„Wir brauchen Hilfe“

Ex-„UmAs“ werden für Stadt und Flüchtlingsinitiative zur Herausforderung

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Verwaltungsmitarbeiter Andreas Fischer, Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb und Thekla Löchel, Sprecherin der Flüchtlingsinitiative, diskutieren die Situation der „UmAs“ in Sulingen.

Sulingen - 257 Asylbewerber leben derzeit in der Stadt Sulingen. 122 von ihnen gelten als anerkannt. „In der Zahl der 257 Asylbewerber sind nicht die ‚UmAs‘ berücksichtigt“, sagt Andreas Fischer, Mitarbeiter des Fachbereiches Allgemeines und Soziales der Stadtverwaltung.

Als „UmAs“ bezeichnen die Verwaltungsmitarbeiter und die Angehörigen der Flüchtlingsinitiative Sulingen minderjährige Asylbewerber, die unbegleitet ihre Heimatländer verlassen haben und laut Fischer von den Mitarbeitern des Jugendamtes des Landkreises betreut werden. Mit der Volljährigkeit wechseln sie in die Zuständigkeit der Stadt – und stellen deren Mitarbeiter und Helfer vor neue Herausforderungen.

Mehraufwand ist für die Gruppe kaum zu leisten

„Die meisten ‚UmAs‘ brauchen eine besondere Betreuung“, sagt Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb mit Blick auf das Engagement der Mitarbeiter des Landkreises Diepholz in den Unterkünften am Mühlenhofpark und in der angemieteten Immobilie am Kornblumenweg in Sulingen.

„Mit Erreichen der Volljährigkeit fallen sie aus der Betreuung heraus und werden weitgehend sich selbst, der Stadt und damit auch uns überlassen“, erklärt Thekla Löchel, Sprecherin der ehrenamtlich aufgestellten Flüchtlingsinitiative. Ein Mehraufwand, der durch die aktuelle Zusammensetzung der Gruppe und mit den ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen kaum zu leisten sei.

Langfristige Unterbringung in Flüchtlingsunterkünften wäre falsch

Konkret spricht Verwaltungsmitarbeiter Fischer von zwölf jungen Männern aus Afghanistan und Syrien, die als „UmAs“ in den vergangenen Monaten und noch bis zum Ende dieses Jahres von der Obhut des Landkreises in die der Stadt gewechselt sind beziehungsweise noch wechseln werden.

„Sie jetzt langfristig in den städtischen Flüchtlingsunterkünften zu belassen, wäre sicherlich der falsche Weg“, sagt Thekla Löchel. „Vor allem, wenn man weiß, welche Strapazen sie auf sich genommen haben, um als Minderjährige aus Syrien oder Afghanistan zu fliehen; fast alle sind traumatisiert.“

Hoffnung auf Paten

Aktuell beschäftige die ehrenamtlichen Helfer der Fall eines jungen Mannes aus Afghanistan, den sie erst vergangene Woche in psychiatrische Betreuung vermittelt haben. „Ein ganz normaler Junge, ein guter Schüler“, weiß Thekla Löchel, „der nach wie vor nicht mit den Misshandlungen während seiner Flucht klarkommt. Ihn ohne Betreuung in einer Gemeinschaftsunterkunft unterzubringen, könnte fatale Folgen haben – für ihn selbst, aber gegebenenfalls auch für sein Umfeld.“

Neben der Beschaffung von Wohnraum mit Größen, die sich für die Aufnahme von ein oder zwei „UmAs“ eignen, sehen Stadt und Flüchtlingsinitiative derzeit in der Gewinnung von Paten für die Heranwachsenden die größte Herausforderung.

„Wir suchen Leute, die bei der Freizeitgestaltung helfen, die Flüchtlinge auf Angebote hinweisen. Nichts wäre schlimmer, als dass sie in den Unterkünften herumsitzen und sich keiner kümmert“, sagt Löchel. Anbieter von Wohnraum oder Interessenten an einer Patenschaft sollten sich bei der Stadt melden. „Die Thematik wird uns noch länger beschäftigen“, sagt Dirk Rauschkolb.

oti

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