Wasserschutz-Kooperation bietet freiwillige Vereinbarungen an

Zielwert soll es richten

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Probennahme zur Bestimmung des Bodenstickstoffs: Dirk Ehlers, Klaus Puschmann, Lohnunternehmer Peter Imholze, Landwirt Bernd Husmann und Dr. Frank Schmädeke (v.l.).

Sulingen - Grundwasserschutz und Landwirtschaft konfliktfrei unter einen Hut zu bringen, erfordert sowohl bei den Wasserversorgern wie bei den Landwirten Kompromissbereitschaft und Fingerspitzengefühl. „Aus Sicht des Zweckverbandes Wasserversorgung Sulinger Land sei eine Weiterentwicklung des Grundwasserschutzes auf Grundlage von Erfahrungen und Qualitätsmerkmalen unerlässlich“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes anlässlich des heutigen „Tags des Wassers“.

Seit 2015 bietet die Wasserschutz-Kooperation Sulinger land eine neue freiwillige Vereinbarung zum Grundwasserschutz an. Die kann nach Einschätzung von Fachleuten zukunftsweisend sein.

Bislang bekamen Landwirte, die auf freiwilliger Basis über vertraglich geregelte Bewirtschaftungsauflagen versuchen, den Nitrateintrag ins Grundwasser zu minimieren, eine Ausgleichszahlung. Dafür muss jede Maßnahme, die dem Grundwasserschutz dient, einzeln betrachtet werden. Dies sei mit hohem Zeit- und Verwaltungswand verbunden, der tatsächliche Nutzen jeder einzelnen Maßnahme müsse in Abhängigkeit von diversen Faktoren betrachtet werden.

In den Wassergewinnungsgebieten des Verbandes gilt seit Beginn des letzten Jahres ein anderer Grundsatz: Von der Kooperation aus Landwirtschaft und Wasserwirtschaft wurde 2015 ein Zielwert für den im Herbst im Boden zurückbleibenden Stickstoff (Herbst-Nmin) festgelegt. Bleibt der Landwirt mit seinem Betrieb unter diesem Wert, kann er Gelder in Anspruch nehmen. Dr. Frank Schmädeke von der Landwirtschaftskammer in Nienburg: „Es wurden 50 Prozent aller Ackerflächen eines Landwirts und jede von ihm angebaute Frucht mit Blick auf den Stickstoffgehalt untersucht. Daraus lässt sich ein betriebsspezifischer Herbst-Nmin-Wert berechnen, der die messbaren Wasserschutzleistungen des Betriebes widerspiegelt. Liegt dieser Mittelwert unter dem Zielwert, gibt es Ausgleichszahlungen. Wenn nicht, dann nicht.“ Mit anderen Worten: Wie der Landwirt das Wasser schützt, ist zweitrangig – es zählt allein das Ergebnis.

„Die im Herbst erfassten betriebsindividuellen Reststickstoffgehalte im Boden sind für uns als Berater ein super Anhaltspunkt, um die Betriebe hinsichtlich eines nachhaltigen Wasserschutzes weiter zu optimieren“, sagt Wasserschutzberater Dirk Ehlers. „Jeder Betriebsleiter hat ein großes Interesse daran, im direkten Vergleich der Betriebe zu den besseren zu gehören – der Grundwasserschutz bekommt damit ganz automatisch eine sportlich positive Dynamik – so soll das sein. Dieser Anreiz fehlte bei den alten ‚maßnahmenbezogenen‘ Wasserschutzvereinbarungen völlig.“

„Dieser Ansatz ist nicht nur praktikabel, sondern auch effizient und transparent“, urteilt Klaus Puschmann vom Zweckverband Wasserversorgung Sulinger Land. Für ihn besteche der neue Grundsatz durch seine Klarheit: „Nicht mehr Stickstoff im Boden als nötig, bedeutet, so wenig Nitrat im Wasser wie möglich. Das ist ganz in unserem Sinne.“ Dass die Initiative zu dem Verfahren aus den Reihen der Landwirte kommt und dass die Akzeptanz zur Teilnahme bereits im ersten Jahr schon so groß war, zeigt nach Ansicht von Dr. Schmädeke, „dass die Landwirte es ernst meinen mit dem Grundwasserschutz.“

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