Mitarbeiterinnen wünschen sich Gewissheit für die weiteren Planungen

Zukunft der Stadtbücherei weiter unklar

Vor einer ungewissen Zukunft für die Stadtbücherei stehen Heike Borchers (links) und Dagmar Ahrens.
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Vor einer ungewissen Zukunft für die Stadtbücherei stehen Heike Borchers (links) und Dagmar Ahrens.

Sulingen – Zumindest für die nahe Zukunft sind keine Fragen offen: Die Sulinger Stadtbücherei ist auch in den am Montag beginnenden Herbstferien geöffnet, und zwar zu den Zeiten, die seit der Wiedereröffnung nach der coronabedingten Schließung gelten.

Demnach stehen Leiterin Dagmar Ahrens und Mitarbeiterin Heike Borchers den Nutzern dienstags und mittwochs von 14 bis 18 Uhr sowie donnerstags und freitags von 9 bis 13 Uhr zur Verfügung. Diese Zeiten blieben voraussichtlich noch bis Jahresende unverändert, so Heike Borchers, und auch die weiteren Einschränkungen hätten weiter Bestand: Die Arbeits- und Internetplätze der Bücherei können nicht genutzt werden, der Aufenthalt in den Räumen soll ausschließlich der Rückgabe entliehener Medien beziehungsweise der Auswahl von neuen zur Ausleihe dienen.

Veränderungen in der Nutzerschaft hat das Team nur teilweise gespürt: „Die Reiseführer sind diesmal im Regal geblieben, die wurden sonst im Sommer viel ausgeliehen“, stellt Heike Borchers fest. Die Zahl der E-Book-Ausleihen habe sich verdoppelt, die „analoge“ Ausleihe sei etwas zurückgegangen – „insgesamt sind es ein paar Prozent weniger.“ Dazu trage auch bei, dass die Grundschulbücherei, die offiziell als Außenstelle der Stadtbücherei gelte, erst im September wieder mit der Ausleihe begonnen habe, denn „das sind 200 bis 300 Ausleihen pro Monat, das läuft sehr gut.“

Wie lange es so weitergehen kann, ist derzeit aber noch unklar. Der Grund: Das ehemalige Gebäude der Grundschule, in dem auch die Bücherei untergebracht ist, gehört inzwischen dem Landkreis Diepholz. „Wir wissen, dass der Landkreis der Bücherei für zwei Jahre, bis Sommer 2021, Bleiberecht eingeräumt hat“, sagt Heike Borchers, „und wir hoffen auf eine Verlängerung, aber wir wissen noch von nichts.“

Fenker: Nachnutzung derzeit nicht abzusehen

Das sei richtig, bestätigt auf Nachfrage Jörg Fenker vom Fachdienst 65 – Liegenschaften – des Landkreises. Die Stadtverwaltung habe den Landkreis gebeten, die Bücherei für zwei Jahre in dem Gebäude zu belassen, bis ein neuer Standort gefunden worden sei. „Die Vereinbarung war befristet, aber wir sehen das entspannt.“ Eine Nachnutzung sei derzeit nicht abzusehen, weswegen es dem Landkreis nicht auf einen Tag ankomme. „Wir gehen davon aus, dass die Stadt wieder auf uns zukommt.“

„Ich kann verstehen, dass die Mitarbeiterinnen total frustriert sind,“ sagt Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb, „es ist ein unbefriedigender Zustand, aber wir können schlecht über Dinge sprechen, wenn wir nicht deren Eigentümer sind.“ Klar sei, dass in die Bücherei jetzt nichts investiert werde, solange der zukünftige Standort nicht geklärt sei. Aber eventuell gelinge es auch, gemeinsam mit dem Landkreis etwas zu realisieren, da auch für die Bücherei des Gymnasiums eine Lösung gefunden werden müsse. Zumindest über den Sommer hinaus sei keine Veränderung zu erwarten: „Ich gehe davon aus, dass wir eine Verlängerung brauchen.“

„Seit Beginn der Planungen für die neue Grundschule vor acht Jahren sind wir im Ungewissen“, stellt Dagmar Ahrens fest. Einige langjährige Nutzer fänden die Bücherei zwar gemütlich mit der hölzernen Einrichtung, aber vieles sei inzwischen auch abgenutzt und unansehnlich. Seit ihrem Dienstantritt im Dezember 1980 sei an der Raumsituation kaum etwas verändert worden; die Rollregale seien damals angeschafft worden, aber sie könnten nicht erweitert werden, weil es dafür keine Teile mehr nachzukaufen gebe, und die Regale an den Wänden stammten zum Teil sogar noch aus den Anfangstagen der Bücherei aus der Mitte der Fünfzigerjahre.

Wünsche für einen Standort gibt es

Für einen neuen Standort hat das Büchereiteam aber bereits Wünsche vor Augen: Zentral gelegen solle er sein, um von den Nutzern leicht erreicht werden zu können, und gerne auch in Reichweite einer Bushaltestelle, denn oft hätten Schüler hier (vor der Pandemie) auf den Bus gewartet und schon einmal Hausaufgaben gemacht. Die Jugendlichen hätten sich auch gegenseitig Nachhilfe gegeben oder Referate vorbereitet, dafür sollten in der neuen Bücherei unbedingt auch Möglichkeiten und Ruhezonen eingerichtet werden. Heller sollte die Einrichtung künftig auch sein, ein Lese-Café mit Sitzgelegenheiten und einem Kaffeeautomaten sei inzwischen in vielen Büchereien Standard, und auch ein eigener Veranstaltungsraum für Lesungen oder das Bilderbuchkino, das zuletzt bis zu 60 Kinder und Erwachsene besuchten, sei ein Wunsch. Insgesamt ein modernes Mobiliar und eine bessere technische Ausstattung stehen ebenso auf der Liste wie mehr Platz, um auch den Bestand an Medien erweitern zu können: „Vor allem bei Hörbüchern, Hörspielen für Kinder und Zeitschriften gibt es noch wesentlich mehr, als wir anbieten können“, so Heike Borchers.

Das sei allerdings auch eine Frage des Etats, pro Jahr stehen der Bücherei 16 000 Euro für Neuanschaffungen und Zeitschriftenabonnements zur Verfügung, wobei 1 000 Euro allein für Anschaffungen für die Grundschulbücherei reserviert sind. Gerne wolle man auch wieder täglich von 9 bis 18 Uhr öffnen, aber dafür sei eine Aufstockung des Personals nötig.

Auf Zustimmung stößt bei den beiden Damen der Entwurf für ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK), das die Bücherei als Teil eines „soziokulturellen Zentrums“ sieht (wir berichteten). „Das könnten wir uns gut vorstellen, zum Beispiel in Verbindung mit dem Familiengesundheitszentrum, der Volkshochschule und dem Heimatverein“, sagt Heike Borchers. Dann wären unter anderem auch gemeinsame Veranstaltungen denkbar, wie es sie schon mit dem FGZ gegeben habe – „davon profitiert jeder.“

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