und Syke hatte 1712.“ In jedem einzelnen Wahlbrief lagen vier weitere mit den Stimmzetteln für die Bürgermeistgerwahl, die Kreistagswahl, die Stadtratswahl und die Ortsratswahl. Und während es bei der Bürgermeisterwahl nur um ein einziges Kreuz auf dem Stimmzettel ging, waren es bei den anderen Wahlen bis zu drei, die beliebig auf einen oder mehrere Kandidaten oder auf eine Gesamtliste verteilt werden konnten. Heißt: Jeden einzelnen von vier mal 1712 Zetteln mehrfach anfassen, sichten, sortieren und protokollieren.

Dass das viel Arbeit werden würde, war Kuchem und seinem Team lange vor der Wahl klar. Die Menge hat ihn dann aber doch überrascht. „Entscheidend ist ja nicht, wie viele Briefwahlunterlagen wir vorher ausgeben, sondern wie viele tatsächlich hinterher zurückkommen.“ Und dieses Verhältnis war anscheinend wesentlich höher als bei früheren Wahlen. „Gerechnet hatten wir mit 800 bis 900 Wahlbriefen“, sagt Kuchem. „Wenn ich auch nur ansatzweise geahnt hätte, dass es doppelt so viele werden, hätte ich aus Syke zwei Briefwahlbezirke gemacht.“ Und selbst dann wäre die Auszählung immer noch sportlich gewesen.

Gab es bei früheren Wahlen entweder nur einen oder zwei Briefwahlbezirke für das gesamte Stadtgebiet, hatte die Stadt diesmal für jede Ortschaft einen eigenen Briefwahlbezirk gebildet, also insgesamt zehn. Und jeder Wahlvorstand bestand aus zehn Personen. Auch mehr als früher üblich.

Trotzdem kam Team Syke nicht ansatzweise hinterher. Alle 38 anderen Wahlbezirke hatten Stadtrat und Ortsräte längst ausgezählt und gemeldet, da zählte „Briefwahl Syke“ immer noch die Stimmen für den Kreistag. „Wir haben das eigentliche Team durch zwei weitere verstärkt, die ihre Stimmen schon fertig ausgezählt hatten“, sagt Kuchem. „Die Leute waren an der Grenze dessen, was geht.“

Nach der Wahl ist vor der Wahl: „Die Kollegen haben Montagvormittag schon Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl in zwei Wochen ausgegeben“, sagt Kuchem. Er könnte sich eigentlich freuen: Für die Bundestagswahl werden die Syker Briefwahlstimmen nicht bei der Stadt, sondern beim Landkreis in Diepholz ausgezählt. Und „mutmaßlich wird da ja wohl noch mehr von der Briefwahl Gebrauch gemacht“. Kuchem empfindet gleichermaßen Mitleid und Respekt „vor den Leuten, die das auszählen müssen. Ich weiß nicht, wie die das machen wollen“.

Von Michael Walter

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