Erdarbeiten für die Wiedervernässung

Mächtige Wälle entstehen im Sulinger Moor

Eine Frau und ein Mann stehen vor einem Erdwall im Moor.
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Vor einem der neuen Torfwälle stehen Carolin Dannemann und Erich Schlamann.

Sulingen – Mittlerweile sind von den Wegen im Sulinger Moor die Bagger nur noch zu hören, weil sie bereits so weit ins Innere vorgedrungen sind. Das Ergebnis ihres Wirkens ist aber weithin sichtbar: Torfbraune Wälle ziehen sich über die Flächen.

Die Arbeiten begannen Mitte August und sind Teil der Wiedervernässung des Sulinger Moores. Mit den Dämmen werden Überflutungsflächen, sogenannte Polder, abgegrenzt. In der Mitte des Gebietes entstehen die höchsten Dämme mit einer Kronenbreite von vier Metern, und nach außen hin werden sie abgestuft immer niedriger. Insgesamt etwa 65 Hektar umfasst die für die Wiedervernässung vorgesehene Fläche, auf der zudem auch Senken verfüllt werden. Auf gut 30 Hektar davon waren im Winter zuvor Gehölze entfernt worden.

Die Wälle werden aus Torf aufgeschüttet: Das habe den Vorteil, dass sich das Material verdichte, wenn es feucht werde. Bei der Verwendung von Mutterboden wären zusätzliche Nährstoffe in das Biotop eingebracht worden, erläutert Bernhard Köstermenke vom Nabu Sulingen. Anders, als anfangs von Skeptikern befürchtet, werde kein Wasser in das Moor geleitet, sondern es gehe darum, die Niederschläge auf der Fläche zu halten. „Wenn es über den Winter feucht bleibt, werden wir im Frühjahr die ersten Vernässungsstellen sehen, aber es wird noch ein paar Jahre dauern, bis sich wieder Torfmoose ansiedeln – wir haben ständig Verlust durch Versickerung und Verdunstung.“

Wiedervernässung als Teil der Flurbereinigung Sulinger Moor

Das Wasser sei ungeheuer wichtig, damit sich der Torf nicht weiter zersetze und Kohlendioxid freigebe, ergänzt Konrad Wolf, 2. Vorsitzender des Nabu Sulingen. Die Zersetzung beginne bereits, wenn der Grundwasserspiegel um zehn Zentimeter sinke: Ein gesundes Moor wachse pro Jahr etwa um einen Millimeter und binde dabei 1,833 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar. Sinke der Grundwasserspiegel jedoch unter die Zehn-Zentimeter-Marke, schrumpfe das Moor jährlich um mindestens einen Zentimeter, was einer Freigabe von wenigstens 18,333 Tonnen Kohlendioxid entspreche. Hinzu komme, dass jeder Tropfen Wasser, der im Moor gehalten werde, nicht abfließe und somit die umliegenden Bereiche trockener würden – „die Angst vor Überflutung ist also unbegründet.“

Die Wiedervernässung geschieht im Rahmen der Flurbereinigung Sulinger Moor. Das gesamte Verfahrensgebiet umfasst mehr als 900 Hektar der Ortschaft Lindern mit den Ortsteilen Coldewey und Brünhausen. Das Sulinger Moor selbst erstreckt sich über etwa 450 Hektar. Im Sulinger Moor gab es nie gewerblichen Torfabbau, sondern viele kleine Flächen mit privaten Torfstichen – weswegen die Teilnehmergemeinschaft unter Vorsitz von Erich Schlamann rund 260 Eigentümer umfasst. Im Jahr 1959 habe es auf der Fläche bis in den Winter hinein gebrannt, und danach sei kaum noch Torf gestochen worden – dafür hätten sich Birken und andere Pflanzen angesiedelt, die weiter zur Trockenheit des Moores beitrügen.

Hohe Akzeptanz für die Wiedervernässung

Das Vorhaben der Wiedervernässung sei von Anfang an positiv aufgenommen worden, berichtet Schlamann. Alle Bedenken zu Beginn seien nach Beantwortung aller Fragen zerstreut worden. „Das ist eine tolle Landschaft, die wir hier haben.“ Sie sei ideal für den Radtourismus, und dafür würden die Wege rund um das Moor viel genutzt: „Optimal wäre es, wenn es hier irgendwann auch geführte Touren gäbe.“

Die Infotafeln am Moor seien zusammen mit dem Ortsrat aufgestellt worden, wobei die Ratsmitglieder tatkräftig mitgeholfen hätten, lobt Wolf, „das werte ich als Zeichen der Akzeptanz, und wir haben nie wirklich Konflikte gehabt.“

Vor der Heidefläche im Sulinger Moor (von links): Bernhard Köstermenke und Konrad Wolf vom Nabu Sulingen, Carolin Dannemann (ArL) und Erich Schlamann, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft.

Dass die Maßnahme so gut angenommen werde, liege aber auch an der Unterstützung durch die Stadt Sulingen, ergänzt er. Der Stadtrat habe vor Jahren einstimmig beschlossen, den Eigenanteil der Teilnehmer an den Wegebaumaßnahmen zu tragen. Nahezu zehn Kilometer Wegebau ist für das Verfahren eingeplant mit einem Volumen von rund einer Million Euro. Davon werden 75 Prozent bezuschusst, weswegen der Eigenanteil knapp 300 000 Euro ausmacht.

Nur Positives kann auch Carolin Dannemann als Sachbearbeiterin im Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (ArL) berichten. „Wir merken das Interesse der Bevölkerung am Verlauf der Arbeiten, und auch aus den Gesprächen mit den Eigentümern kann ich nur bestätigen, dass es keinen großen Gegenwind gibt.“ Es herrsche unter ihnen eine große Bereitschaft, die Flächen für das Moor zu verlegen. Der Tausch laufe noch, und bis Ende des Jahres solle die Wertermittlung abgeschlossen sein. Die Arbeiten zur Wiedervernässung erfolgten nur auf Flächen, die bereits durch Ankauf gesichert seien oder für die von den Eigentümern im Vorgriff auf einen Flächentausch schon eine Bauerlaubnis erteilt worden sei.

Wegebaumaßnahmen noch im September

Für den Wegebau werde es zwei Programme geben, führt sie aus. Das erste beginne noch im September in Coldewey und Brünhausen mit einem Volumen von 556 000 Euro mit zeitweiligen Straßensperrungen. Für das zweite Programm im kommenden Jahr sei geplant, die Wege im Sulinger Moor selbst, vor allem Kuhdrift und den Scheunenbuschdamm bis zur Kompressorstation in Schotterbauweise herzustellen. Der Schafdamm solle künftig nur noch für Radfahrer und Fußgänger freigegeben werden, sobald er nicht mehr als Zuwegung zu landwirtschaftlichen Flächen benötigt werde.

„Wir hoffen, dass es nicht bei dieser Fläche zur Wiedervernässung bleibt“, verrät Wolf. Aktuell sei ein Büro damit beauftragt, wo in nördlich und südlich angrenzenden Bereichen eine Wiedervernässung sinnvoll sei. Die Ergebnisse lägen voraussichtlich im nächsten Jahr vor, und die Flächen könnten dann in die Flurbereinigung mit aufgenommen werden. „Wir brauchen aber noch Geld dafür, denn Naturschutz ist nicht umsonst zu bekommen.“

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