Neue Eigentümer säubern Gelände

Frühere Schrebergärten im Sulinger Fladder: von Drogenspritzen bis Campingklo

Eugen Helmich und Jennifer Hilbers stehen vor der geräumten Fläche.
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Vor der weitgehend geräumten Fläche: Eugen Helmich und Jennifer Hilbers.

Sulingen – Im eigenen Garten eine benutzte Drogenspritze finden? Für viele Eigentümer ist das ein Albtraum. Für Jennifer Hilbers und Eugen Helmich aus Sulingen ist das jedoch Realität geworden – und bei nur einer Spritze blieb es nicht.

Im vergangenen Jahr kaufte das Paar ein unbebautes Grundstück an der Straße „Im Fladder“. Während auf dem westlichen Teil des Geländes rasch ihr Eigenheim errichtet werden konnte, hielt der größere, östliche Teil einige Überraschungen bereit. „Von außen wirkte das schön grün“, sagt Jennifer Hilbers, „aber niemand hat gesehen, was alles dahinter lag.“ Früher seien hier Schrebergärten gewesen, die aber seit wenigstens 15 Jahren brachgelegen hätten. Wie viele Parzellen es gegeben habe, sei nicht bekannt gewesen: „Zwei alte Hütten konnten wir sehen“, aber fünf weitere seien erst beim Aufräumen entdeckt worden, weil sie völlig überwuchert gewesen wären.

Bei einer der Hütten habe es sich, wie man über einen Bekannten von der Polizei erfahren habe, wohl früher um einen Treffpunkt von Drogenkonsumenten gehandelt, was zahllose Spritzen mit Kanülen und Medikamentenfläschchen belegten. „Es gab Ecken auf dem Grundstück, da konnte keiner einfach so in die Erde fassen“, so Jennifer Hilbers.

Spritzen und andere Utensilien des Drogenkonsums fanden die Helfer.

Unter Dornen und Gestrüpp fanden sich aber noch zahlreiche andere Hinterlassenschaften: Eine Rutsche und eine Schaukel habe man gefunden, im Boden vergrabene Eisenträger seien aufgetaucht, eine Campingtoilette, und offenbar hätten manche auch ihren Hausmüll, alte Koffer und Kleidung auf dem Gelände entsorgt.

Mit vielen Freunden und Bekannten habe das Paar mindestens 16 Wochenenden mit dem Aufräumen verbracht, und auch die Nachbarn seien sehr hilfsbereit gewesen. „Anfangs hat das Aufräumen Spaß gemacht, weil man jeden Nachmittag sehen konnte, was man geschafft hat“, berichtet Jennifer Hilbers, „aber irgendwann haben wir nur noch gehofft, dass wir nichts mehr finden.“

Völlig überwuchert war diese frühere Hütte auf dem Schrebergartengelände.

Insgesamt rund 20 Tonnen an Bauschutt habe man entsorgen müssen, rechnet Eugen Helmich zusammen, dazu Restmüll, Altholz, Schrott und zum Teil auch Sondermüll. „Der Autoverwerter kannte uns schon, weil wir so oft Schrott gebracht haben. Als ich mal gesagt habe ,Das war’s jetzt‘, hat er nur gelacht, und ich musste wirklich noch zweimal hin.“ Rund 4 500 Euro habe die Entsorgung gekostet. Zahlreiche Gehwegplatten habe man über Ebay verschenken können, und „schöne Sachen mussten wir nur an den Weg stellen, die waren dann weg“, lacht Jennifer Hilbers.

Während sich die Nachbarn gefreut hätten, dass sich jemand um „den Schandfleck“ kümmere, habe es manchmal von Passanten Kritik gegeben, dass „das schöne Grün“ weggerissen werde, „und wir sind sogar fotografiert worden“, erinnert sich Eugen Helmich. Dabei habe man selbst so viel wie möglich erhalten wollen: „Wir haben noch auf ein paar schöne Obstbäume gehofft.“ Geblieben seien allerdings ein paar Birken, denn in einen alten Kirschbaum sei früher ein Blitz eingeschlagen, und ein Ahorn habe gefällt werden müssen, weil ein Drahtzaun eingewachsen gewesen sei.

Auch ein benutztes Campingklo verbarg sich auf dem Gelände.

Auch Gerüchte über die künftige Nutzung des Geländes seien im Umlauf gewesen, etwa dass dort noch mehr Häuser gebaut werden sollten oder gar ein Flüchtlingsheim. „Dabei wollen wir das gar nicht bewirtschaften“, bekräftigt Eugen Helmich. Der hintere Teil der Fläche solle als Erweiterung der Pferdeweiden des benachbarten Meierhofs dienen, und den vorderen Teil wolle man als Garten nutzen.

Bis dahin gehen die Aufräumarbeiten weiter: Henning Meyer vom Meierhof grubbere die Fläche regelmäßig, sodass der noch im Boden vorhandene Müll abgesammelt werden könne, und durch den Regen seien zahlreiche Glasscherben zutage getreten, die möglicherweise von einem alten Gewächshaus stammten. „Irgendwann wird es wieder schön sein“, hofft Jennifer Hilbers.

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