„Tag des offenen Denkmals“ in digitaler Form / Verein strebt produzierende Schaumühle an

Windmühle in Labbus virtuell erkunden

Auf Ersatz für den schadhaften Laufstein warten Aileen und Helmut Hansing, damit der Mühlenbetrieb wieder aufgenommen werden kann.
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Auf Ersatz für den schadhaften Laufstein warten Aileen und Helmut Hansing, damit der Mühlenbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Sulingen – Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz lädt für Sonntag, 13. September, zum „Tag des offenen Denkmals“ ein – den coronabedingten Umständen geschuldet eine rein digitale Präsentation von bundesweit mehr als 1 000 historischen Stätten, davon zwei im Landkreis Diepholz: das alte Pastorenhaus in Martfeld und die Windmühle Labbus in Sulingen.

2019 habe der Mühlenverein Labbus zum ersten Mal „richtig“ an der Aktion teilgenommen. Dafür, dass diesmal das Konzept vorsieht die Denkmäler online vorzustellen, sei der Verein ohnehin schon gut aufgestellt, erläutert dessen Schriftführerin Aileen Hansing – mit der Internetseite (www.labbusmuehle.de) und den Auftritten bei Facebook, Instagram und Youtube. Für den „Tag des offenen Denkmals“ hätten die Mitglieder kurze Filme erstellt, die unter anderem eine virtuelle Führung durch die frisch restaurierte Mühlenkappe bieten sowie Einblicke in die Mühlentechnik und die Restaurierung ermöglichen. „Das Medium ist interessant“, sagt Hansing, und weitere Videos über den Galerieholländer seien denkbar.

Der „Tag des offenen Denkmals“ ist zugleich ein Anlass, das vorzustellen, was sich bei der Restaurierung der Mühle getan hat, seit im April die Kappe nach der Wiederherstellung ihren Platz wieder einnahm (wir berichteten). Einer der wichtigsten Punkte dabei ist das neue Betriebskonzept, das der Verein erarbeitet hat und eigentlich beim Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag vorstellen wollte. Es sieht vor, die Windmühle als produzierende Schaumühle zu betreiben, sobald die Technik vollständig wiederhergestellt ist. „Dafür bringen wir alles auf Vordermann, und das entspricht auch der Satzung des Vereins: die Mühle zu restaurieren, zu erhalten und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

Künftig solle die Technik so oft wie möglich in Betrieb sein, der Plan ist, Backschrot, Vollkornmehl und Tiermischfutter in kleinen Mengen zu produzieren, die dann gegen ein geringes Entgelt erhältlich sind. Damit könne der Verein zeigen, was auch zuletzt hier hergestellt worden sei. Es solle kein kommerzieller Betrieb sein, schränkt Aileen Hansing ein – aber: „Eine Mühle läuft sich nicht kaputt, sie steht sich kaputt.“ In Aktion könnten die technischen Einrichtungen besser erhalten werden.

Zugleich erfülle der Verein damit auch die Anforderungen für die Anerkennung der Handwerksmüllerei als lebendiges kulturelles Erbe der UNESCO. Es gebe nur noch etwa 50 Mühlen in Deutschland, die den Kriterien entsprechen, und die Mühle in Labbus wäre die einzige im Landkreis Diepholz. Während derzeit schon das Denkmal genutzt wird als Lehrmühle für die Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule, könne es dann auch der Ausbildung der Müllergilde zum UNESCO-Mahlmüller dienen.

Flügel und Galerie als Nächstes „dran“

Vorrangiges Ziel bleibt jedoch der Abschluss der Mühlenrestaurierung. Nachdem Bauphase I mit dem Aufsetzen der Kappe abgeschlossen ist, arbeitet der Verein aktuell an der Finanzierung für Bauphase II, mit der die Windmühlenflügel und die Galerie wieder ihren angestammten Platz finden sollen. „Wir warten auf die letzte Zusage“, so Hansing. Der Bedarf habe sich auf 100 000 Euro reduziert, weil die vorhandenen Flügel restauriert werden könnten, anstatt sie zu ersetzen. Und das könne, je nach Auftragslage der Mühlenbauer, bereits bis Mitte 2021 abgeschlossen sein.

Vorgezogen hat der Verein dafür schon die Bauphase III, in der mit viel Eigenleistung die technischen Betriebssysteme überholt und instandgesetzt werden. So seien – zum ersten Mal seit 30 Jahren – wieder 500 Kilogramm Weizen angeliefert worden, die nun durch Elevatoren und Förderelemente bewegt werden, um diese zu reinigen. Daneben wurde das Stirnrad, das später die Kraft der Flügel auf den Mahlgang übertragen soll, überholt, indem dessen 180 Zähne aus Buchenholz gereinigt und neu geschliffen wurden. Bei den Arbeiten stellte sich auch heraus, dass der vorhandene Laufstein beschädigt ist und ausgetauscht werden muss. „Wir hatten das Glück, dass die komplette Finanzierung von rund 3 500 Euro kurzfristig durch Spenden gelungen ist“, freut sich Aileen Hansing. Der neue Stein wird gerade von einem niederländischen Mühlenbauer gegossen und soll bis Weihnachten, so die Hoffnung im Verein, installiert sein.

Ab sofort seien wieder Führungen möglich für Kleingruppen, Kindergärten und Schulen, lädt Hansing ein, auch das Trauzimmer stehe nun wieder zur Verfügung. Künftig gelte: „Wenn sich die Flügel drehen, ist die Mühle auch offen und zugänglich.“

Denkmäler ab Sonntag online erkundbar

Die Denkmäler präsentieren Vereine und Verbände online unter www.tag-des-offenen-denkmals.de per Video, Fotos oder Podcast. Die Vorstellungen sind vom 13. September bis Ende des Monats abrufbar; der Mühlenverein Labbus stellt seine Beiträge auch auf den eigenen Kanälen bereit.

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