Weniger Flop, mehr Service

Online-Wache der Polizei ist in Sulingen noch nicht angekommen 

Der 59-jährige Kriminalhauptkommissar Heinrich Schwenker ist Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes im Polizeikommissariat Sulingen. - Foto: Schlotmann

Sulingen - Im Februar 2007 hatte Niedersachsens damaliger Innenminister Uwe Schünemann die Online-Wache der Polizei in Niedersachsen freigeschaltet. Heute, fast zehn Jahre später, ist die Serviceleistung der Ordnungshüter, die mit Indienststellung als „entscheidende Verbesserung“ gefeiert wurde, in der Region Sulingen noch nicht wirklich angekommen. Kriminalhauptkommissar Heinrich Schwenker, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes im Polizeikommissariat Sulingen: „Von den etwa 100 Strafanzeigen, die wir durchschnittlich im Monat zu bearbeiten haben, werden gerade einmal zwei über die Online-Wache eingereicht; wenn überhaupt.“

Freitag, 14. Oktober, 12.18 Uhr: Über das Online-Portal www.onlinewache.polizei.niedersachsen.de geht die Meldung einer Straftat bei den Beamten des Landeskrim inalamtes in Hannover (LKA) ein. Die Meldung kommt aus Sulingen. Absender ist Bürgermeister Dirk Rauschkolb. Er meldet die Beschädigung der von den ehrenamtlichen Helfern der „Bürgerwerkstatt“ im nördlichen Suletal installierten Möblierung; online. Um 12.18 Uhr geben die LKA-Mitarbeiter die Meldung an die Beamten der Polizeiinspektion Diepholz weiter. Der Kommissar vom Lagedienst informiert telefonisch die Kollegen des Polizeikommissariates in Sulingen. Mitarbeiter des Einsatz- und Streifendienstens machen sich vor Ort ein Bild; auch um etwaige Spuren zu sichern.

Die Mitarbeiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes werden erst am folgenden Montag des Vorfalles gewahr. Dann ist der Vorgang per Hauspost in Sulingen eingetroffen.

„Sicherlich ein prominenter Fall“, räumt Heinrich Schwenker ein. „Hätte der Bürgermeister die Anzeige bei uns persönlich aufgegeben, wäre der Ablauf nicht viel anders gewesen. Insofern: Alles richtig gemacht.“

Ziel bei Einführung der Online-Wache durch das Innenministerium vor fast zehn Jahren war, den Bürgerinnen und Bürgern beziehungsweise den Opfern von Straftaten den ersten Schritt zur Polizei zu erleichtern, gegebenenfalls vorhandene Berührungsängste oder Hemmschwellen abzuschwächen. Damals wie heute gilt: Meldungen über die Online-Wache können in Not- und Gefahrensituationen nicht den Notruf unter „110“ ersetzen.

Heinrich Schwenker selbst ist zwar weniger auf Social-Media-Kanälen unterwegs, gibt sich aber grundsätzlich den so genannten Neuen Medien gegenüber offen. Der Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes mit Blick auf die Online-Wache: „Wir gehen eben mit der Zeit. Das ist ein Baustein der Bürgernähe; insbesondere geeignet bei kleineren Delikten und für Leute, die kaum Zeit finden, persönlich mit uns in Kontakt zu treten.“ Allerdings bliebe auch bei Online-Meldungen von möglichen Straftaten der Kontakt zwischen Meldenden und Ordnungshütern nicht aus: „Dann gehen wir auf die Absender zu“, so Schwenker.

Die Online-Wache bietet dem Bürger durch die Bereitstellung von spezifischen Formularen die Möglichkeit, der Polizei gezielt Informationen unter anderem zu strafbaren Sachverhalten zu übermitteln. Das Serviceangebot umfasst neben der Erstattung von Anzeigen die Meldung von strafrechtlich relevanten Inhalten im Internet, die Abgabe von Hinweisen, die Äußerung von Dank und Kritik und eben die reine Kontaktaufnahme.

Heinrich Schwenker: „Das persönliche Gespräch ist und bleibt aber für uns durch nichts zu ersetzen.“ - oti

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