Fruchtblase platzt – was tun?

Schwangere ruft auf dem Sulinger Klinik-Parkplatz selbst den Rettungswagen

Blick auf den Haupteingang der Klinik Sulingen.
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Seit 2007 gibt es in der Klinik Sulingen keine gynäkologische Abteilung mehr.

Sulingen / Twistringen – Eine Geburt gilt als freudiges Ereignis – doch wenn Jessica Meyer aus Twistringen an den Moment zurückdenkt, als sich ihre Zwillinge Dailyn und Jaylen ankündigten, mischen sich auch Enttäuschung und Wut in ihre Empfindungen. Ihr Vorwurf: Mitarbeiter der Klinik Sulingen hätten ihr medizinische Hilfe verweigert.

Am 18. November sei sie mit ihrem Ehemann Thomas Meyer am späten Nachmittag auf dem Ranck-Parkplatz in Sulingen gewesen, um die Apotheke aufzusuchen. Völlig überraschend sei jedoch – in der 28. Woche der Schwangerschaft – ihre Fruchtblase geplatzt. „Ich bin aus dem Auto ausgestiegen und habe nur gemerkt: Es läuft.“ Das habe beide völlig überrumpelt.

Kurz entschlossen seien sie dann direkt zur Klinik Sulingen gefahren. Während sie im Auto blieb, habe ihr Mann an der Pforte um Hilfe gebeten. „Er kam wieder heraus und war stinksauer.“ An der Pforte sei ihm gesagt worden, dass die Klinik ja keine gynäkologische Abteilung mehr habe und dem Paar deswegen nicht geholfen werden könne. Stattdessen sollten beide selbst einen Rettungswagen rufen. In der Notrufzentrale sei die Verwunderung groß gewesen, als sie auf die Frage nach dem Ort des Notfalls geantwortet habe: „Vor dem Haupteingang der Klinik.“ Erst nach dem Telefonat sei eine Schwester aus dem Krankenhaus gekommen und habe sie mit einem Rollstuhl in die Notaufnahme gebracht, wo sie von der Besatzung des Rettungswagens übernommen worden sei.

Mit Blaulicht nach Vechta

„Wir hatten Glück, dass ein Rettungswagen in der Nähe war und deswegen so schnell da sein konnte“, erinnert sich die 26-Jährige. Mit Blaulicht sei sie nach Vechta in die dortige Klinik gebracht worden – auf ihren Wunsch hin, denn dort sei sie auch im Verlauf der Schwangerschaft schon mehrfach in Behandlung gewesen. Dort kamen die Zwillinge schließlich am 19. November per Kaiserschnitt zur Welt.

„Da hat man uns gesagt, dass wir viel Glück gehabt haben“, so die junge Mutter. Schon im Verlauf der Schwangerschaft sei es immer wieder zu Komplikationen gekommen, und zuvor hatte sie bereits vier „Sternenkinder“ zu beklagen. Inzwischen sei sie selbst wieder zuhause, berichtet Jessica Meyer, ihre Kinder müssten noch bis voraussichtlich Februar in der Klinik bleiben. „Es geht jetzt allen relativ gut“, sagt sie, aber „ich war sehr enttäuscht, dass ich in Sulingen nicht mal Erste Hilfe bekommen habe – wenn ich einen Autounfall sehe, fahre ich doch auch nicht nur vorbei und grüße.“

Jessica und Thomas Meyer freuen sich über ihre Zwillinge Dailyn und Jaylen, hier in der Klinik in Vechta.

„Der Schilderung, dass hier Hilfe verweigert wurde, widersprechen wir“, stellt Ralph Ehring, Geschäftsführer des Klinikverbundes Landkreis Diepholz gGmbH, auf Nachfrage unserer Redaktion klar. Eine ausführliche gynäkologische beziehungsweise geburtshilfliche Behandlung könne man am Standort Sulingen nicht anbieten. „Unabhängig vom Fachgebiet erhält aber jede Person eine adäquate Erstversorgung. Gleichzeitig werden die notwendigen Schritte zur weiteren Versorgung, beispielsweise in anderen Kliniken, durch unsere Mitarbeitenden eingeleitet.“

Auch in diesem Fall habe die Pforte umgehend Kontakt zur Notaufnahme aufgenommen und entsprechende Unterstützung angefordert. Diese Unterstützung habe sich ja auch, wie geschildert, um die Patientin gekümmert, und gleichzeitig sei ein Rettungswagen gerufen worden, der die Patientin übernommen und zur weiteren Versorgung geleitet habe. „Somit ist es nicht korrekt, dass einer Schwangeren oder jeder anderen Person an einem unserer Standorte die Behandlung verweigert wird“, betont Ralph Ehring. „Eine Überwachung und, soweit notwendig, eine Erstversorgung findet jederzeit statt. Gleiches gilt für die Einleitung der weiteren Schritte, wie es auch hier stattgefunden hat.“

Klinikverbund weist Kritik zurück

War also alles nur ein Missverständnis? Kommunikativ sei da „sicherlich noch Luft nach oben“, räumt Ralph Ehring ein, und die Anfrage sei auch gleich als Basis für ein Feedback genutzt worden. Zwillinge seien tolle Nachrichten, und man hoffe, dass es der betroffenen Dame nebst Mann und Kindern gut gehe.

Ob Schwangere, die merken, dass bei ihnen die Geburt einsetzt, generell lieber den Notruf wählen sollten als eine Klinik im Landkreis aufzusuchen, sei pauschal schwierig zu beantworten, unterstreicht der Geschäftsführer. „Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bei einem akuten Notfall die 112 eine gute Wahl ist. Niemandem wird in unseren Standorten Hilfe verwehrt, aber wie gesagt: Eine ausführliche geburtshilfliche Behandlung können wir leider nicht anbieten.“

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