Wenn der Autor Angst hat

Thrillerspezialist Sebastian Fitzek liest im Stadttheater Sulingen

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Sebastian Fitzek zu Gast im Stadttheater Sulingen.

Sulingen - Von Markus Thielemann. „Nur wer sich in die Ängste seiner Charaktere hineinfühlen kann, kann auch mitreißend über sie schreiben.“ Ein Psychopath könne er also schon einmal nicht sein, denn die können ja genau das eben nicht, antwortet Erfolgsautor Fitzek mit einem Zwinkern auf die oft gestellte Frage, ob er aufgrund einer eigenen Psychose auf die Ideen zu seinen Thrillern komme. „Man muss Angst haben können“, erklärt Fitzek bei der Lesung am Dienstagabend im ausverkauften Stadttheater Sulingen.

Die Veranstaltung wurde von der Kreissparkasse Diepholz (KSK) in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Sulingen und Radio Bremen organisiert. Sie ist Teil der Reihe „Literatur vor Ort“. KSK-Vorstandsmitglied Claus Nordsieck führte in den Abend ein, berichtete, dass der Andrang auf die Tickets so groß gewesen wäre, dass der Saal hätte zwei Mal ausverkauft werden können, und stellte Moderatorin Anja Goertz von Radio Bremen vor.

Dann kommt Sebastian Fitzek unter großem Applaus auf die Bühne. Den Abend über beantwortet er abwechselnd Fragen von Goertz und liest Passagen aus seinem neusten Roman „Flugangst 7A“ vor. Die drei Abschnitte, die Fitzek dafür ausgewählt hat, sind verständlicherweise alle am Anfang der Geschichte angesiedelt.

„Gruseliger" Job

Es werden die Prämissen der Handlung ausgebreitet: Psychiater Max Krüger, der eigentlich unter starker Flugangst leidet, wird durch besondere Umstände zu einem Nachtflug gezwungen. Im Flugzeug bekommt er einen Anruf von einem Unbekannten, der ihn erpressen will. Krüger soll einen anderen Flugzeugpassagier, einen ehemaligen Patienten, dazu bringen, die Maschine abstürzen zu lassen.

Die Fragen von Anja Goertz beziehen sich sowohl auf den Roman, als auch auf Alltag des Autors und die möglichen Zusammenhänge zwischen beiden. So erzählt Fitzek von seiner Familie, zum Beispiel wie seine Kinder mit dem „gruseligen“ Job ihres Vaters umgehen. Er erzählt, wie er die Geburten seiner Kinder erlebt, und wie er das in Teilen in „Flugangst 7A“ verwendet hat.

Der Angstmacher witzelt

Fitzek fühlt sich merklich wohl auf der Bühne. Er witzelt pointiert, das Publikum hängt an seinen Lippen. Auf die generelle Frage, wie gefährlich er seine eigenen Stoffe als „Anleitungen“ für tatsächliche Straftäter ansehe, antwortet er, dass er es für unwahrscheinlich halte, dass jemand aufgrund seiner Romane auf die Idee komme, ein Flugzeug zu entführen.

Viel größer sei seine Sorge beim Thema Suizid. „Da achte ich sehr drauf. Alle Wege, einen Suizid zu begehen, die in meinen Büchern vorkommen, funktionieren tatsächlich nicht“, betont der Autor.

Wer hat das Zeug zum Mörder?

Fitzek wirkt immer bodenständig, bleibt auf Augenhöhe mit seinem Sulinger Publikum. Der Frage, wie er mit der scharfen Kritik an seinen Romanen umgehe, bezieht er sofort auf jeden Menschen, der mit Kritik umgehen muss, nicht nur auf sich persönlich: „Man sollte sich nur konstruktive Kritik zu Herzen nehmen. Auch die tut natürlich weh, aber wenn man merkt, der Kritiker will, dass man besser wird, ist sie wichtig und gut.“ Den Rest könne man ignorieren.

Zum Abschluss des Abends testet Fitzek das Publikum, will anhand einer Testgeschichte wissen, ob jemand das Zeug zum soziopathischen Mörder hätte. Nur drei Personen aus dem gesamten Publikum geben die gesuchte Antwort. „Ihr könnt euch glücklich schätzen. In Leipzig waren es fast die Hälfte“, ruft der Autor und alle lachen.

Im Foyer des Theaters signiert der Autor nach der Lesung seine Werke. Eine lange Schlange von vornehmlich weiblichen Fans bildet sich, um ein Foto mit dem Schriftsteller zu machen. Fast jeder hat ein Exemplar des neuen Romans in der Hand. Ein für alle Beteiligen gelungener Abend.

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