Rittergut Lüning brennt erstmals Whisky

Zwei Fässer für das Sulinger Stadtjubiläum

Zwei Männer stehen vor einer Destiliieranlage.
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Vor der Destillieranlage, in der momentan der erste Sulinger Whisky gebrannt wird, stehen Geschäftsführer Torben Lüning (links) und Destillateurmeister Michael Mebus.

Sulingen – „Wir haben als erster Betrieb begonnen, schon für die 1000-Jahr-Feier von Sulingen zu arbeiten“, sagt Michael Mebus, technischer Leiter der Sulinger Ritterguts-Manufaktur. Konkret: Seit vergangener Woche entsteht in der neuen Destillationsanlage des Unternehmens der erste eigene Whisky. Ein Fass davon solle zum Stadtjubiläum in acht Jahren aufbewahrt werden, und weil dann auch die Brennerei des Ritterguts 250 Jahre bestehe, werde dafür ein zweites Fass zurückbehalten.

Aufgrund des technischen Know-hows im Unternehmen und der Art und Weise, wie die neue Anlage konzipiert ist, sei klar gewesen, dass hier neben Korn auch Whisky gebrannt werden soll: „Das ist der König und Kaiser der Getreidespirituosen, weil er das meiste Können erfordert“, erklärt der Destillateurmeister. Die Idee dazu habe Torben Lüning, Geschäftsführer des Ritterguts, schon seit Jahren im Hinterkopf gehabt – „und jetzt ist es endlich soweit.“

Für die Produktion gelte es, auf hochwertige Rohstoffe zu achten, dann möglichst wärmeschonend zu destillieren, erklärt Mebus. Die größte Herausforderung sei aber die Fasslagerung: Da Holz ein Naturprodukt ist, müssen die Fässer alle zwei Monate kontrolliert werden.

Blick in die kupferne Brennblase der Anlage während der Destillation.

Bis zum Produktionsbeginn habe es etwa drei Monate Vorlauf gebraucht: „Wir mussten sichergehen, dass wir die richtigen Fässer bekommen.“ Während andere Whiskys meist in Bourbon- oder Sherryfässern gelagert werden, hat Mebus für das Sulinger Produkt Portweinfässer ausgewählt, die dem Getränk eine leichte Portweinnote im Geschmack sowie eine angenehm rötliche Farbe verleihen sollen. Zudem handele es sich um „Double Woods“, also um Fässer, die aus zwei unterschiedlichen Eichensorten hergestellt wurden.

Für den Whisky, der ein Malt Whisky nach schottischem Vorbild werden soll, habe er verschiedene Gerstenmalzsorten zusammengestellt, die von einem Unternehmen aus Bamberg geliefert werden, bei dem alle europäischen Brauereien und Brennereien ihr Malz bezögen – „das ist der Marktführer auf dem europäischen Festland.“ Verwendet werde für die Produktion das heimische Wasser, denn das müsse wegen der Wasserhärte ohnehin für die Spirituosenproduktion aufbereitet werden.

Im Maischkessel vollzieht sich der erste Schritt der Whiskyherstellung.

Mit dem Einmaischen des Malzes und der Gärung, bei der Hefen die Stärke der Gerste in Alkohol und Kohlendioxid verstoffwechseln, begann der Prozess. Aus dem Ergebnis wird der eigentliche Whisky destilliert, mit einem angestrebten Alkoholgehalt ab 43 Volumenprozent.

Noch bis zum 23. November werde gebrannt, erklärt Torben Lüning, jeweils ab 6 Uhr morgens, damit der Vorgang am Nachmittag abgeschlossen ist. Mittwochs sei von je her der „biologische Ruhetag“, denn die Vergärung dauere 72 Stunden. Nach dem Destillieren folge die „Harmonisierungsphase“, so Lüning, bevor der Whisky im Dezember in die Fässer abgefüllt wird, in denen er traditionell „drei Jahre und einen Tag“ reifen müsse: „Zu Weihnachten 2024 ist er dann fertig.“ Aus den zweieinhalb Tonnen Gerstenmalz würden etwa 800 Liter Whiskey produziert, mit denen vier bis fünf Fässer befüllt werden könnten. Auch künftig plane man über den Winter eine Brennkampagne für Whisky, während den Rest des Jahres über Korn und Gin produziert werden sollen, kündigt Lüning an.

Künftig können Kunden den Prozess begleiten

Laut Michael Mebus habe man ein komplettes Konzept entwickelt rund um Produktion und Fasslagerung, das jetzt mit dem Whisky weitergeführt werde. Zusammen mit Rittergut-Verkaufsleiter Julian Witte, der ebenfalls sehr „whiskyaffin“ sei, habe er schon eigene Blends entwickelt. Die seien bereits in kleinen Chargen im Laden erhältlich, zu Weihnachten solle es sie in größeren Manufakturflaschen geben.

Künftig wolle das Rittergut-Team den Kunden für Whisky auch sogenannte „Private Casts“ anbieten: Sie könnten dann vom Einmaischen über das Gären und die Destillation bis zur Abfüllung dabei sein und selbst mit Hand anlegen, würden während des Reifens auf dem Laufenden gehalten. „Das ist in Norddeutschland einmalig“, betont Mebus. Ähnliches sei für Gin geplant, wo zusammen mit den Kunden jeweils eigene Rezepturen aus Kräutern für den gewünschten Geschmack entwickelt würden. Dazu werde es im eigenen Seminarraum passende Tastings und Seminare geben.

Einkauf soll Erlebnis werden

„Die Brennerei und der Verkauf sollen ein großes Erlebnis sein“, sagt Torben Lüning. „Wenn wir ein Tasting machen, dann als Hersteller – wir wollen das authentisch machen und nicht mit einem Referenten für eingekaufte Ware.“ Dafür werde derzeit in einem der ältesten Bereiche des Ritterguts über dem Wasserrad die „Captain’s Lounge“ für Premium-Tastings mit zehn bis zwölf Teilnehmern eingerichtet. Sie solle nach dem Jahreswechsel fertig sein. Daneben entstehe der „Drogenraum“, in dem zusammen mit den Kunden die „Botanicals“ für Gin ausgewählt werden können.

Bereits geordert ist eine weitere Destillationsanlage, die für verschiedene Produkte genutzt werden kann. Schon die im vergangenen Jahr installierte Anlage sei für den Hersteller seit 35 Jahren die erste dieser Größe gewesen (wir berichteten) – die neue sei so speziell, dass der Anbieter „noch überlegt, wie sie gebaut werden soll“, verrät Lüning.

Rittergut ist für die nächsten Generationen gesichert

Produktion, Verkauf und Tasting sollten sich gegenseitig befruchten, wünscht sich der Geschäftsführer. Dass man zentral im Mittelzentrum und nicht außerhalb in einem Industriegebiet produzieren kann, sei eine sehr glückliche Lage. Schon jetzt bekomme man viele Anfragen für Brennereiführungen: „Wir versuchen, alles möglich zu machen, was geht unter Corona.“ Man befinde sich aber noch im Aufbau. Wenn der 2014 begonnene Umbau der Gebäude abgeschlossen ist, solle die alte Brennanlage als Industriedenkmal aufbereitet werden. „Das Ziel ist, das Rittergut wieder zu beleben und zu erhalten – und damit als Ausflugsziel attraktiv zu machen“, bekräftigt Lüning. Die Familie arbeite hier in der siebten Generation. Über die „Rittergut Lüning zu Sulingen“-Stiftung sei das auch für die nächsten Generationen gesichert.

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