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Wie umgehen mit der Trauer und dem besonderen Tag?

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Von: Harald Bartels

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Das Team des Trauercafés: Rita Kosten (stehend) sowie (von links) Christa Schlüterbusch, Gerda Meyer und Christa Schröder. Es fehlt: Hanna Jäschke.
Das Team des Trauercafés: Rita Kosten (stehend) sowie (von links) Christa Schlüterbusch, Gerda Meyer und Christa Schröder. Es fehlt: Hanna Jäschke. © Bartels

Am Sonntag ist Totensonntag. Kein normaler Tag für viele Menschen. Er holt die Trauer um einen lieben Menschen zurück, frischt sie auf, verstärkt sie vielleicht sogar. Nicht immer ist das leicht für die Betroffenen, sagen Mitarbeiterinnen des Trauercafés Sulingen. Aber Trauer sei sowohl ein aktives als auch ein passives Gefühl – auch am Totensonntag: „Es geschieht mit einem, aber man gestaltet es auch.“

Sulingen – Am Sonntag wird der Totensonntag begangen. In vielen evangelischen Gottesdiensten werden an diesem Tag die Namen der im abgelaufenen Kirchenjahr verstorbenen Gemeindemitglieder verlesen, viele Menschen richten für dieses Datum die Grabstätten ihrer Angehörigen her. Wie gehen Trauernde jedoch mit diesem Feiertag um? Einen Einblick können die Damen geben, die für den Ambulanten Hospizdienst Sulingen und umzu das monatliche Trauercafé betreuen.

Eine generelle Antwort auf diese Frage gibt es jedoch nicht, sagt Hospizdienst-Koordinatorin Brigitte Book: „Jeder trauert anders, und alles ist erlaubt.“ Das bestätigt auch das Trauercafé-Team, bestehend aus Gerda Meyer aus Varrel, die seit acht Jahren dabei ist, Rita Kosten (Scharringhausen), seit sieben Jahren dabei, sowie seit drei Jahren Christa Schröder, Christa Schlüterbusch, beide aus Sulingen, und Hanna Jäschke aus Sudwalde. Alle fünf sind ausgebildete Hospizbegleiterinnen mit einer Weiterbildung für die Arbeit im Trauercafé.

Gerade der Totensonntag weckt ganz unterschiedliche Gefühle: Für manche sei das wirklich schlimm, weiß Christa Schlüterbusch, weil schon vorher für Grabgestecke erworben werden und man dem nicht aus dem Weg gehen könne. Andererseits sei für viele der Totensonntag leichter zu ertragen, weil die Hinterbliebenen zum Friedhof gehen, sich um das Grab des Verstorbenen kümmern und andere Trauernde treffen können, merkt Rita Kosten an. Schlimmer seien oft Jahrestage wie Geburts- oder Todestag, aber auch Weihnachten, weil viele Menschen dann mit sich alleine seien.

Bei ihrer Arbeit haben die fünf Frauen festgestellt: Wer eine große Familie hat, findet dort Halt, Geborgenheit und Gelegenheit, die eigene Trauer auch zu leben. Solche Menschen, so Gerda Meyer, „brauchen das Trauercafé nicht unbedingt.“ Das Café betreibt der Hospizdienst bereits seit Jahren, zu finden ist es im Evangelischen Gemeindezentrum an der Edenstraße. Allerdings, darauf legen die Damen großen Wert, ist das Trauercafé konfessionell ungebunden: „Wir sind unabhängig, jeder ist bei uns willkommen“, bekräftigt Christa Schröder. Zum Trauercafé, jeweils am ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr, kämen meist zwischen fünf und acht Gäste, „auch zwölf hatten wir schon mal“, berichtet Gerda Meyer. Manche kommen schon seit Jahren.

Dass der Totensonntag ein Tag der Trauer ist, liegt auf der Hand. Die Trauer sei aber sowohl ein aktives als auch ein passives Gefühl, erläutert Christa Schlüterbusch: „Es geschieht mit einem, aber man gestaltet es auch.“ Und Brigitte Book ergänzt: „Trauer kann auch ganz überraschend um die Ecke kommen, ausgelöst durch einen Geruch oder ein Musikstück.“ Bei schweren Erkrankungen beginne die Trauer auch nicht erst nach dem Tod, sondern oft schon mit der Diagnose, und die Begleitung des Menschen bis zum Ende sei für viele Hinterbliebene schlimm.

Stichwort: Totensonntag

Der Totensonntag ist ein relativ junger Feiertag: Im Jahr 1816 ordnete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen für die evangelischen Kirchen in den preußischen Regionen an, dass nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon von 1813 bis 1815 am letzten Sonntag vor dem ersten Advent der Verstorbenen zu gedenken sei, wie die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover auf ihrer Internetseite erklärt. Diese Vorgabe sei von den übrigen evangelischen Landeskirchen übernommen worden. Im Laufe der Zeit setzte sich in der evangelischen Kirche jedoch die Bezeichnung „Ewigkeitssonntag“ für den letzten Sonntag des Kirchenjahres durch, während der Name Totensonntag im Sprachgebrauch erhalten blieb. Der Tag zählt zu den sogenannten „stillen Feiertagen“, an denen in Niedersachsen Einschränkungen für öffentliche Veranstaltungen gelten. In der katholischen Tradition erfolgt das Totengedenken dagegen an Allerseelen, dem 2. November.

Auch der Umgang mit Trauernden sei für viele Menschen nicht einfach – egal, ob am Totensonntag oder an jedem anderen Tag: „Viele sind hilflos und wissen nicht, was sie sagen sollen“, weiß Rita Kosten. Am besten sei es dann, gar nichts zu sagen und auf das Gefühl einzugehen. „Man darf auch sagen, dass man gar nicht weiß, was man sagen soll“, ergänzt Gerda Meyer, „aber auf gar keinen Fall sollte man die Trauernden ignorieren.“

„Wir sind aber keine Therapeutinnen“, stellt Gerda Meyer klar. Bei Bedarf werde den Gästen empfohlen, sich professionelle Hilfe zu holen.

Im Café werde aber nicht nur getrauert, versichert Christa Schröder: „Es gibt auch lustige Momente, es muss beides möglich sein.“ Zudem entstünden auch Gespräche, aus denen sogar schon Freundschaften erwachsen seien, verrät Gerda Meyer: „Bei uns haben sich einmal vier Frauen gefunden, die dann jedes Wochenende etwas miteinander unternommen haben.“

Das Trauercafé sei komplett durch Spenden finanziert: Für den den Kuchen sorge neben den Damen des Café-Teams ein Pool aus ehrenamtlichen Hospizbegleitern, aber Dekorationen oder Kleinigkeiten zu Weihnachten würden über Spenden gedeckt. Das Team sei zudem offen für weitere Mitwirkende.

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