Landhaus Barrien: Neuer Leiter Jörg Wilhelm hofft auf Abschluss bis Ende 2020

Wiederaufbau soll bald beginnen

Auf der Baustelle: Jörg Wilhelm, Leiter des Seniorenheims Landhaus Barrien.
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Auf der Baustelle: Jörg Wilhelm, Leiter des Seniorenheims Landhaus Barrien.
  • Harald Bartels
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Groß Lessen – Den Auftakt an seinem neuen Arbeitsplatz hatte sich Jörg Wilhelm sicher anders vorgestellt. Am 10. Mai nahm er – früher als geplant – seine Tätigkeit als Leiter des Landhauses Barrien auf. Der Grund: der Brand in der Senioreneinrichtung an diesem Tag. Jetzt beginnt der Wiederaufbau.

Während die Bewohner in einer Übergangseinrichtung in Bruchhausen-Vilsen untergebracht wurden, richtete sich Wilhelms Augenmerk auf die Aufräumarbeiten. Zunächst wurden die vom Löschwasser beschädigten Möbel entsorgt, sämtliche Räume begast und gereinigt, um die Spuren des Rauchs zu beseitigen. „Das war erforderlich, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können, und bereits nach fünf Tagen waren unsere Bewohner wieder hier.“ Mittlerweile sei der in Mitleidenschaft gezogene Trakt aus dem Jahr 1957 komplett entkernt, der Architekt erstelle gerade den Bauantrag für den Wiederaufbau, wobei der Landkreis tatkräftig unterstütze. „Großes Lob“ gelte auch den Unternehmen, die sehr kurzfristig auf Anfragen reagiert hätten – „zum Teil noch am selben Tag, an dem ich angerufen habe“, berichtet Jörg Wilhelm. Insgesamt habe man sehr große Unterstützung aus der Bevölkerung erfahren.

Sobald der Bauantrag genehmigt ist, beginne die Wiederherstellung der Bewohnerzimmer im Erdgeschoss, wobei die Räume an die aktuellen Pflegestandards angepasst werden. Größter Schritt dabei sei, die Türen so zu verbreitern, dass ein Pflegebett hindurchpasst. Priorität habe aber, den Dachstuhl wieder herzurichten, denn solange das Dach nicht geschlossen sei, kann der Innenhof nicht genutzt werden. Noch nicht feststehe, dass die Mitarbeiterwohnung im Obergeschoss wieder hergerichtet wird. „Alles konzentriert sich auf den Wiederaufbau“, betont Wilhelm, denn die Einrichtung mit ihren 40 Beschäftigten sei ein Vollversorger, auch, was das Kochen und Waschen angeht. Die Hoffnung sei, dass bis Ende des Jahres der Wiederaufbau abgeschlossen wird.

Neben den Brandfolgen und dem Aufbau prägt aber auch die Pandemie weiter den Alltag: „Wir sind coronageplagt, aber wir haben bis heute Bewohner, die negativ getestet sind. Deswegen setzen wir zum Schutz aller Bewohner weiter auf strenge Hygienemaßnahmen, auch wenn wir wissen, dass es nicht zur Zufriedenheit der Senioren und der Angehörigen ist.“ So galt bis Sonntag, dass pro Bewohner maximal ein Angehöriger zu Besuch kommen durfte. Seit Montag liegt diese Zahl in der Verantwortung der Heimleitung. „Wir verändern das momentan nicht, sondern sind sehr vorsichtig“, betont Jörg Wilhelm. Es gibt einen Raum, wo die Besucher zunächst Handschuhe und Mund-Nase-Bedeckung anlegen, bevor sie an einem mit Spuckschutz ausgestatteten Tisch dem jeweiligen Bewohner gegenübersitzen. Die Besuchszeit sei auf 30 Minuten begrenzt, mit 15 Minuten für den Übergang. Vormittags und nachmittags gebe es jeweils zwei solcher Besuchsfenster – außer am Mittwochvormittag, der sei reserviert für den Besuch von Friseur oder Podologe. Jedes Angehörigengespräch bewege sich derzeit um dieses Thema, berichtet Wilhelm, aber „der Schutz der Bewohner muss absoluten Vorrang haben.“ Die Ereignisse im Kreis Gütersloh zeigten, wie schnell es gehen kann, wenn man unvorsichtig wird. Allerdings könne er verstehen, dass die Menschen mit Unverständnis reagieren angesichts der zunehmenden Lockerungen außerhalb.

Der Alltag sei unter diesen Umständen schwierig. Beispielsweise sei gerade für demenziell Erkrankte der Hautkontakt zu Angehörigen sehr wichtig, aber momentan nicht möglich.

Dennoch versuche das Team, so viel wie möglich für die Bewohner zu tun, ergänzt Pflegedienstleiterin Diana Tesse-Nayir. Ludmilla Powelkin komme bereits wieder und spiele auf dem Akkordeon: „Das ist immer ein Highlight für die Bewohner, auch wenn sie nicht mitsingen dürfen, nur mitsummen.“ Man arbeite aber gerade daran, an einem Tag mit den Bewohnern auf den Vorplatz zu gehen, um dort, unter freiem Himmel, „mal ordentlich“ gemeinsam zu singen. Es habe auch schon ein kleines Konzert mit einer Lesung vor dem Haus gegeben. „Wir würden auch gerne mit einem Fest den Leuten eine kleine Freude machen, aber das geht noch nicht.“

Sehr dankbar seien das Team und die Bewohner für die Unterstützung während der Quarantäne: „Jeden Tag kamen Spenden, Briefe, liebe Worte, selbstgemalte Bilder und körbeweise Nervennahrung – wir waren total geflasht, dass so viele Menschen mit uns fühlen“, berichtet Diana Tesse-Nayir.

Das Landhaus Barrien habe sich in den vergangenen Jahren einen sehr guten Ruf erarbeitet, stellt Wilhelm fest, und bereits jetzt gebe es wieder eine lange Liste an Aufnahmeanfragen. Und es würden wieder neue Bewohner aufgenommen. Allerdings stünden von den nominell 41 Plätzen infolge des Brandes neun nicht zur Verfügung, und weil ein gesonderter Quarantänebereich eingerichtet werden musste, sind nur 25 verfügbar. Kurzzeitpflege gebe es aktuell nicht.

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