Verschiedene Wahlmöglichkeiten

Lebenshilfe Grafschaft Diepholz und „casa“ legen Grundstein für inklusive Wohnanlage

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Grundsteinlegung: Lars Renner (Gerdes und Landwehr Bau), Annette Lüneburg (Lebenshilfe), Ilona Schiffgens (Wohnbeirat Lebenshilfe), Andreas Körner („casa“), Erika Stubbemann und Wolfgang Müller (beide Wohnbeirat, v.l.).

Sulingen – Was Geschäftsführerin Annette Lüneburg im Februar als „große Neuigkeit“ verkündete, nimmt Form an. Die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz GmbH entwickelt gemeinsam mit der „casa Baubetreuungsgesellschaft“ am Schwafördener Weg in Sulingen eine inklusive Wohnanlage.

Für Mittwoch hatten Lebenshilfe und Vermieterin „casa“ zur symbolischen Grundsteinlegung gebeten. Laut Geschäftsführerin Lüneburg sei das Interesse an dem Wohnraum, in dem ab Mai 2020 Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen Tür an Tür leben, überwältigend.

„Wir haben heute schon mehr Anfragen als am Ende Wohneinheiten zur Verfügung stehen werden“, erklärte Lüneburg im Beisein, unter anderem, des Landtagsabgeordneten Marcel Schardelmann und Birgit Dullin als Vertreterin der Stadt Sulingen. Piet Hirtler, Vorsitzender des Vereins Lebenshilfe Grafschaft Diepholz: „Zu überlegen ist jetzt, ob wir das Modell in dieser Form nicht auch nach Diepholz tragen.“

Konkret geplant sind am Schwafördener Weg in der Summe 30 Wohneinheiten, von denen zehn als Einzelwohnungen für Menschen mit Beeinträchtigungen konzipiert sind. Weitere zehn Einheiten teilen sich auf zwei Wohngruppen mit jeweils fünf Appartements auf. „Und noch mal zehn Wohnungen für Einzelpersonen, Paare oder auch Familien ohne Behinderungen“, erklärte Lüneburg vor der Grundsteinlegung am Mittwoch. 

„Insgesamt sprechen wir von einer Wohn- und Nutzfläche von etwa 2 000 Quadratmetern; verteilt auf zwei Häuser.“ Dass Wohn- und Begegnungsräume barrierefrei erreichbar sind, sei für alle am Bau Beteiligten eine Selbstverständlichkeit. Die Geschäftsführerin zu den Begegnungsmöglichkeiten: „Es geht nicht nur darum, Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen unter einem Dach zusammenzubringen: Es soll auch Programm geben. Die Menschen, die dort einziehen, werden etwas mitbringen.“

Spezielle Lobesworte brachte die Lebenshilfe-Geschäftsführerin in Richtung der „casa Baubetreuungsgesellschaft“ auf den Weg; insbesondere in Richtung von Geschäftsführer Andreas Körner und Planerin Sandra Meyer, die „einen großen persönlichen Einsatz“ für das Projekt gezeigt hätten. „Auch auf doofe Nachfragen gab es jederzeit souveräne Antworten“, sagte Lüneburg. „Die Zusammenarbeit macht Spaß.“

Andreas Körner hatte im November vergangenen Jahres die Absicht der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz wahrgenommen, in Sulingen ein inklusives Wohnprojekt umzusetzen. „Dass wir heute schon so weit sind, ist wahrlich nicht selbstverständlich“, erklärte die Lebenshilfe-Geschäftsführerin.

Mit eingeflossen in die Planungen sind die Ergebnisse einer Befragung der Bewohner anderer Wohn-Einrichtungen der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz.

Begleitet hatte die Umfrage unter anderem Ilona Schiffgens vom Wohnbeirat: „Wir haben gefragt, wie die Leute wohnen wollen, wie sie leben wollen“, erklärte Schiffgens. Annette Lüneburg: „,Ich weiß, was gut für Dich ist‘ , war früher. Der Mensch mit Beeinträchtigung ist selbst Experte für sein Leben. Das Angebot von Wunsch- und Wahlmöglichkeiten ist uns Herzensangelegenheit.“

Kommentar zum Thema: Vielfalt macht die Stadt erst lebenswert

Vor drei Jahren feierte der Verein der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz 50-jähriges Bestehen. Gegründet als Elternverein, mit dem Selbstverständnis einer Selbsthilfeorganisation, gelten Verein und GmbH in der Region längst als Triebfedern echter Inklusion. 

Nach der Entwicklung der ersten – und inklusiven –Sulinger Kinderkrippe Goseküken und der Öffnung der heilpädagogischen Kindertagesstätten installieren Verein und Gesellschaft mit der inklusiven Wohnanlage jetzt ein weiteres Projekt, das Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenführt. 

Lebenshilfe-Geschäftsführerin Annette Lüneburg streute während der Grundsteinlegung am Mittwochnachmittag am Schwafördener Weg Dankesworte; an nahe und entfernte Begleiter des Projektes. Sie alle, der eine mehr oder weniger, leisten jeweils ihren Anteil dazu, sich einen kleinen Schritt dem großen Ziel der selbstbestimmten, gleichberechtigten und gleichwertigen Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderungen an der Gesellschaft zu nähern. 

Inklusion ist kein Projekt. Inklusion ist eine Einstellung. Mitarbeiter und ehrenamtlich Engagierte von Verein und Lebenshilfe-Gesellschaft erinnern uns immer wieder daran. Sie leben Inklusion vor. Inklusion ermöglicht Vielfalt im gesellschaftlichen Leben. Und: Vielfalt macht eine Stadt erst lebenswert.

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