Ortsverband Sulingen der Arbeiterwohlfahrt feiert 75-jähriges Bestehen

Wenn die Holzken verstauben

Eva Kurth leitet die AWO Sulingen, blättert hier in den Gästebüchern.
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Eva Kurth leitet die AWO Sulingen, blättert hier in den Gästebüchern.

Sulingen – Wenn deine Mitglieder fast alle älter sind, als du: Der Ortsverband Sulingen der Arbeiterwohlfahrt (kurz AWO Sulingen), feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Wie wichtig ist die AWO heute? Wie kann sie sich künftig positionieren? Ein Gespräch mit Eva Kurth, die seit 25 Jahren an der Spitze des Ortsverbandes steht.

Und mit dem ihr üblichen Humor feststellt: „Unsere Mitglieder sind fast alle Ü 80 oder Ü 90. Die Älteste ist 94. Ganze sechs sind unter 60 Jahren. Und das sind fast alle meine Enkel.“ Sagt‘s und lacht herzhaft.

Und trifft damit mitten in das Problem des Ortsverbandes, die Überalterung. Etliche der einstigen Veranstaltungen werden nicht mehr angeboten. Die Holzschuhe der Tanzgruppe verstauben. Eva Kurth erinnert an einen Auftritt in der Langen Straße im Rahmen einer TV-Sendung. Wann war das? „Als wir noch jünger waren, als wir noch alle konnten...“ Gekegelt wird nicht mehr, was auch daran liegen mag, dass kaum noch Gasthäuser geöffnet sind und kaum eines eine solche Bahn hat. Die einstigen Mehrtagesfahrten sind geschrumpft auf Halbtagesausflüge.

Ein Plakat zeigt sportliche Aktivitäten.

Und doch: Das erste Treffen nach der pandemie-bedingten monatelangen Pause sollte ein Spielenachmittag werden, aber zum Spielen kamen die Teilnehmer kaum. Es gab einfach zuviel zu erzählen, aufzuholen.

Stadtrat Carl Prüter gründet den Ortsverband 1946 mit nur einer Handvoll Mitgliedern an seiner Seite. Eva Kurth: „Sulingen war damals überfüllt mit Flüchtlingen und für sie mussten Unterkünfte, Möbel, Heizmaterialien beschafft werden. Die Sulinger zeigten sich damals nicht sehr gastfreundlich.“

Jahrzehnte später, als sie in Pension geht und dadurch wieder neue Zeit zur freien Verfügung hat, sind etliche derjenigen Flüchtlinge, denen Prüter einst half, als Mitglieder im Ortsverband aktiv. Als Eva Kurth Mitte der 1990er Jahre Mitglied wird, hat Margot Chille seit 17 Jahren den Ortsverband geführt, ein Jahr übernimmt diese Aufgabe Christa Schlüterbusch, bevor die Mitglieder 1996 Eva Kurth an die Spitze wählen. 140 Mitglieder treffen sich regelmäßig, besonders, nachdem der Ortsverband eigene Räumlichkeiten im Domizil der Viehauktionshalle findet. Seit 2008 ist die Caféteria im Mittendrin I der Treffpunkt. Eva Kurth sucht und findet Referenten für die Klönnachmittage. „Gerne aus Sulinger Betrieben, die Leute sollen ja ihre Heimat kennenlernen.“

Ein Foto erinnert an die einstige Holzkengruppe.

Der AWO-Bundesverband kümmert sich um große Aufgaben, der Ortsverband eher „um soziale Dinge im Kleinen“, sagt Kurth. Und das ist heute noch das Ziel: Eine Zusammenkunft ermöglichen, „in Gesellschaft den Alltag vergessen.“ Alleinstehende zur Gruppe zusammenbringen: „Alleinstehende, die für sich sowas nicht gemacht hätten, etwa eine einwöchige Reise“, betont Eva Kurth. An ihrer Seite im AWO-Vorstand steht zunächst Christel Theis, dann folgt Gerd Pille. Heute sind es Uwe Overhoff und Ingrid Lühs im Senioren- und Behindertenbeirat sowie Margret Herzog im Vorstand der AWO Sulingen. Eva Kurth versteht sich als Vorsitzende als Teil eines Teams.

1999, im Jahr der Senioren, wird das erste Seniorenfest in Sulingen organisiert, 2001 der Senioren- und Behindertenbeirat gegründet. Die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen in Bezug auf Senioren ist schwierig: Die Klientel anders, die Ausrichtung ebenso. Also „muckelt“ jeder für sich. Und über die Jahre reduziert sich die Zahl der Aktionen. Und die der AWO-Mitglieder. Aktuell seien es 76, erklärt Kurth.

Was aber kann man tun? „Haben wir uns nicht genügend öffentlich präsentiert?“, sinniert Eva Kurth. Wie könnte man die Aufmerksamkeit auf die AWO Sulingen lenken? Durch neue Angebote? Durch andere Angebote? Früher gab es Handarbeitsbasare. Jeden zweiten Dienstag im Monat ist Klönnachmittag, der nächste am 13. Juli. Beginn ist um 15 Uhr in der Caféteria im Mittendrin I. Nach Kaffee und Kuchen wird gespielt, was die Teilnehmer wünschen.

Zeitungssausschnitt von 1996: Die Wahl von Eva Kurth.

Was ist mit Bewegungsangeboten? „Im Moment weniger“, sagt Eva Kurth. 16 Mitglieder zählte „ihre“ Tanzgruppe einst.

Für Ende August ist das Dorfgemeinschaftshaus in Nechtelsen bereits gebucht, für den jährlichen Grillabend, dessen Buffet bestückt wird durch das, was jeder mitbringt. Und am 19. September will die AWO Sulingen das 75-jährige Bestehen feiern, bei Dahlskamp, ab 11 Uhr mit einem Brunch. „Ich hoffe, dass wir das machen können.“ Etwaige Corona-Auflagen sind da nicht das einzige Problem: „Uns fehlen zunehmend Gasthäuser mit Saal.“

Bis dahin bleibt Zeit, sich im Vorstandsteam Ideen zu überlegen, wie die AWO Sulingen neue Mitglieder für sich begeistern kann. Egal, welchen Alters.

Von Sylvia Wendt

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