Vom Geben

Künstler Henning Diers bietet Hospizbewohnern bunte Abwechslung

Vor der Malwand im Kreativraum (von links): Petra Brackmann, Brigitte Meyer und Henning Diers.
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Vor der Malwand im Kreativraum (von links): Petra Brackmann, Brigitte Meyer und Henning Diers.

Sulingen – Wenn Gedanken nicht in Worte zu fassen sind, aber in Farbe: Dann ist Zeit mit Henning Diers genau richtig. Der 54-Jährige aus Hassel ist freischaffender Künstler und als solcher ab sofort regelmäßiger Gast im Sulinger Hospiz „Zugvogel“. Er lädt Bewohner, deren Angehörige und die Mitarbeiter gleichermaßen ein, im Kreativraum oder in dem eigenen Zimmer zu den Farben zu greifen.

Egal, ob Buntstift oder Kreide, ob Acryl oder Öl: „Hier ist ja alles im Raum und kann da bleiben, wir müssen nichts umräumen, vorher oder anschließend“, freut sich der Künstler. Der Kreativraum im Hospiz gehörte von Anfang an zum Konzept, erklärt Brigitte Meyer, Therapeutin des Hospiz-Teams mit Schwerpunkt Kunsttherapie in der Psychoonkologie, Optionen für den non-verbalen Ausdruck. Der wissenschaftliche Ansatz, dem Tag eines Hospiz-Bewohners auch einen künstlerischen Anteil anzurechnen, ist aber nur eine Seite.

Ihm Farbe zu geben eine andere. Für Henning Diers ist Zeit im Zugvogel etwas, was er gerne gibt, „Ich kriege viel zurück, ich werde hier belohnt durch die Kontakte, die Gespräche.“ Diers gehört nicht zum angestellten Team, sondern bietet die Kreativzeit kostenlos an. Als Künstler ist er breit aufgestellt, was seine eigenen Themen und Materialien angeht. Das Angebot kommt nicht als Idee aus dem Atelier, sondern aus der Tatsache, dass Henning Diers über den Aufenthalt seiner verstorbenen Mutter das Hospiz in Sulingen kennengelernt hat.

Diers hat keine Berührungsängste, im Gegenteil: „Das ist die Realität. Lachen und Weinen gehört dazu.“ Er erzählt von einem Nachmittag bei Kaffee und Kuchen – als die Malgruppe herzhaft lacht, wird ein verstorbener Bewohner durch das Team des Beerdigungsinstitutes abgeholt. Doch, das gehört zusammen, bestätigt Einrichtungsleiterin Petra Brackmann. „Wir haben gute Rückmeldungen bekommen, ob der guten Gespräche, die die Teilnehmer während der Kreativzeit führen.“ Dass jemand „von außen“ ins Hospiz kommt, sei eine tolle Erfahrung für die Bewohner. Denn: „In deren Leben bricht vieles oder alles weg. Viele Menschen wenden sich von ihnen ab. Und nun ist da jemand, der uneigennützig dieses Angebot macht. Es macht mir Gänsehaut, wie gut das ankommt“, bekennt Brackmann.

Brigitte Meyer bestätigt: Im Hospizalltag komme der künstlerische Anteil oft zu kurz. „Henning Diers bringt aber die Muße mit, sich für einige Stunden mit den Teilnehmern künstlerisch zu beschäftigen.“ Dass diese kreativen Einheiten samstags stattfinden ist nicht zufällig gewählt: Dann ist es ruhiger im Hospiz. Und wenn ich aber nicht begabt bin? „Dann sind es die guten Gespräche“, erinnert Brigitte Meyer.

„Ich kann dem Ausdruck verleihen, was ich nicht sagen kann. Und: Es ist unglaublich, mit anzusehen, wenn die Teilnehmer entdecken, dass sie sich selbst mit dem Malen eine Freude machen“, berichtet Diers aus der Gruppe. Einer Bewohnerin gefielen besonders Schmetterlinge. Henning Diers hat ihr eine Kontur gezeichnet, die Bewohnerin kolorierte sie. Sie war hellauf begeistert, als Diers mit Gold zur Verarbeitung im Gepäck nach Sulingen reiste. Der ganz persönliche Schmetterling bekam eine ganz persönliche Bedeutung für die Bewohnerin, die Familie und Hospiz-Team daran teilhaben ließ. So sehr, dass der Sohn nach dem Tod der Mutter den Schmetterling in Sulingen beließ.

Eine andere Bewohnerin besuchte Diers in ihrem Zimmer. Das Gespräch führte dazu, dass der Künstler die Frau zeichnete, ein Portrait für den Sohn sollte es sein. Diers stellte bei genauem Hingucken fest, dass ihr Lippenbogen besonders schön war. Was er ihr sagte. Ein Kompliment, das die Frau berührte. Und eine Begegnung, die wiederum den Maler zutiefst berührte.

Die Zeitrechnung im Hospiz ist konzentriert auf das Heute – und was daraus entstehen kann, erklärt Petra Brackmann. Würde jemand eine Stunde einfach so Klavier spielen wollen – das Klavier wäre da. Oder abends vorlesen? Der Stuhl stünde bereit: Es sind Angebote, die außerhalb des Alltags laufen. Und damit außerhalb des Budgets – Spenden sind gern gesehen und werden eingesetzt, um den Bewohnern eine spanende Unterbrechung geben zu können an Tagen, die lang werden können.

Für Henning Diers ist das Malen im Hospiz keine einmalige Sache, er möchte es weiterführen, wohlwissend, dass jeder Termin der letzte für einen der Bewohner sein kann. Seine Motivation: „Ich habe Lust darauf, zu geben.“

Mehr Infos unter www.diersign.de und www.zugvogel-sulingen.de

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