Galeriebau ab Januar

Warten auf die Eichenstämme für die Windmühle Labbus

Eine Frau zeigt eine Bauzeichnung.
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Erster Müller Aileen Hansing zeigt eine der Zeichnungen, nach denen die Galerie gefertigt werden soll.

Sulingen – Die Windmühle Labbus in der Sulinger Ortschaft Lindern gilt, rein technisch, als Galerieholländer – auch wenn davon seit fast 15 Jahren wenig zu sehen ist. Daran, dass sich das in absehbarer Zeit ändert, arbeitet der Mühlenverein Labbus bereits seit Längerem – nun ist ein Zeitpunkt in Sicht, ab dem wieder Galerie und Flügel die Mühle zieren.

2006 musste die Galerie entfernt werden, weil sie baufällig geworden war, seit Ende 2012 fehlen auch die Flügel. Die Restaurierung des Bauwerks mit dem Ziel, wieder eine funktionsfähige Mühle zu haben, unterteilte der Verein in mehrere Phasen, von denen die erste mit der Restaurierung der Mühlenkappe im vergangenen Jahr abgeschlossen werden konnte. Seitdem steht Phase II in den Vordergrund, bei der es um die Wiederherstellung einer Galerie und die Restaurierung der Flügel geht. Die Kosten von mehr als 120 000 Euro kann der Verein dank verschiedener Unterstützer tragen: Mitte des Jahres war bekannt geworden, dass die Bingo-Umweltstiftung Niedersachsen das Projekt mit 20 000 Euro unterstützt (wir berichteten). Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz trug 48 891,15 Euro bei, von der Stadt Sulingen erhielt der Verein 30 000 Euro und über das Landesamt für Denkmalspflege flossen EU-Fördermittel aus der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur integrierten ländlichen Entwicklung (ZILE) in Höhe von 14 673,69 Euro. Den restlichen Betrag deckte der Verein aus eigenen Mitteln.

Inzwischen liegt ein konkreter Zeitplan für die Arbeiten vor. Die Galerie fertigt die Zimmerei Thiermann in Mellinghausen: „Wir rechnen damit, dass Mitte Januar das Holz da ist“, sagt Aileen Hansing, die als „Erster Müller“ des Vereins fungiert, „dann kann Heiner Thiermann gleich mit der Arbeit beginnen.“

Eine der Zeichnungen des Mühlensachverständigen.

Zunächst würden die Einzelteile der Galerie komplett aus Eichenholz in der Werkstatt gebaut, was auch für die Zimmerei ein besonderer Auftrag sei. Alle Teile entstünden nach den Plänen des Mühlensachverständigen Rüdiger Hagen, der die Arbeiten auch begleiten werde. „Er unterstützt uns seit 2014 und ist der Mühlenfachmann in Norddeutschland; mittlerweile ist eine enge Freundschaft entstanden.“ Seine Pläne seien alle von Hand gezeichnet und koloriert: „Jede Zeichnung ist ein Unikat.“

Eine Besonderheit beim Bau der Galerie seien die Anforderungen an den sogenannten konstruktiven Holzschutz, denn es gebe viel ungeschützte waagerechte Holzfläche. Daher müsse so gebaut werden, dass möglichst wenig Wasser stehen bleiben oder sich in Spalten sammeln kann. Beispielsweise werde die Galerie deswegen ein Gefälle von ein bis zwei Prozent haben. Das Ziel sei, im Februar die Galerie an der Mühle montieren zu können.

Im Januar beginnt auch die Restaurierung der Flügel

Bevor der Auftrag erteilt werden konnte, habe der Verein die Statik der Galerie prüfen lassen sowie Konzepte für Brandschutz und Fluchtwege einreichen müssen, berichtet Aileen Hansing. „Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Diepholz ist aber nach wie vor sehr angenehm.“

Ebenfalls Mitte bis Ende Januar werde auch das Mühlenbau-Unternehmen Pätzmann aus Winsen an der Luhe, das schon die Kappe restaurierte, die Flügel abholen, um sie in der neuen Halle des Betriebes zu überholen. Diese Flügel sind eine Besonderheit, denn mit ihren Jalousien kann die Drehgeschwindigkeit so gesteuert werden, dass gleichmäßigeres Mahlen möglich ist. Schon 1913 sei ein Flügelpaar der Mühle mit Jalousieklappen ausgestattet worden, nachdem zuvor alle Flügel mit Segeltuch bespannt waren. Die vorhandenen Flügel seien 1973 an der Mühle angebracht worden, damals noch als herkömmliche Segelflügel, weiß Aileen Hansing, nachdem die alten Flügel im November 1972 bei einem Sturm beschädigt wurden. Die Jalousien seien erst 1985 – zwei Jahre vor dem Ende des kommerziellen Betriebs – montiert worden. Diese Flügel stammten, wie auch andere Teile der Mühlentechnik, aus stillgelegten und inzwischen oft abgerissenen Mühlen der Region. So sei das Flügelpaar, das dichter am Mühlengebäude angebracht ist, die sogenannte Hausrute, vorher Teil der Mühle im Diepholzer Ortsteil Aschen gewesen. Das äußere Flügelpaar, die Feldrute, stamme von einer Mühle aus Hasbergen bei Heemsen im Landkreis Nienburg.

Flügel montieren, wenn die Galerie fertig ist

Im Zuge des Restaurierens sollen die Metallteile der Flügelkonstruktion erhalten bleiben. Nur die hölzernen Teile müssen erneuert werden. Sobald die Galerie angebracht sei, könnten die Flügel hier wieder zusammengesetzt und installiert werden: „Die Galerie ist notwendig, um sie steuern zu können.“

Auf den Abschluss dieser Arbeiten freut sich Aileen Hansing besonders: „Wir haben die Mühle noch nie mit drehenden Flügeln gesehen, das wird ein historischer Moment.“ Es gebe einen Film aus dem Jahr 1960, der zeige, wie sich die Flügel drehen. Das sei auch bis 1991 gelegentlich zu sehen gewesen, „aber nur, wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung kam, weil die Kappe damals schon fest war.“

Mühlentechnik ist fast betriebsbereit

Parallel zu den Phasen I und II befassten sich sachkundige Mitglieder des Mühlenvereins mit Phase III, wobei es um Arbeiten an der Mühlentechnik ging. Damit sei der Verein fast fertig, sodass wieder mit Windantrieb gemahlen werden könne, wenn Galerie und Flügel fertiggestellt sind. Neu hinzugekommen ist Phase IV, die sich aus drei Maßnahmen zusammensetzt: Für das Mühlengebäude muss eine Blitzschutzanlage erstellt werden, die alten Eternitplatten am Achtkant sollen durch moderne Platten gleicher Form und Farbe ersetzt werden und das Mauerwerk im Inneren der Mühle ist aufzuarbeiten und mit einem Putz aus Löschkalk zu versehen – wobei es sich aber vor allem um „Schönheitsreparaturen“ handelt. „Wir arbeiten an der Finanzierung und rechnen mit knapp 60 000 Euro an Kosten“, sagt Aileen Hansing. Die Vereinsmitglieder würden hoffen, dass alles noch 2022 erledigt werden kann – „wenigstens teilweise, weil es drei unabhängige Gewerke sind.“

Vollständig abgeschlossen werden die Arbeiten an der Mühle aber auch dann nicht sein, ist sich der Erste Müller sicher: „Es wird immer Baustellen geben, denn Mühlen sind Maschinen, die ständig gewartet und repariert werden müssen.“ Die Trauungen in dem historischen Gebäude seien auch weiterhin möglich, aber im Vordergrund stehe, die Windmühle zu erhalten –  als ein Industriedenkmal in Betrieb.

Wir haben die Mühle noch nie mit drehenden Flügeln gesehen, das wird ein historischer Moment.

Aileen Hansing

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