Sulinger Unternehmen prüft Werkstoffe europaweit

„Woitt Inspection Service“: Sicherheit bis in die kleinste Pore

EIn Mann und eine Frau stehen vor ihrem Firmengebäude.
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Seit Anfang des Jahres sind Alexander und Maria Woitt mit ihrem Unternehmen am neuen Standort im Gewerbegebiet „Mühlenkamps Feld“ aktiv.

Sulingen – Seit Anfang dieses Jahres arbeitet das Unternehmen „Woitt Inspection Service“ am neuen Standort im Sulinger Gewerbegebiet „Mühlenkamps Feld“, doch was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Firmennamen? „Wir besetzen eine Mikronische“, sagt Inhaber Alexander Woitt, „als Spezialist für die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung.“

Damit biete man eine technische Dienstleistung für die Qualitätssicherung: „Wir stellen sicher, dass Bauteile höchsten Standards entsprechen.“ Das sei ein Markt, der sich im Aufwind befinde, weil sich die Sicherheitsstandards immer weiter nach oben bewegten. Der Kreis der Kunden sei groß: Teile aus der Luftfahrtindustrie prüfe man ebenso wie Pipelines für die Petrochemie oder Offshore-Anlagen für Windkraft.

Zur Werkstoffprüfung sei er gekommen, als er kurz vor Ende seines Wehrdienstes bei der Bundeswehr die Anzeige eines Ingenieurbüros für Werkstoffprüfung gelesen habe, das Mitarbeiter suchte. Dort sei er im Laufe der Zeit zum Projektleiter aufgestiegen, aber weil es keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten gegeben habe, sei vor sechs Jahren die Entscheidung gefallen, sich selbstständig zu machen – „und das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“

Am Monitor kontrolliert Alexander Woitt die Röntgenaufnahme einer Schweißnaht.

Den Anfang nahm das Unternehmen im eigenen Zuhause: Mit Ehefrau Maria habe er sich ein sechs Quadratmeter großes Büro geteilt, Vorstellungsgespräche seien im Wohnzimmer geführt worden, und Prüfinstrumente sowie zu prüfende Werkstücke seien im ganzen Haus verteilt gewesen. Obwohl etwa 90 Prozent der Prüfungen vor Ort bei den Kunden in ganz Europa erfolgten, habe es immer mehr Anfragen gegeben, ob die Teile nicht auch zur Prüfung geschickt werden könnten, berichtet Maria Woitt, und spätestens da sei klar gewesen, dass es einen neuen Standort geben müsse.

Den fand das Unternehmen an der Rudolf-Diesel-Straße in Sulingen, und hier stehen umfangreiche Prüfmöglichkeiten zur Verfügung. Hauptverfahren dabei sei die Röntgenprüfung, so Alexander Woitt: Ähnlich wie bei der medizinischen Untersuchung mit Röntgenstrahlen können Einzelteile zwischen zwei Millimeter und sechs Meter Länge auf kleinste Beschädigungen überprüft werden. Vor allem Schweißnähte würden so untersucht, denn am Röntgenbild ließen sich Risse und Gaseinschlüsse, sogenannte Poren, entdecken, die mit bloßem Auge nicht sichtbar seien, aber bei mechanischer Einwirkung zu Beschädigungen führen könnten. Eigens dafür ist im Gebäude ein „Röntgenbunker“ mit 50 Zentimeter starken Betonwänden eingerichtet, in dem Stahlwände mit einer Dicke von bis zu 65 Millimetern „durchleuchtet“ werden können. Andere Röntgengeräte seien dafür ausgelegt, rundum in Röhren zu prüfen, ob die Verbindungen sicher sind. Ebenfalls per Röntgenstrahlung würden Verbundwerkstoffe, wie aus dem Flugzeugbau, untersucht. Die entsprechenden Bilder gebe es ganz klassisch auf Film, der in einer eigenen Dunkelkammer entwickelt werde, aber auch auf Speicherfolien. Ganz neu seien Detektoren, die das Bild gleich auf einem Monitor anzeigten.

Solche Werkstücke werden unter anderem zur Prüfung nach Sulingen geschickt.

Ein weiteres wichtiges Untersuchungsverfahren ist die Prüfung per Ultraschall. Sie komme vor allem zum Einsatz, wenn bestehende Anlagen auf Verschleiß untersucht werden sollen, so der Inhaber, oder dort, wo eine Röntgenuntersuchung Menschen in Gefahr bringen würde.

Schließlich setzt das Unternehmen zudem auf Verfahren wie die Farbeindringprüfung oder die Magnetpulverprüfung, mit denen winzige Beschädigungen der Oberfläche ermittelt werden können. Darüber hinaus sind auch andere Techniken wie eine endoskopische Sichtprüfung oder eine thermografische Prüfung mittels Wärmebildkamera möglich.

Mit solchen Inspektionswagen, nach eigenen Plänen für die Prüfung vor Ort ausgestattet, senden Maria und Alexander Woitt ihre Mitarbeiter zu Kunden in ganz Europa.

Für Prüfungen vor Ort, beispielsweise die Bauüberwachung von Offshore-Anlagen in der Nordsee zwischen Deutschland und Norwegen vom Aufbau bis zur Inbetriebnahme, verfügt das Unternehmen über eine Reihe von Inspektionswagen. Die seien nach eigenen Entwürfen eingerichtet, erzählt Alexander Woitt, und für die notwendigen Prüfungen vollständig ausgerüstet.

Neben Alexander Woitt, der die technische Leitung innehat, und Maria Woitt, die für die Buchhaltung zuständig ist, sind im Betrieb zehn Mitarbeiter beschäftigt. Gerne würde man noch weitere Mitarbeiter aus der Umgebung einstellen, bekräftigt der Gründer. „Man hat jeden Tag etwas Neues – teils ist es stressig, teils laut, aber nie langweilig, und man lernt täglich dazu: Das ist es, was mich begeistert“, schwärmt er. Verstärkungen seien jedoch schwer zu finden. Die Werkstoffprüfung sei zwar ein Ausbildungsberuf, aber weil es eine Nische sei, werde es nur von wenigen Berufsschulen angeboten. Die dreijährige Ausbildung über die IHK sei zudem für die Unternehmen kaum wirtschaftlich, denn nach dem Abschluss könnten die Absolventen nur als „Handlanger“ eingesetzt werden, weil ihnen noch die notwendigen Zertifizierungen für die verschiedenen Werkstoffe und Prüfverfahren fehlten. Diese Zertifikate zu erwerben koste aber zusätzlich – „bis zu 50 000 Euro und mehr“, so Maria Woitt. Daher stelle man bevorzugt Menschen ein, die über eine abgeschlossene Ausbildung in einem metallverarbeitenden Beruf sowie Kenntnisse in NDT-Verfahren, kurz für Non-Destructive Testing, also zerstörungsfreie Prüfung, verfügen. Zwar habe man auch einen Ausbildungsmeister im Betrieb, sagt Alexander Woitt, aber „wir haben uns für den Weg entschieden, unsere Mitarbeiter über Ausbildungsgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Zerstörungsfreie Prüfung (DGZfP) oder den TÜV Nord weiterzubilden.“

Durch das Unternehmen ließen sich kürzlich Vertreter der Sulinger SPD führen.

Für Interessierte, beispielsweise Schulen, öffne man sich gerne und zeige, womit sich das Unternehmen befasse, betont Alexander Woitt. Von dieser Möglichkeit machte kürzlich auch der SPD-Ortsverein Sulinger Land Gebrauch, und mehrere Mitglieder ließen sich durch den Betrieb führen.

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