„Wollen den Nerv treffen“

SPD-Ortsverein Sulinger Land auf der Suche nach Orientierung

Der Vorstand des SPD-Ortsvereins Sulinger Land hatte zur „Aktiven Mitgliederveranstaltung“ in das Café Delsul gebeten.

Sulingen - Seit vier Jahren führt Margret Herzog den SPD-Ortsverein Sulinger Land; stellvertretende Vorsitzende sind Wiebke Wall und Manfred Tangemann. An die 100 Mitglieder sind in dem Ortsverein organisiert.

Die Veranstaltung, zu der sich am Dienstagabend 20 Genossen im Café Delsul im Bürgerhaus versammelten, sieht Herzog als Kick-off einer Veranstaltungsreihe. „Von einer Erneuerung der SPD sprechen derzeit alle“, sagt die Vorsitzende am Mittwoch auf Anfrage. 

Schlechte Umfragewerte brächten auch die Sulinger Sozialdemokratie ins Grübeln. Aber: Wer soll sich erneuern, wie, wann und warum? Herzog: „Uns liegt es fern, über Landes- und Bundespolitik zu schimpfen. Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir da anfangen, wo wir selbst mitgestalten können; eben auf kommunaler Ebene.“

Grundsätzliche Fragen zur Sozialdemokratie

Die Gastgeber der „aktiven Mitgliederveranstaltung“ im Café Delsul waren die Mitglieder des Ortsvereinsvorstandes. Und die treiben laut Herzog genauso wie die Angehörigen der Fraktionen Fragen um: Wie sozialdemokratisch ist man eigentlich noch? Wer ist die oft zitierte Basis – und wie wird sie in der Meinungsbildung des Ortsvereins berücksichtigt? Werden Netzwerke in Richtung Unterbezirk, Landes- und Bundesvorstand genutzt, um die Interessen der Mitglieder zielführend zu vertreten?

Herzog: „Klar, wir haben provoziert. Aber nur so erfahren wir, was unsere Mitglieder wirklich bewegt. Wir wollten den Nerv treffen.“

Kontrovers habe man am Dienstag diskutiert; gut zweieinhalb Stunden über Zielgruppen, immer wieder wohl auch über Gesundheits- und Familienpolitik, den Pflegenotstand.

Hoffnung auf Folgetermine

Mit der Nennung von konkreten Ergebnissen der Zusammenkunft hält sich Magret Herzog zurück. „Die werden die Folgetermine mit sich bringen.“ Folgetermine hätten die Teilnehmer der Veranstaltung am Dienstag eingefordert. 

Margret Herzog fasst diese Forderung als Arbeitsauftrag auf, sieht ihrerseits ein Überdenken der Strukturen im Ortsverein „als dringend erforderlich“ an. „Wir müssen gucken, wie wir die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen.“ Exemplarisch spricht sie von Öffentlichkeitsarbeit, „um auch zu zeigen, dass wir transparent arbeiten.“

Sie fordert insbesondere die Ansprache jüngerer Parteimitglieder, aber auch eine engere Verzahnung mit den Fraktionen.

Die Ortsvereinsvorsitzende im Fazit: „Ich habe am Dienstag während unseres Treffens Aufbruchstimmung ausgemacht. Jetzt geht es darum, diese Stimmung festzuhalten und die Leute in unsere Arbeit mit einzubinden.“

oti

Angemerkt von Carsten Schlotmann

Nein, wahrlich nicht: Das Rad haben die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Sulinger Land während ihrer „aktiven Mitgliederveranstaltung“ am Dienstag nicht neu erfunden. Plakative Schlagworte wie „Politik zum Anfassen“, „frischer Wind“ und „die Fokussierung auf soziale Themen“ tragen die Mitglieder des aktuellen Vorstandes seit mehr als vier Jahren auf ihren Fahnen mit sich herum. 

Was bis dato Platz für Entwicklungen ließ, waren die Strukturen, um Absichtserklärungen auch Taten folgen zu lassen. Herzog und Co. wissen vor dem Hintergrund eines bundesweiten Rekord-Tiefs in der Wählergunst um die Notwendigkeit, auch lokal das Ruder rumreißen zu müssen. 

Ein kraftraubendes Vorhaben, das die Bündelung der Kräfte erfordert. Dadurch, neben den Angehörigen der Fraktionen auch die Mitglieder verstärkt aktiv in die anstehenden Prozesse mit einzubinden, machen die Vorsitzende und Mitstreiter aus Betroffenen Beteiligte. Sie verschaffen sich neue, zusätzliche Ressourcen – und dem altehrwürdigen SPD-Ortsverein Luft zum Atmen.

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