Vittorio Sgariglia würde nach Schuhfertiger-Ausbildung gern bei Lloyd Shoes bleiben

Azubi aus Italien auf Zielgerade

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Vittorio Sgariglia probiert die „Zwickerei“ aus – einer der letzten und schwierigsten Arbeitsgänge, die er in seinem letzten Ausbildungshalbjahr bei Lloyd Shoes zu lernen hat; von links: Barbara Möller, Dieter Horsten und Heinz Segelhorst (Leiter Personalwesen).

Sulingen - Als niedersachsenweit erster Teilnehmer am Förderprogramm für junge Europäer „The job of my life“ begann Vittorio Sgariglia 2013 seine Ausbildung zum Schuhfertiger bei Lloyd Shoes in Sulingen (wir berichteten). Jetzt geht es auf die Zielgerade, im Juni hat der 23-Jährige seine Abschlussprüfung. Wie läuft es für den Italiener mit den Rastalocken? „Sehr gut“, stellt er lächelnd fest. „Als ich angefangen habe, war es schwieriger für mich, auch, mit den Leuten umzugehen. Jetzt klappt es mit den Mitschülern und Kollegen wunderbar – und die Arbeit gefällt mir immer noch.“

Sgariglia kommt aus Porto Sant’Elpidio an der Adriaküste. Als ihm „Lloyd“ nach einem Praktikum die Lehrstelle anbot, griff er gern zu: „In Italien haben 49 Prozent der unter 25-Jährigen keine Arbeit. Einen Ausbildungsplatz findet man sowieso nicht, dafür muss man schon Connections haben.“ Zugute kam ihm, neben grundsätzlichen Deutschkenntnissen, das gerade aufgelegte Programm zur „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa“. „Es passte genau: Ich habe mit Personalreferent Gordon Behrens telefoniert, wollte ihm von dem neuen Programm erzählen – und er mir von Vittorio“, berichtet Barbara Möller, Arbeitgeberberaterin von der Agentur für Arbeit in Diepholz. Das Programm bietet ausbildungsbegleitende Hilfen, übernimmt Reisekosten für Familienheimfahrten, stockt bei Bedarf die Vergütung auf. Und sorgt für Sprachförderung, im Falle von Vittorio für einen einwöchigen Intensivkursus. „Mein erster Gedanke: Hoffentlich klappt das mit der Sprache, angesichts der ganzen Fachbegriffe“, erinnert sich Dieter Horsten, Leiter der gewerblichen Ausbildung. Diese Barriere habe Vittorio engagiert aus dem Weg geräumt: „Wenn er nicht ganz sicher ist, ob er etwas richtig verstanden hat, hört er nicht auf zu bohren, bis er sicher ist.“

Gordon Behrens und Barbara Möller hätten ihm bei allen Fragen zur Seite gestanden, bedankt sich der 23-Jährige. „So wusste ich immer genau, was ich machen musste, hatte keine Schwierigkeiten.“ Schnell zog er in eine eigene Wohnung, ein halbes Jahr später kam seine Freundin aus Italien nach, die ebenfalls in der Region arbeitet.

Bei einem vierwöchigen Aufenthalt im rumänischen Werk von Lloyd Shoes lernte Vittorio Sgariglia vor Kurzem, wie man Schäfte näht und stanzt. „Und was Akkordarbeit ist. Ich denke, das Wichtigste war, zu verstehen, wie gut es uns hier geht...“ Deutlich besser gefallen hat ihm ein zweiwöchiger Spezialauftrag als Dolmetscher: Lloyd Shoes kaufte Maschinen für eine neue Produktionsstraße von italienischen Herstellern, „zwei davon nur 15 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt, ich konnte meine Eltern besuchen.“

Auf die Frage nach Zukunftsplänen antwortet Vittorio Sgariglia: „Ich würde mich sehr freuen, für Lloyd Shoes zu arbeiten, aber in welchem Bereich, weiß ich noch nicht. Rohmaterial, wie es entsteht, wie man es benutzen kann, das interessiert mich.“ Zieht es ihn nicht zurück nach Hause? „Italien ist meine Heimat, und dass ich die vermisse, ist normal. Aber ich habe ja schon 20 Jahre da gelebt – und kann jetzt neue Erfahrungen machen.“

ab

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