Von wegen „Elektro-Schrott“

Arbeitsgruppe installiert im „Taff“ das „Repair Café“

Rita Mohrmann und Markus Liebs, Sprecherin und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Wohlfühlstadt im Bürgerbeteiligungsprozess „Wir sind Sulingen 2.029“.

Sulingen - Was macht man mit einem Toaster, der nicht mehr funktioniert, einem elektrischen Spielzeug, bei dem ein Kontakt abgebrochen ist – oder mit einem Staubsauger mit Kabelbruch? Wegwerfen?

„Denkste“, sagen Rita Mohrmann und Markus Liebs, Sprecherin und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Wohlfühlstadt im Bürgerbeteiligungsprozess „Wir sind Sulingen 2.029“. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Sozialpsychiatrischen Tageszentrums „Taff“ von Bethel im Norden initiieren sie für Donnerstag, 12. Oktober, erstmals ein „Repair Café“ im Mittelzentrum.

Im „Taff“ (Nienburger Straße 9c) dreht sich am 12. Oktober alles um das Reparieren von tragbaren Elektrogeräten. „Zwischen 15 und 18 Uhr stehen verschiedene ehrenamtliche Talente zur Verfügung, um kostenlos bei allen möglichen Reparaturen zu helfen“, erklärt Markus Liebs. „Zudem sorgen wir für Werkzeug und ein begrenztes Sortiment an Ersatzteilen.“ Toaster, Lampen, Haartrockner, elektrisches Spielzeug – alles, was nicht mehr funktioniert, kaputt oder beschädigt ist, könne mitgebracht werden. „Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Reparatur gelingt. Die Fachleute im ‚Repair Café‘ wissen fast immer eine Lösung.“

„In Deutschland werfen wir unfassbar viel weg“

Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Wohlfühlstadt und des „Taff“ wollen durch ihr Engagement zur Reduzierung des Bergs an Elektroschrott beitragen. „Das ist notwendig“, sagt Rita Mohrmann. „In Deutschland werfen wir unfassbar viel weg. Auch Gegenstände, denen fast nichts fehlt und die nach einer einfachen Reparatur wieder ordentlich zu gebrauchen wären. Leider sind Reparaturen für viele Menschen zu schwierig oder unwirtschaftlich. Mit dem ‚Repair Café‘ wollen wir das ändern.“

Des Weiteren wollen die Initiatoren Nachbarn und ihre Fähigkeiten zusammenbringen: „Sie sollen entdecken, wie viel Wissen und praktische Fähigkeiten eigentlich vorhanden sind“, so Mohrmann. „Wenn man gemeinsam mit einem bis dahin unbekannten Nachbarn ein Fahrrad, einen CD-Spieler oder einen Toaster repariert hat, sieht man diese Person mit anderen Augen, wenn man ihr das nächste Mal auf der Straße begegnet. Das kann zu neuen Kontakten führen.“

Laut Markus Liebs spare man durch die Reparatur von Elektroartikeln nicht nur Geld und kostbare Ressourcen, sondern trage auch zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes bei. „Vor allem wollen wir zeigen, dass Reparieren Spaß macht und oft ganz einfach ist.“

Die Mitarbeiter des „Taff“ stellen am Donnerstag ihre Räumlichkeiten zur Verfügung und bieten auch Kuchen und Kaffee zum Selbstkostenpreis an. Karsten Wenisch, Mitarbeiter von Bethel im Norden: „Wir finden die Idee einfach klasse und unterstützen die AG Wohlfühlstadt gerne.“

Das Konzept der „Repair Cafés“ stammt aus Amsterdam. Die Journalistin und Publizistin Martine Postma rief 2010 die Stiftung „Stichting Repair Café“ ins Leben, die auch das Projekt in Sulingen unterstützt. Das Treffen am Donnerstag soll laut Rita Mohrmann und Markus Liebs im Übrigen keine Eintagsfliege bleiben: Arbeitsgemeinschaft Wohlfühlstadt und Mitarbeiter des „Taff“ wollen in Zukunft regelmäßig zu den Treffen in den Räumen an der Nienburger Straße einladen.

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