Auf dem Wochenmarkt Sulingen

Corona-Blitzumfrage: „Wenn Impfung anklopft, mache ich auf“

Plauschen kurz auf dem Markt: Elfriede Michler (links) und Irma Flegel.
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Plauschen kurz auf dem Markt: Elfriede Michler (links) und Irma Flegel.

Sulingen – Die erste Dosis Impfstoff ist im Landkreis Diepholz nicht nur angekommen, sondern bereits eingesetzt worden. Blitzumfrage auf dem Sulinger Wochenmarkt: Würden Sie sich impfen lassen? Die überwiegende Meinung: positiv. Aber auch Skepsis wird geäußert.

Alle Besucher, alle Verkäufer tragen einen Mund-Nasen-Schutz und es wird Abstand zu Menschen gehalten, die man nicht kennt. Das Publikum ist am Mittwochvormittag gemischt, die ältere Generation überwiegt. Es fängt an zu schneien, ein Wetter, das nach Kaminfeuer und heißer Schokolade schreit. Für Elfriede Michler, 65, und Irma Flegel, 84 Jahre alt, beide aus Sulingen, dürfte es ein Kaffee sein, der ihren Plausch begleitet. Werden sie sich impfen lassen? Michler: „Ja klar, auf jeden Fall.“ Flegel: „Wenn es sein muss. Ich habe ja gerade erst die Grippeimpfung bekommen, war ja kein Impfstoff da.“ Michler: „Das habe ich schon im Oktober gemacht.“ Auf was freuen sie sich, wenn der Alltag sich wieder normalisiert? Michler: „Dass man wieder shoppen gehen kann.“ Flegel: „Dass die Geschäfte auf haben und man wieder feiern kann.“ Elfriede Michler ergänzt: „Dass man einen Kaffee trinken gehen kann. Und essen gehen. Wir gehen gerne essen. Morgen hätten wir eigentlich einen 95. Geburtstag zu feiern.“

Nach Normalität sehnt sich auch eine 67-jährige Sulingerin, unterwegs mit dem Fahrrad. Sie möchte nicht namentlich genannt werden. Sie wäre sofort dabei, würde es losgehen mit dem Impfen in Sulingen, sagt sie. Grundsätzlich wäre sie auch dafür, dass sich alle – so schnell es geht – impfen lassen. Bis dahin wäre sie zunächst aber froh, wenn sich alle an die Vorgaben halten würden, sagt sie. Bei welchen dieser Vorgaben ist es ihr schwergefallen, sie einzuhalten? „Eigentlich nix. Ich wohne allein, habe einen großen Garten und fahre viel mit dem Fahrrad. Und ich mache Fahrradurlaub, halte an, wo es gefällt.“ Dieser Einkehrschwung für Kaffee und Torte fällt derzeit aus, „aber darauf freue ich mich wieder.“

Wilhelm Döpke.

Ebenfalls anonym bleiben möchte ein 74-jähriger Bürger mit Wurzeln in England. Auch er ließe sich impfen, „in jedem Fall“. Wie wünscht er sich die Organisation? „Ich möchte lieber angeschrieben werden.“ Zusammen mit seiner Frau sei er unschlagbar, sagt er, angesprochen auf etwaige Hürden bei der Registrierung.

Auch ein 63-jähriger Verkäufer mit buntem Warenangebot möchte seinen Namen nicht nennen. Weil? „Man weiß ja nicht, was Andersdenkende machen“, äußert er Angst um seine persönliche Sicherheit. 50 : 50 stehe es derzeit in der Frage, ob er sich impfen lassen wird. Was sind seine Bedenken? „Es ist undurchsichtig und unklar, was es mit dem Impfstoff auf sich hat. Ich kann das Ganze nicht beurteilen. Es geht nicht, einfach zu sagen: Impfen lassen und dann sehen wir mal, was passiert.“ Die Wirksamkeit des Corona- soll aber doch höher liegen als die des Grippe-Impfstoffes. „Corona ist ja auch was anderes als Grippe.“ Und was wäre seine Alternative, als Weg aus der Pandemie? „Pffft. Weiß nicht. Abstand halten, Maske tragen. Das ist schon vernünftig. Vorsichtig sein ist das Wichtigste.“ Unter welchen Voraussetzungen könnten Geschäfte und Co. wieder öffnen? „Ich habe da eine andere Meinung als die Regierung. Ich sehe die Geschäfte nicht als Infektionsherde.“

Wilhelm Döpke aus Sulingen stoppt den Rollator: „Na klar lasse ich mich impfen.“ Er hofft, dass man sich bei ihm meldet, um einen Termin zu vereinbaren. Döpke – er zählt demnächst 90 Lenze – freut sich auf einen normalisierten Alltag, denn: „Man kann keinen Kaffee trinken, nirgends.“ Aber was ihn wirklich wütend macht: „Ich verstehe die alle nicht, die in den Harz fahren. Man kann ja einmal verzichten auf den Ausflug. Einmal!“

Louis Dreger.

Mit einem kategorischen Nein beantwortet Brigitte Appfelstedt die Frage nach der Impfung. Warum will sie sich nicht impfen lassen? Die 57-Jährige ist unsicher: „Ich weiß nicht... was die erzählen... Ob in dieser Geschwindigkeit ein geeigneter Impfstoff entwickelt werden konnte? Ob das wirklich gut geht? Ich habe erst einmal im Leben eine Grippe gehabt, das heißt nicht, dass ich kein Corona kriegen kann...“ Was wäre denn ihre Alternative zur Impfung, um aus dieser Pandemie zu kommen? „Aufpassen.“

Louis Dreger hat die Antwort mitverfolgt. Würde er sich impfen lassen? „Ja, klar, sofort.“ Warum? Der 24-Jährige zögert keine Sekunde: „Um uns eine Last von den Schultern zu nehmen, die Verantwortung. Ich habe volles Vertrauen in den Impfstoff.“ Der junge Sulinger ist im zweiten Ausbildungsjahr zum Altenpfleger. „Der letzte Durchgang nach der alten Ausbildungsordnung.“ Hat er schon einen Impftermin? „Nein. Ich komme jetzt in den Schulblock und weiß nicht, ob ich noch zur Prioritätsklasse gehöre. Aber wenn da ein Termin an die Tür klopft, dann mache ich auf.“

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