Grundstückskauf am Mittwoch im Ausschuss

Widerstand gegen DITIB -Kulturzentrum

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Die „Türkisch Islamische Gemeinde zu Sulingen“ will über den Dachverband DITIB ein Grundstück im Sanierungsgebiet Sulingen-Nord erwerben, um ein Kulturzentrum zu errichten.

Sulingen - Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben die Tagesordnung für die Sitzung des Ausschusses für Bau, Ordnung und Verkehr am Mittwoch, 17. Mai, veröffentlicht. Ein Thema, mit dem sich die Aussschussmitglieder voraussichtlich beschäftigen: Das Ansinnen der „Türkisch Islamischen Gemeinde zu Sulingen“, über den Dachverband DITIB ein Grundstück im Sanierungsgebiet Sulingen-Nord zu erwerben. Im Eckbereich des Hasseler Weges und der Nord-Süd-Trasse soll ein Kulturzentrum entstehen.

Ob die Ausschussmitglieder am Mittwoch tatsächlich die Angelegenheit diskutieren, scheint indes fraglich. Nach Informationen dieser Zeitung haben Spitzen von Rat und Verwaltung Anfang der Woche noch einmal das Gespräch mit den Antragstellern gesucht. Sie wollten Entwicklungsalternativen an der Lindenstraße und damit am derzeitigen Vereinsstandort aufzeigen. Ob die Gemeinde an dem Antrag festhält, soll sich dem Vernehmen nach spätestens am kommenden Montag entscheiden.

Bürgermeister Dirk Rauschkolb bestätigte am Donnerstag gegenüber der Redaktion Gespräche. Er hielt sich mit Details aber zurück. Der Bürgermeister verweist auf die Sitzung des öffentlich tagenden Ausschusses am Mittwoch (Beginn 18 Uhr). Im Sitzungszimmer des Rathauses sollen Vertreter der Gemeinde öffentlich ihre Planungen vorstellen.

Laut Sachdarstellung der Mitarbeiter der Verwaltung umfasst das Grundstück, das die „Türkisch Islamische Gemeinde zu Sulingen“ ins Visier genommen hat, eine Fläche von 7 900 Quadratmetern. Die Stadt Sulingen hat dafür in der Summe einen Kaufpreis in Höhe von knapp 95 000 Euro festgelegt. Geplant wird auf dem Grundstück, einem ehemaligen Lagerplatz, ein zweigeschossiges Kulturzentrum auf einer Grundfläche von 525 Quadratmetern. Neben Gebetsräumen für Frauen und Männer sind laut Bauskizze im Erdgeschoss Aufenthaltsbereiche sowie eine Teeküche vorgesehen. Im Obergeschoss soll neben einer Wohnung für den Hausmeister ein Spielzimmer untergebracht werden.

In der Nachbarschaft regt sich Widerstand gegen das Vorhaben. Die Sulingerin Anita Ural, die bis 1980 13 Jahre in der Türkei lebte, sowie die Sulinger Hajo Wieting und Lothar Sickert forderten am Donnerstag öffentlich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Begehr der Gemeinde. Nachbarn, aber auch die Öffentlichkeit in Gänze, gehörten in die Beratungen mit eingebunden. Hajo Wieting: „Die Begrifflichkeit ‚Kulturzentrum‘ ist uns zu verwaschen. Da kann man alles und nichts hineinstecken.“ Konkret befürchten die (entfernten) Nachbarn in dem Neubauvorhaben den Grundstock für den Aufbau eines Konferenzzentrums für den norddeutschen Raum. Wieting: „Uns erschließt sich nicht, warum man sonst eine Fläche von fast 8 000 Quadratmetern Größe benötigt.“ Rechne man Außenanlagen und Parkflächen dazu, würden laut Wieting 2 000 Quadratmeter für das Vorhaben ausreichen. Lothar Sickert: „Gegen eine religiöse Einrichtung ist sicherlich nichts einzuwenden. Alles was darüber hinausgeht, ist mit Vorsicht zu genießen.“

Anita Ural erwartet von Rat und Verwaltung vor einem Vertragsabschluss eine kritische Auseinandersetzung mit DITIP, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, der die Sulinger Gemeinde schon 1991 beigetreten war. „Moschee oder nicht, ist gar nicht die Frage.“ DITIB sei auch bei den eigenen Landsleuten umstritten. „Nicht erst, nachdem vereinzelte Gemeinden in das Visier des deutschen Verfassungsschutzes geraten sind.“ Der Verbund gilt als größter Islam-Dachverband in Deutschland und untersteht der Religionsbehörde Diyanet in Ankara. Diese wiederum ist direkt dem türkischen Präsidenten unterstellt. Anita Ural: „Geschäfte mit Erdogan tragen derzeit nicht gerade zur Vertrauensbildung und zur Integration bei.“ - oti

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